Kaum Toleranz und unflexibles Stromnetz
Als entscheidendes strukturelles Problem wurde eine viel zu geringe Sicherheitsmarge im 400-Kilovolt-Netz, und somit im großen Übertragungsnetz, ausgemacht. Bis 435 Kilovolt (kV) gilt der Betrieb in Spanien als sicher. Spätestens bei 440 kV dürfen sich Generatoren jedoch abschalten, so dass hier kaum Puffer bleibt. Im Rest Europas liegt der erlaubte Maximalwert bei 420 kV.
Hinzu kommt die feste Leistung der erneuerbaren Energien in Spanien. Diese passen ihre Blindleistung nicht an die Netzspannung an, sondern diese verhält sich proportional zur Wirkleistung. In anderen Ländern kann dies stufenweise geregelt werden.
Keine dynamische Anpassung möglich
Große Anlagen mit 5 Megawatt oder mehr, was einem kleinen Photovoltaikfeld oder einem großen Windrad entspricht, können dagegen gesteuert werden. Der Bericht dokumentiert jedoch, dass solche Befehle zur dynamischen Regulierung des Stromnetzes teils per E-Mail kommuniziert wurden.
Eine Anpassung in Minuten oder gar in Sekunden ist in diesem Umfeld nicht denkbar. Entsprechend schalteten sich immer mehr Anlagen aus Sicherheitsgründen selbst ab – nahezu gleichzeitig.
Der resultierende Wegfall der Blindleistungsaufnahme ließ die Spannung unkontrolliert ansteigen und das gesamte Stromnetz der iberischen Halbinsel kollabieren.
Klare Forderungen an die spanischen Netzbetreiber
Die Spannungsregelung im spanischen Netz muss laut Bericht erheblich verbessert werden. Vor allem die erneuerbaren Anlagen benötigen einen Spannungsregelungsmodus, der bisher nicht vorgesehen war. Diese und weitere Maßnahmen müssen zudem automatisiert werden.
Die Grenzwerte im Übertragungsnetz sollten an die europäischen Standards angepasst werden. Die verfrühten und fehlerhafte Abtrennungen von Anlagen deuten auf mangelhafte Kontrollen hin. Zudem muss der Einbau von dämpfenden Anlagen wie Statcoms und Phasenschiebern vorangetrieben werden.
Schließlich wird empfohlen, realistische Tests zur Zuverlässigkeit des Stromnetzes mindestens alle 3 Jahre durchzuführen und sicherzustellen, dass die Kommunikationssysteme wenigstens 24 Stunden lang ohne Strom weiterarbeiten.
Die Expertenrunde empfiehlt weiterhin, vergleichbare Maßnahmen auch in allen anderen europäischen Stromnetzen umzusetzen.
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