Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Spähaffäre: NSA-Software läuft auf 100.000 Computern

Der Geheimdienst NSA hat laut US-Berichten Rechner in aller Welt unter seiner Kontrolle – auch ohne Internet. Die Spione verschaffen sich über spezielle Hardware auch Zugriff auf abgeschottete Netze.
/ Nico Ernst
41 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Das neue Datenzentrum der NSA in Bluffdale im Bundesstaat Utah. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Das neue Datenzentrum der NSA in Bluffdale im Bundesstaat Utah. Bild: Sean Gallup/Getty Images

100.000 Rechner in aller Welt seien von Hard- und Software der NSA befallen, berichtet die New York Times(öffnet im neuen Fenster). Das Blatt bezieht sich dabei ausdrücklich auf einzelne Computer, nicht nur auf Rechner und Netzwerke wie bei früheren Veröffentlichungen über den US-Geheimdienst.

Nicht nur das Ausspähen von Daten, sondern auch der Einsatz fremder Rechner für Cyberattacken ist dem Bericht zufolge der Grund für die hohe Anzahl an Computern unter der Kontrolle der NSA. Die NSA bezeichnet das laut der Times als "aktive Verteidigung". Ob damit auch naheliegende DDoS-Attacken gemeint sind, geht aus der Meldung aber nicht hervor.

Die Infektion der Rechner erfolgt zunehmend nicht mehr nur über Angriffe über das Internet, vielmehr spielt direkt vor Ort angebrachte Hardware eine immer größere Rolle. Mindestens seit dem Jahr 2008 soll die NSA unter anderem USB-Sticks und harmlos aussehende USB-Kabel an den Zielrechnern anbringen. Diese Geräte nehmen dann per Funk über eine in der Nähe platzierte Relay-Station Kontakt mit einer Niederlassung der Militärbehörde auf. Diese Relays sollen nur so groß wie ein Aktenkoffer sein.

Die Installation von Schnüffelgeräten vor Ort ist damit eine neue Qualität in der NSA-Affäre, die an klassische Geheimdienstarbeit erinnert. Die New York Times berichtet auch von so wörtlich "Spionen", welche die Geräte anbringen sollen, andere Methoden setzen bei den Herstellern von Computern oder den Anwendern selbst an. Eine Parallele ist die Cyberwaffe Stuxnet, die über eine Infektion bei einem russischen Zulieferer in iranische Atomanlagen eingeschleust wurde.

Wenn in einem sonst vom Internet getrennten Netzwerk auch an nur einem Computer ein solches Spähgerät vorhanden ist, kann dieser weitere Rechner infizieren. Im Falle von Stuxnet wurde bekannt, dass die Software vier zuvor unbekannte Sicherheitslücken in Windows – sogenannte Zero-Day-Exploits – ausnutzte, um sich weiter zu verbreiten.


Relevante Themen