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Spannungen bei Tesla: Betriebsräte im Visier

Tesla hat innerhalb von drei Monaten zweimal versucht, ein Betriebsratsmitglied zu entlassen. Der Konflikt spitzt sich zu.
/ Michael Linden
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Tesla Gigafactory Berlin (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Tesla Gigafactory Berlin Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Bei Tesla in Grünheide spitzt sich der Konflikt zwischen Unternehmensführung und Gewerkschaft zu. Innerhalb von drei Monaten versuchte der E-Auto-Hersteller zum zweiten Mal, ein Mitglied des Betriebsrats zu entlassen, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) . Die IG Metall sieht darin einen Angriff auf die Arbeitnehmervertretung und kündigte Widerstand an.

Im ersten Fall kündigte Tesla laut Handelsblatt im Juli 2024 einem Schichtleiter, der Mitglied im Betriebsrat war und kurz vor Beginn seiner Elternzeit stand, heißt es in dem Bericht. Der Vorwurf: falsche Arbeitszeiteinträge. Der Mitarbeiter gab an, dies sei mit Vorgesetzten abgesprochen gewesen, um häufige Überschreitungen der gesetzlichen Höchstarbeitszeit auszugleichen.

Das Landesamt für Arbeitsschutz in Brandenburg wies die Kündigung dem Bericht nach zurück. In dem Beschluss kritisierte die Behörde "inkonsistente Regelungen zur Arbeitszeit und Zeiterfassung" bei Tesla, die "zum Teil zu rechtlich nicht zulässigen Folgen führen" .

Nun versucht Tesla erneut, einem gewerkschaftlich organisierten Betriebsrat zu kündigen. Diesmal lautet der Vorwurf, der Mitarbeiter habe einer nicht gewerkschaftlich organisierten Betriebsrätin körperliche Gewalt angedroht. Der Betroffene bestreitet dies, die IG Metall bezeichnet den Vorwurf als "absurd" .

Interne Konflikte im Tesla-Betriebsrat

Die Vorfälle offenbaren tiefe Gräben innerhalb des Tesla-Betriebsrats in Grünheide. Bei der Wahl im März gewann die IG Metall 16 Sitze, während vier andere Listen zusammen 23 Sitze errangen. Diese Fraktion 23 bildet seither eine Front gegen die IG Metall-Vertreter.

In einer kürzlich abgehaltenen Betriebsratssitzung kam es zu einem Eklat. Ein Produktionsmitarbeiter der IG Metall beschwerte sich emotional über eine kurzfristige Einladung. Seine Wortwahl führte zu seiner Suspendierung und anschließenden fristlosen Kündigung, der der Betriebsrat mit den Stimmen der Fraktion 23 zustimmte.

Die IG Metall kritisiert das Vorgehen scharf. Bezirksleiter Dirk Schulze betonte, dass Betriebsräte sich nicht beim Arbeitgeber anschwärzen oder an Kündigungen anderer Betriebsräte beteiligen sollten. Die Gewerkschaft sieht in den Kündigungsversuchen eine Einschüchterungstaktik gegen gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiter.

Laut IG Metall erhielten 25 von 35 Personen auf ihrer Betriebsratsliste seit Jahresbeginn Abmahnungen. Jedem IG Metall-Betriebsrat sei bereits eine außerordentliche Kündigung angedroht worden. Die Gewerkschaft führt dies auf ihre Kritik an der hohen Arbeitsbelastung zurück, die sie als Hauptgrund für den überdurchschnittlichen Krankenstand im Werk sieht.

Um die Probleme besser zu verstehen, haben die IG Metall-Betriebsräte eine Umfrage zur Arbeitsbelastung gestartet. Die nicht gewerkschaftlich organisierten Betriebsräte distanzieren sich von dieser Initiative und sehen darin einen Versuch der Mitgliederwerbung.


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