Eine klassische Detektivgeschichte
Denn das hier ist eine Detektivgeschichte, wie sie auch Dashiel Hammett oder Raymond Chandler hätten erzählen können. Nur dass einige Figuren eben Superkräfte haben.
Die Geschichte: Vor fünf Jahren hängte Ben Reilly sein Kostüm an den Nagel. Dem Motto "Aus großer Kraft folgt große Verantwortung" wurde er nicht gerecht, weil er seine Frau nicht vor dem Tod bewahren konnte. Seitdem schlägt er sich als Privatdetektiv mehr schlecht als recht durch und hat hingenommen, dass der Verbrecherboss Silvermane die Stadt unter seine Kontrolle gebracht hat.
Dann erhält er den Auftrag, eine Frau zu beschatten, die ihren Mann betrügen soll. Allerdings geht es dabei um mehr, was Reilly auch schnell klar wird. Denn die Frau hat einen Freund, der verschwindet – und auch dieser Freund hat Kräfte. So wie ein anderer, den Reilly aufspüren soll.
Ihm wird klar, dass er mitten in ein Wespennest gestochen hat. Reilly möchte nur raus – aber die Welt um ihn herum zieht ihn wieder herein. Er muss einmal mehr The Spider werden.
Ungewöhnlicher Nicolas Cage
Nicolas Cage ist bekannt für seine Mimik, für das wilde Grimassieren, für das Finden des Expressionistischen im Schauspiel, aber als Ben Reilly hält er sich (relativ) zurück und wird dabei doch eins mit dieser Figur. Aber wenn er loslegt, wenn er sich mit Leuten prügelt, wenn er versucht ist, sein Netz zu versprühen, wird die typische Cage'sche Energie spürbar.
Cage beschreibt seine Figur als Mischung aus Humphrey Bogart und Bugs Bunny – ein Hinweis auf die Balance zwischen Ernst und Ironie. Gleichzeitig bringt er eine eigenwillige Perspektive(öffnet im neuen Fenster) ein: "Ich spiele eine Spinne, die versucht, als Mensch durchzugehen."
Zugleich ist Reilly ein desillusionierter Held. Jemand, der resigniert hat, der das auch mit lakonischem Witz untermalt und dabei immer versucht, unter dem Radar zu bleiben. Die acht Folgen der ersten Staffel sind damit auch die Geschichte eines Mannes, der wieder zu sich selbst finden muss – ob er das nun will oder nicht.
Starke Besetzung
In der Rolle des Schurken Silvermane agiert Brendan Gleeson (Brügge sehen und sterben), der mit irischem Akzent agiert, auch wenn seine Rolle italienische Wurzeln hat. Das ist eine dieser Diskrepanzen, die Spider-Noir auszeichnen.
Die Serie erschafft sich ihre eigene Realität, ist ein Amalgam aus Superheldengeschichte, Hardboiled-Krimi und knallhartem Film Noir. Nichts ist, wie es scheint. Das gilt auch für die Figuren, darunter Flint Marko alias Sandman, gespielt von Jack Huston oder Lukas Haas (Der einzige Zeuge) als Silvermanes Handlanger Winston.
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