SpaceX: Was Starlink Deutschland bringen könnte

Wer keine schnelle Internetverbindung hat, dem will SpaceX mit Starlink helfen. Die Satelliten können pro Verbindung bis zu ein Gigabit pro Sekunde liefern. Im Testbetrieb sind es immerhin schon 50 bis 150 MBit/s. Auch in Deutschland hoffen viele auf schnelleres Internet per Satellit.
In ländlichen Regionen sollen fast 30 Prozent der Haushalte noch keinen Internetzugang mit ausreichenden Datenraten haben, insgesamt eine halbe Million. Ein Blick in den Breitbandatlas des Bundes zeige, dass Hunderttausende Menschen aufgrund langer Kupferleitungen sehr schlechte Internetverbindung haben, sagte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner im Januar 2021(öffnet im neuen Fenster) . "Der Satellit wird nie Millionen Glasfaser- oder Mobilfunkanschlüsse ersetzen, aber dort, wo es nötig und sinnvoll ist, werden Satelliten zukünftig eine viel größere und wichtigere Rolle spielen als heute" , sagte Grützner.
Fördern will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer das mit Gutscheinen über 500 Euro für einen Satellitenanschluss für Haushalte, die über eine Datenübertragungsrate von weniger als 10 MBit/s verfügen. Bereits im Oktober 2020 hat das Bundesverkehrsministerium über eine Förderung von Satelliteninternet gesprochen . Aber sind Satelliten dafür überhaupt geeignet und kann das Geschäftsmodell von SpaceX eine Konkurrenz für herkömmliche Anbieter darstellen?
Teure Glasfaser und langsame Satellitenverbindungen
Allerdings sind Internetverbindungen über geostationäre Satelliten, wie sie etwa von Eutelsat angeboten werden, für Videokonferenzen im Homeschooling wegen der großen Signallaufzeiten von einer halben Sekunde schlecht geeignet. Außerdem ist die Bandbreite dieses Satelliten für eine flächendeckende Versorgung mit 75 GBit/s zu stark beschränkt. Tesla-Gründer Elon Musk investiert mit seinem Unternehmen Starlink Milliarden in eine Satellitenkonstellation im niedrigen Erdorbit, bei der jeder Satellit eine Bandbreite von rund 20 GBit/s zur Verfügung stellen kann.
Eine andere Möglichkeit, die abgelegenen Haushalte zu versorgen, ist theoretisch 5G-Mobilfunk. Die Kosten für einen Ausbau mit 3,6-GHz-Frequenzen sind durch die vielen benötigten Basisstationen und den Backhaul viel zu hoch. Hier sind sehr hohe Datenraten über 1 GBit/s möglich. Auch im langsameren 2,1-GHz-Band, mit dem maximal 225 MBit/s erreichbar sind, müssen sich alle Nutzer einer Funkzelle die Kapazität teilen. Für eine leistungsfähige Anbindung über große Entfernungen, wie auf dem Land, ist Glasfaser notwendig.
Glasfaser ist teuer. Die Deutsche Glasfaser nennt aber keine konkreten Zahlen dazu, wie viel der Kilometer Glasfaserausbau in abgelegenen Regionen kostet. "Es handelt sich bei dieser Angabe um Unternehmensinterna, die ich Ihnen leider nicht zur Verfügung stellen kann" , sagte Firmensprecher Dennis Slobodian Golem.de auf Anfrage. Die Deutsche Telekom ist da weitaus offener: "Im Schnitt sind es 70.000 Euro. Je nach Bodenbeschaffenheit geht es rauf oder runter" , erklärte uns Telekom-Sprecher Markus Jodl. Im Extremfall kann aber schon der Anschluss an eine 200 m entfernte Verteilerstation 80.000 Euro kosten. Auch das Forschungsinstitut WIK geht für Deutschland vereinfacht von Kosten für 40.000 bis 60.000 Euro/km aus. Eine Starlink-Antenne kostet hingegen nur 500 Euro, unabhängig von der Entfernung zum nächsten Anschluss.
Starlink ist nur für dünn besiedelte Gegenden gedacht
Allerdings betont Elon Musk, dass Starlink vor allem in dünn besiedelten Gegenden gut funktioniert(öffnet im neuen Fenster) und konzentriert sich dabei auf den Markt in den USA, wo bereits heute etwa 2 Millionen Kunden über Satelliteninternet von Viasat und Hughesnet versorgt werden. Im Durchschnitt hat aber selbst Mecklenburg-Vorpommern die doppelte Bevölkerungsdichte der USA. Es ist also fraglich, ob wirklich alle unterversorgten Haushalte und Firmen in Deutschland mit Starlink adäquat versorgt werden können. Erst mit der voll ausgebauten Konstellation sollen in Deutschland bis zu 100 Satelliten in Reichweite sein.

Aber während in Deutschland gefragt wird, ob Starlink genug Kunden versorgen kann, kommen anderswo Fragen auf, ob sich die hohen Gesamtausgaben für die Starlink-Satellitenkonstellation überhaupt rechnen können. Elon Musk schätzt die Kosten für den Aufbau von Starlink auf insgesamt etwa 10 Milliarden US-Dollar, die weit über den Start und Bau der Satelliten hinausgehen. Business-Insider versuchte, die Verteilung der Kosten zu analysieren.(öffnet im neuen Fenster)
2.400 Starlink-Satelliten kosten so viel wie drei normale Satelliten
Tatsächlich sind die Kosten für den Bau und Start der Starlink-Satellitenkonstellation mit den Kosten für den Bau von herkömmlichen geostationären Satelliten vergleichbar. So kostete es zuletzt etwa 2 Milliarden US-Dollar, um drei Viasat-Satelliten zu bauen und in den Orbit zu bringen. Bei Starlink werden die Startkosten für SpaceX auf etwa 35 Millionen US-Dollar für den Start von 60 Satelliten mit einer teilweise wiederverwendbaren Falcon 9 geschätzt. Die Satelliten sind deutlich günstiger, bei 200.000 US-Dollar pro Stück kosten 2.400 Starlink-Satelliten etwa so viel wie die drei geostationären Satelliten von Viasat. Die Baukosten für die erste Phase der Starlink Konstellation mit rund 4.400 Satelliten kostet damit knapp 4 Milliarden US-Dollar.
Dazu kommen noch die Kosten für die Bodenstationen der Endkunden. Unter Berufung auf eine anonyme Quelle soll es einen Vertrag zwischen SpaceX und der Schweizer Firma STMicroelectronics(öffnet im neuen Fenster) für den Bau von einer Million Dishy-McFlatface-Bodenstationen geben, der auf 2,4 Milliarden US-Dollar beziffert wird. Das sind rechnerisch 2.400 US-Dollar pro Bodenstation, für die Endkunden nur 499 US-Dollar zahlen. Für SpaceX ist es also noch ein Verlustgeschäft.(öffnet im neuen Fenster)
Allerdings beinhaltet der Vertrag auch den Aufbau der gesamten Fertigungsanlagen und die Anlaufkosten der Produktion. Die tatsächlichen Stückkosten pro Antenne sind schon deshalb niedriger und dürften bei weiteren Aufträgen noch weiter sinken, wenn die Technik nach der bisher laufenden Betaphase weiter verbessert und für niedrigere Baukosten optimiert wird. Es ist das erste Mal, dass sogenannte Phased-Array-Antennen in Millionen-Stückzahlen hergestellt werden sollen. Phased Arrays waren bislang teure Spezialtechnik. Es lässt sich deshalb schwer abschätzen, wie hoch die endgültigen Kosten in der Massenproduktion sein werden.
Geschäftskunden und Militär können noch mehr Umsatz bieten
Keine Abschätzung gibt es zu den Kosten des Aufbaus der Bodenstationen von Starlink selbst, den sogenannten Gateways mit denen die Verbindung zum Internet hergestellt wird. Solange noch keine Laser-Verbindungen zwischen den Starlink-Satelliten bestehen – neue Satelliten sollen erst Ende 2021 des Jahres damit ausgestattet werden – sind nur Internetverbindungen im Umkreis von einigen hundert Kilometern um jeden Gateway möglich.
Diese Kosten dürften einen Teil der restlichen 3,5 Milliarden US-Dollar von Elon Musks Schätzung darstellen, der Rest sind die Entwicklungskosten der Starlink-Satelliten, der Userterminals, der Gateways und Kosten für den Bau der jeweils notwendigen Produktionsanlagen. Business Insider schätzt, dass ungefähr 3 Millionen Endkunden für einen jährlichen Umsatz von 3,6 Milliarden US-Dollar notwendig wären, damit sich die Konstellation rechnet. Das ist nicht unrealistisch. Schon heute gibt es in den USA etwa 2 Millionen Kunden von Satelliten-Internet mit Geostationären Satelliten von Viasat und Hughesnet.

Außerdem hat SpaceX schon jetzt Verträge mit Geschäftskunden – etwa für Satellitenverbindungen mit Schiffen – und dem Militär abgeschlossen, mit denen Starlink unabhängig vom Endkundengeschäft Geld verdienen kann. Ältere Satellitenkonstellationen wie Irdium oder Globalstar wurden nach dem Bankrott der Betreibergesellschaften zu großen Teilen durch Umsätze aus Militäraufträgen finanziert. Bislang ist jeder Betreiber von Konstellationen von Kommunikationssatelliten im niedrigen Erdorbit bankrottgegangen. Elon Musk hofft, das mit Starlink vermeiden zu können.



