Spähaffäre: SMS und Handy-Daten als "Goldgrube" für NSA & Co.

Fast 200 Millionen SMS werden jeden Tag von der NSA abgefangen und von ihr und befreundeten Geheimdiensten wie dem britischen GCHQ ausgewertet. Auch andere Handydaten wie Zellenübergänge beim Roaming speichern die Spione, die Daten bezeichnen sie als "Goldgrube".

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Kanzlerin Angela Merkel verschickt SMS.
Kanzlerin Angela Merkel verschickt SMS. (Bild: Tobias Schwarz/Reuters)

Aus Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden haben der Guardian und der britische Sender Channel 4 ein Profil der Überwachung von Mobilfunkdaten durch Geheimdienste der USA und Großbritanniens zusammengestellt. Auf den teils geschwärzten Präsentationsfolien, die aus dem Jahr 2011 stammen, bezeichnen die Spione insbesondere SMS-Nachrichten als "Goldgrube".

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So hat die NSA allein im April 2011 insgesamt 194 Millionen SMS aus aller Welt gespeichert und ausgewertet. Nicht nur wer mit wem kommuniziert, interessiert den Geheimdienst, auch Reisepläne und Kontaktdaten, die durch elektronische Visitenkarten übermittelt werden, lassen sich aus den SMS extrahieren. Das Programm zur SMS-Überwachung läuft unter dem Namen "Dishfire".

Darüber hinaus gibt es eine Initiative namens "Prefer". Sie wertet weitere Mobilfunkdaten aus, die von den bisher von den Behörden genutzten Metadaten noch nicht erfasst wurden. So konnte die NSA mit Prefer in einem Monat 1,6 Millionen Grenzübertritte von Personen nachvollziehen, weil deren Handys sich in ein fremdes Netz per Roaming eingebucht hatten. Dabei erhalten die Nutzer von ihren Heimatprovidern oft automatisch eine SMS zu den Roamingkosten. Die Geheimdienste müssen also nicht einmal das Einbuchen selbst erfassen, die wohl leichter zugängliche SMS genügt.

Fünf Millionen Mal wurde die Benachrichtigung über einen verpassten Anruf gespeichert, was ganz ohne direkte Kommunikation ausreicht, um das soziale Netzwerk eines Menschen sichtbar zu machen. Auch wer wofür wie bezahlt, lässt sich anhand von Handydaten nachvollziehen. Aus den direkten Textnachrichten von Zahlungsdiensten und der Verknüpfung mit Kreditkartendaten ließen sich monatlich 800.000 Transaktionen erkennen.

SMS werden von der NSA jahrelang gespeichert

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Dishfire erfasse "wahllos" SMS-Nachrichten, so die Unterlagen wörtlich. Daher, so die Präsentation weiter, sei es auch ideal, um "neue Ziele zu erkennen" - also offenbar, um Personen auszumachen, die bisher noch unverdächtig schienen. Deren Verhalten könne auch im Nachhinein neu bewertet werden, weil die Textnachrichten jahrelang gespeichert würden, schreibt die NSA.

Wohl aufgrund dieser sehr konkreten Beschreibungen einer globalen Überwachung erhielt der Guardian auch eine Stellungnahme des US-Dienstes, der seine Daten auch mit anderen Behörden wie dem britischen GCHQ teilt. Zu Beginn der Affäre hatte die NSA sich nie zu den Vorwürfen geäußert. Eine Sprecherin des Geheimdienstes sagte, es werde nicht wahllos gespeichert und ausgewertet. Vielmehr unterliege die Überwachung strikten juristischen Richtlinien und richte sich auch nur gegen "eindeutige Geheimdienstziele im Ausland". Das Ausspähen von US-Bürgern, die sich innerhalb der Vereinigten Staaten befinden, ist der NSA verboten.

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