Speicherkrise: Brite fliegt für billige Festplatten nach New York
Die angespannte Lage auf dem Speichermarkt erfordert ungewöhnliche Maßnahmen bei IT-Einkäufen. Während die Preise für Hardware global steigen und Hersteller wie Phison vor einer tiefgreifenden Krise der gesamten Branche warnen, zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Insbesondere bei mechanischen Festplatten (HDDs) klafft ein großer Preisunterschied zwischen den USA und Europa. Das hat einen IT-Enthusiasten aus Großbritannien dazu bewogen, seine benötigte Hardware persönlich in New York abzuholen, anstatt sie bei lokalen Händlern zu bestellen.
Preisdifferenz von 370 Euro pro Laufwerk
Der Nutzer, der unter dem Pseudonym cgtechuk auf Reddit(öffnet im neuen Fenster) über seine Erfahrungen berichtete, benötigte für sein privates NAS insgesamt zehn Festplatten mit einer Kapazität von jeweils 28 TByte. Im Vereinigten Königreich belief sich der Preis pro Stück auf etwa 568 Pfund (650 Euro). In den USA waren identische Modelle hingegen für umgerechnet 244 Pfund (280 Euro) gelistet. Bei zehn Laufwerken ergab sich somit eine theoretische Ersparnis von rund 3.700 Euro vor Reisekosten.
Der Einkauf vor Ort gestaltete sich jedoch logistisch anspruchsvoll. Da die US-Händler die Abgabemenge pro Kunde oft auf fünf Einheiten limitieren, musste der Käufer den Erwerb auf mehrere Geschäfte aufteilen. Zudem gab es Schwierigkeiten bei der Bezahlung: Einige Händler akzeptierten internationale Kreditkarten nur in Verbindung mit einer lokalen Rechnungsadresse. Letztlich musste der Käufer auf eine American Express Karte ausweichen, was zusätzliche Fremdwährungsgebühren kostete.
Funktionstest im Hotelzimmer
Um das Risiko von Defekten oder Betrug zu minimieren, prüfte der Käufer die Hardware noch vor Ort in den USA. Im Hotelzimmer in New York wurden alle zehn Laufwerke ausgepackt und mittels Diagnose-Software auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Den Transport auf dem Rückflug organisierte der Anwender über das Handgepäck, wobei er die originalen Schaumstoffeinlagen zur Sicherung der empfindlichen Datenträger nutzte.
Laut Berechnungen von Tom's Hardware(öffnet im neuen Fenster) verblieb dem Käufer nach Abzug der geschätzten Reisekosten sowie der Einfuhrumsatzsteuer von 20 Prozent eine Nettoersparnis von mindestens 1.700 Euro. Da der Betroffene für Flug und Hotel zusätzlich Bonuspunkte aus Treueprogrammen einlöste, fielen die effektiven Ausgaben für den Trip noch geringer aus.
Hintergrund der extremen Preisunterschiede ist die anhaltende Knappheit bei Flash-Speicher, die dazu führt, dass Rechenzentren verstärkt auf klassische HDDs ausweichen. Analysten beobachteten zuletzt Preissteigerungen von fast 50 Prozent bei Festplatten. Da Hersteller wie Western Digital signalisieren, dass ihre Kapazitäten für das Jahr 2026 bereits weitgehend ausgebucht sind, bleibt die Verfügbarkeit für Endverbraucher in Europa stark eingeschränkt.