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Spark: Cisco bringt die Videokonferenz aufs Smartboard

Cisco erweitert seine Skype -, Google-Docs - und Slack-Konkurrenz für Unternehmen: Das auf den ersten Blick gute neue Spark Board vereint Konferenzsystem und Smartboard-Fähigkeiten und Cloud -Anbindung in einem System. Das hat allerdings seinen Preis.
/ Oliver Nickel
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Das Spark Board kann als Whiteboard fungieren (Bild: Cisco)
Das Spark Board kann als Whiteboard fungieren Bild: Cisco

Cisco hat ein neues Smartboard vorgestellt, das seine hauseigene Softwarelösung für Unternehmenskommunikation, Spark, nutzt. Das Spark Board fungiert als Smartboard, allerdings mit Cloud-Anbindung. Dadurch und durch die Spark-Software wird es möglich, gemeinsam verwendete Daten abzubilden, zu bearbeiten und zu präsentieren. Durch eine Whiteboard-Funktion können Tafelbilder digitalisiert und wiederum geteilt werden. Golem.de konnte sich einen ersten Eindruck von dem Gerät verschaffen. Das Ergebnis: Die Idee ist gut, aber die Kosten sind hoch. Auch für die Spark-Software gibt es ein paar Neuerungen.

Cisco Spark Board - Produktbeschreibung
Cisco Spark Board - Produktbeschreibung (02:01)

Ciscos Ziel bei Spark ist es, verschiedene Kommunikationswege wie Videochat, Textchat, VoIP und das Teilen von Inhalten über die Cloud in einer Applikation zu vereinen und damit günstigeren Diensten Konkurrenz zu machen, die Teillösungen anbieten, etwa Google Drive, Google Docs, Hipchat, Slack und Skype. Das neue Spark Board fügt demzufolge eine Funktion hinzu, die keiner der genannten Dienste bietet. Einziger nennenswerter Konkurrent ist hier derzeit Microsoft mit seinem Surface Hub.

Kamera liefert 4K-Bilder

Das Spark Board wird es in 55 Zoll und 70 Zoll zu kaufen geben. Das Gerät hat eine integrierte Kamera, die in 4K-Auflösung Bilder liefert. Dieses im ersten Eindruck wirklich gute Bild kann für Videokonferenzen an alle anderen Spark-Clients übertragen werden, also Geräte, auf denen die Spark-Software installiert ist. Cisco zeigte, wie ein Videosignal von einem Endgerät direkt auf das Spark Board übertragen wurde - das Ergebnis sah gut aus. Das kann in hektischen Konferenzen oder für Perspektivwechsel von Vorteil sein.

Parallel zum Videosignal kann das Spark Board Software abspielen. Der Hersteller zeigte in Berlin eine Videokonferenz und eine Powerpoint-Präsentation gleichzeitig. Auf dem Board wurden diese Informationen ruckelfrei angezeigt. Beim Stream gibt es allerdings noch ein paar Performance-Probleme. Das mag bei einer statischen Folienpräsentation in Ordnung gehen, fällt aber bei hakeligen Animationen etwas negativ auf.

Eine gute Idee hingegen sind die an der Seite angebrachten zwölf Mikrofone des Spark Boards. Mit deren Hilfe soll das Gerät einzelne Stimmen im Raum filtern und möglichst klar und ohne Hintergrundgeräusche wiedergeben können. Das funktionierte in der gezeigten Präsentation bereits ganz gut, die Tafel wurde aber nur von einer Person benutzt.

Das Spark Board als Whiteboard

Für das Spark Board kann außerdem ein Gastmodus verwendet werden. Dann gibt es eine Whiteboarding-Funktion zum Zeichnen von Skizzen, Mindmaps oder einfach nur Stichpunkten. Der Grafikeditor ist bewusst einfach gehalten. Das Spark Board kann ansonsten auch als zweiter Bildschirm verwendet werden.

Im Unterschied zum analogen Gegenstück kann hier jedoch das Potenzial des kapazitiven Touchscreens ausgenutzt werden. Das Spark Board bietet Fingerbedienung und Gestensteuerung wie Pinch-to-Zoom oder Scrolling, kann aber auch mit dem drucksensitiven Stift bedient werden. Dieser verfügt über eine filzartige Spitze, spiegelt also eine Art Whiteboard-Marker wider.

Innerhalb des Editors kann zwischen vier verschiedenen Farben gewählt werden. Weiterhin können Eingaben radiert oder eine Fläche komplett gelöscht werden. Die Einfachheit der Skizzierfläche macht das Spark Board intuitiv bedienbar, ist aber etwas zu simpel geraten, um komplexe Diagramme oder Brainstorming-Prozesse zu verwirklichen. Hier wären mehr Farben und eventuell verschiedene Pinselarten eine sinnvolle Ergänzung.

Anmeldung per Ultraschall

Neben dem Zeicheneditor bietet der Gastmodus des Spark Boards eine Funktion für den Videoanruf. Darin integriert ist die Suche nach möglichen Anrufpartnern. Man kann einen gewählten Partner per VoIP anonym anrufen, doch eine Identität erkennt das Spark Board nur anhand des angemeldeten Spark-Clients.

Dieser meldet sich automatisch auf dem Gerät an, wenn sich ein Gerät mit geöffneter Applikation der Tafel nähert. Cisco hat sich zu diesem Zweck eine drahtlose Technik einfallen lassen. Das Board sendet Ultraschallwellen aus, die vom Menschen unmerkbar sind. Ein Endgerät kann diese Schallwellen hingegen interpretieren. Das Spark Board meldet dadurch automatisch den jeweiligen Nutzer an - eine gute Idee.

Trotzdem wird für jegliche weitere Kommunikation eine Verbindung zum Internet vorausgesetzt. Das kann ein bürointernes WLAN oder die Mobilfunkverbindung des Clients sein. Das liegt an der Kommunikation aller Dienste über die Spark Cloud.

Ist ein Client auf dem Spark Board angemeldet, kann er die Tafel zum Präsentieren von Inhalten oder das bereits angesprochene gleichzeitige Arbeiten aller Space-Mitglieder auf einer Zeichenfläche verwenden. Die Verbindung mit dem Zeichenbrett dauert eine Weile, dafür werden gezeichnete Linien mit kleiner Verzögerung direkt auf der Tafel angezeigt. Später soll es auf dem Spark Board möglich sein, auch in Präsentationen Stiftnotizen einzufügen.

Das Spark Board erscheint uns auf den ersten Blick gut durchdacht. Genutzt werden kann es allerdings ausschließlich mit der Spark-Software.

Neue Cloud-Funktionen für die Spark-Software

Die Spark-Software funktioniert wie ein normaler Chat-Client, ähnlich einem Skype oder Slack. Mitglieder eines Unternehmens mit Zugriff auf Spark haben hier die Möglichkeit, sich in virtuellen Gruppen zu organisieren. Diese Chat-Rooms werden Cisco Spaces genannt und ermöglichen neben dem Versenden von Textnachrichten auch direkte Anrufe oder Videoanrufe zu anderen Spark-Nutzern. Das Produkt befindet sich bereits seit 2015 im produktiven Einsatz und wird als individuelle Geschäftslösung vertrieben. Cisco hat auch die Software aktualisiert.

Cloud-Unterstützung auf allen Clients

Der Spark-Client erhält eine neue Benutzeroberfläche und integriert das angekündigte Spark Board. Cisco Spark nutzt die Cloud auch jenseits des Spark Boards für das Teilen von Inhalten unter verschiedenen Spark-Nutzern. Innerhalb einer Nutzergruppe, eines sogenannten Spaces, können Dateien von Mitgliedern gelesen, beschrieben oder als Kopie heruntergeladen werden.

Die auf Voice over IP basierende Technik kann über die zugehörige Cloud-Infrastruktur konfiguriert werden. Diese Telefonanlage ist webbasiert erreichbar und verbindet neben proprietärer Cisco-Hardware auch andere Geräte mit installiertem Spark-Client. Dazu gehören Smartphones und Tablets mit Android sowie iOS und Computer mit MacOS oder Windows. Nicht unterstützt wird hingegen vorerst Windows 10 Mobile. Die Telefonanlage in der Cloud ist bisher nur in den USA verfügbar, soll aber nach Deutschland kommen, ein Termin wurde nicht genannt.

Offene Schnittstellen für Entwickler

Unabhängig von der Lizenz soll Spark mit offenen Schnittstellen ausgestattet sein. Das ermöglicht Anwendungsentwicklern die Integration von Spark in bereits vorhandene Produktivsysteme. Genannt werden einige bekannte Marken wie Trello, Salesfoce und Zendesk.

Um alle Funktionen von Cisco Spark zu nutzen, muss ein Abonnement abgeschlossen werden. Den Spark Client kann man für gewünschte Plattformen zwar auch kostenlos herunterladen. Die Funktionsweise ist dabei jedoch stark eingeschränkt und ist daher eher eine Demonstration als eine produktiv nutzbare App.

Cisco Spark lohnt sich nur für größere Unternehmen

Da die Nutzung des Spark-Boards an die Spark-Software gekoppelt ist, ist ein Abonnement hier zwingende Voraussetzung. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Das Unternehmen stellt dafür individuell an die Kundenanforderungen angepasste Lösungen zusammen. Daher können allein für den Cloud-Dienst keine festen Preise genannt werden.

Das Spark Board selbst wird in der 55-Zoll-Version 5.000 US-Dollar kosten. Für das 70-Zoll-Modell ist noch kein Verkaufspreis bekannt. Zu den Anschaffungskosten für das Board kommen nicht nur die monatlichen Abogebühren für die Software, sondern für die Nutzung des Boards mindestens weitere 200 US-Dollar pro Monat - ein finanzieller Aufwand, der sich für kleine Unternehmen kaum lohnen wird. Ein Abomodell ohne festen Kaufpreis oder ein fixer Preis wären die besseren Alternativen für diese Zielgruppe.

Cisco bietet Unternehmen damit eine auf den ersten Blick durchdachte, aber sehr kostenaufwendige Lösung für Unternehmenskommunikation an. Der Vorteil, alle Kommunikationswege in einer übersichtlichen Applikation zusammenzufassen, steht einer großen Bandbreite an kostenlosen oder kostengünstigen Diensten gegenüber, die kombiniert genau denselben Zweck erfüllen.

Nicht umsonst erfreuen sich Programme wie Google Drive, Google Docs, Hipchat, Slack, Skype und weitere in kleinen Unternehmen großer Beliebtheit. Das Spark Board mit der Integration von Ciscos Lösung bringt hier allerdings eine Besonderheit mit sich. Interessenten können das Spark Board ab März 2017 bestellen.


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