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SpaceX: Trümmerteile vom Starship waren Gefahr für den Flugverkehr

Der Starship -Start Anfang 2025 setzte drei Flugzeuge einem erheblichen Risiko aus. SpaceX sieht die Vorwürfe als verzerrt an.
/ Patrick Klapetz
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Der Start des siebten Fluges, bevor alles schief lief (Bild: SpaceX)
Der Start des siebten Fluges, bevor alles schief lief Bild: SpaceX

Der Starship-Flug im Januar 2025 sei viel bedrohlicher gewesen als bisher angenommen, berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) . Denn die Trümmerteile der explodierten Starship-Rakete hätten drei Passagierflugzeuge über der Karibik in eine gefährliche Situation gebracht. Sie alle durchflogen eine temporäre Flugverbotszone, während Fluglotsen versuchten, die Flugzeuge außerhalb der Gefahrengrenze zu leiten.

Bei dem  integrierten Flugtest (Integrated Flight Test) IFT-7 am 16. Januar 2025 brach die Rakete hinsichtlich des Startgewichts und der Höhe alle bisherigen Rekorde. Mit seinen 33 Raptor-2-Triebwerken hob das Starship erfolgreich vom Starbase-Weltraumbahnhof in South Texas (USA) ab. 

Das auseinanderbrechende Starship

Erst nach der Stufenabtrennung kam es zu Anomalien, und die Starship-Oberstufe geriet zunehmend in Schwierigkeiten. Zuerst fiel eines der Center-Triebwerke aus, dann ein weiteres, gefolgt von drei schwenkbaren Vakuum-Triebwerken.

So war nur noch eines der Raptor-Triebwerke funktionsfähig. Schließlich zerbrach das sich überschlagende Starship über den Turks- und Caicosinseln, nördlich der Dominikanischen Republik und Haiti.

Risiko für den Flugverkehr

In einem Bericht der US-Flugsicherheitsbehörde FAA (Federal Aviation Administration) wird von einem "potenziell extremen Sicherheitsrisiko" gesprochen. Insgesamt befanden sich 450 Passagiere in den drei Flugzeugen und waren einer erheblichen Gefahr ausgesetzt. Zwei der Flugzeuge wären sogar miteinander kollidiert, wenn die Fluglotsen nicht eingegriffen hätten.

Eines der betroffenen Flugzeuge gehörte der US-amerikanischen Billigfluggesellschaft Jetblue Airways und befand sich auf dem Weg nach Puerto Rico. Nachdem die Piloten von der Flugsicherheit den Funkspruch erhalten hatten, dass sie gleich durch eine Gefahrenzone fliegen würden, flogen die Piloten zunächst in einer Warteschleife. Um nach San Juan zu kommen, mussten die Piloten laut einem Lotsen jedoch auf eigene Gefahr fliegen.

Eine Zwickmühle, denn entweder hätten sie ihre Reise durch ein mögliches Raketentrümmerfeld fortsetzen müssen – oder sie riskierten, dass der Treibstoff über Wasser ausgeht. Bei der Starship-Explosion regneten laut den FAA-Dokumenten ungefähr 50 Minuten lang feurige Trümmer über Teile der Karibikregion. Bei einem möglichen Flugzeugtreffer hätte es zu schweren Schäden und möglichen Todesfällen kommen können.

Verzerrte Darstellung?

Zwei weitere Flugzeuge, ein von Iberia Airlines betriebenes sowie ein Privatjet, gerieten in eine ähnliche Situation. Treibstoffnotfälle zwangen sie dazu, einen, Mayday-Notruf abzusetzen und durch die temporäre Flugverbotszone zu fliegen.

Letztendlich landeten alle drei Flugzeuge sicher an ihren Zielorten. Das Wall Street Journal berichtet, dass es laut den Dokumenten gar nicht so weit hätte kommen müssen. Für solche Vorfälle gebe es eine Hotline der FAA, bei der SpaceX umgehend hätte Bescheid geben müssen. Dann hätte die FAA eine No-Fly-Zone eingerichtet und die Fluglotsen hätten die betroffenen Maschinen informieren und umleiten können. 

Doch offenbar meldete SpaceX den Vorfall nicht. Vielmehr hätten die Fluglotsen von den Piloten, denen die herabfallenden Trümmerteile aufgefallen waren, davon erfahren, heißt es in einem Bericht des Wall Street Journal.

SpaceX verurteilt den Artikel jedoch als eine "weitere irreführende 'Geschichte' des WSJ" . Laut dem X-Post(öffnet im neuen Fenster) wurden alle Flugzeuge "in Echtzeit entsprechend umgeleitet, so dass sie nicht in den größeren, vorab koordinierten Gefahrenbereich mit den Trümmern gelangten" .

Nach dem Vorfall wurde von der FAA im März 2025 eine Überprüfung der Verfahren im Umgang mit Raketentrümmern ins Leben gerufen, um diesen Umgang zu verbessern. Im Mai hieß es dann, dass es ein hohes Risiko für die Flugsicherheit gäbe, wenn Raketentrümmer vom Himmel fielen. Im August wurde diese Überprüfung laut dem WSJ jedoch aus unbekannten Gründen überraschend pausiert.


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