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Spanischer Blackout 2025: Stromausfall durch veraltetes System und Fehlverhalten

49 Energieexperten aus 13 europäischen Instituten, unter anderem auch der Bundesnetzagentur, haben den Blackout in Spanien abschließend untersucht.
/ Mario Petzold
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Mehr Stromverbrauch und eine verlässlichere Versorgung erfordern Investitionen in Stromnetze und Steuerung. (Bild: Getty Images/Christopher Furlong)
Mehr Stromverbrauch und eine verlässlichere Versorgung erfordern Investitionen in Stromnetze und Steuerung. Bild: Getty Images/Christopher Furlong

Der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber(öffnet im neuen Fenster) hat auf insgesamt 472 Seiten die Ursachen des massivsten europäischen Stromausfalls seit 20 Jahren abschließend untersucht. Neben einer Häufung unglücklicher Umstände waren vor allem veraltete und teils zu lasche Sicherungssysteme hauptverantwortlich für die großflächige Störung im Jahr 2025 in Spanien.

Es gab demnach zwei Ereignisse, die zu Spannungsschwankungen führten. Neben einer innereuropäischen Oszillation wurde eine erzwungene Schwingung durch einen Umrichter gefunden, die ausschließlich die iberische Halbinsel betraf.

Auf beide Ereignisse wurde korrekt reagiert. Die Exporte in die Nachbarländer, insbesondere nach Frankreich, wurden reduziert und Leitungen wurden zugeschaltet. Die Oszillationen konnten gedämpft werden, aber die Spannung im spanischen Netz stieg dadurch gleichzeitig an.

Fehlerhafte Sicherheitseinstellungen

Der weitere Spannungsanstieg führte dazu, dass sich sowohl Kraftwerke als auch Umspannwerke vom Netz trennten. Laut Bericht wurden dabei weder die geltenden Grenzwerte noch vorgeschriebene Verzögerungen eingehalten. Ähnlich verhielten sich viele kleine Solaranlagen, die sich früher als erwartet von Netz trennten.

Weil die Anlagen bis dahin Blindleistung aus dem System aufgenommen hatten, was die Spannung senkte, folgte ein weiterer Spannungsanstieg.

Fehlerhafte Regelung

Weitere Gegenmaßnahmen verzögerten sich oder blieben ganz aus. Die Zuschaltung von Drosselspulen erfolgte im spanischen Stromnetz manuell. Da sich die Ereignisse innerhalb weniger Minuten abspielten, blieb jedoch keine Zeit, die nötigen Vorgänge anzustoßen.

Gleichzeitig fehlte die geforderte Blindleistungsstützung durch große, konventionelle Kraftwerke, die fest eingeplant war. Laut Bericht erreichten weniger als drei Viertel der überprüften Kraftwerke den erforderlichen Wert.

Kaum Toleranz und unflexibles Stromnetz

Als entscheidendes strukturelles Problem wurde eine viel zu geringe Sicherheitsmarge im 400-Kilovolt-Netz, und somit im großen Übertragungsnetz, ausgemacht. Bis 435 Kilovolt (kV) gilt der Betrieb in Spanien als sicher. Spätestens bei 440 kV dürfen sich Generatoren jedoch abschalten, so dass hier kaum Puffer bleibt. Im Rest Europas liegt der erlaubte Maximalwert bei 420 kV.

Hinzu kommt die feste Leistung der erneuerbaren Energien in Spanien. Diese passen ihre Blindleistung nicht an die Netzspannung an, sondern diese verhält sich proportional zur Wirkleistung. In anderen Ländern kann dies stufenweise geregelt werden.

Keine dynamische Anpassung möglich

Große Anlagen mit 5 Megawatt oder mehr, was einem kleinen Photovoltaikfeld oder einem großen Windrad entspricht, können dagegen gesteuert werden. Der Bericht dokumentiert jedoch, dass solche Befehle zur dynamischen Regulierung des Stromnetzes teils per E-Mail kommuniziert wurden.

Eine Anpassung in Minuten oder gar in Sekunden ist in diesem Umfeld nicht denkbar. Entsprechend schalteten sich immer mehr Anlagen aus Sicherheitsgründen selbst ab – nahezu gleichzeitig.

Der resultierende Wegfall der Blindleistungsaufnahme ließ die Spannung unkontrolliert ansteigen und das gesamte Stromnetz der iberischen Halbinsel kollabieren.

Klare Forderungen an die spanischen Netzbetreiber

Die Spannungsregelung im spanischen Netz muss laut Bericht erheblich verbessert werden. Vor allem die erneuerbaren Anlagen benötigen einen Spannungsregelungsmodus, der bisher nicht vorgesehen war. Diese und weitere Maßnahmen müssen zudem automatisiert werden.

Die Grenzwerte im Übertragungsnetz sollten an die europäischen Standards angepasst werden. Die verfrühten und fehlerhafte Abtrennungen von Anlagen deuten auf mangelhafte Kontrollen hin. Zudem muss der Einbau von dämpfenden Anlagen wie Statcoms und Phasenschiebern vorangetrieben werden.

Schließlich wird empfohlen, realistische Tests zur Zuverlässigkeit des Stromnetzes mindestens alle 3 Jahre durchzuführen und sicherzustellen, dass die Kommunikationssysteme wenigstens 24 Stunden lang ohne Strom weiterarbeiten.

Die Expertenrunde empfiehlt weiterhin, vergleichbare Maßnahmen auch in allen anderen europäischen Stromnetzen umzusetzen.


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