Echte Nutzlast des Starship bleibt fraglich trotz gutem Landemanöver
Damit erscheint es immerhin realistisch, dass das Starship in der heutigen Form eine ausreichende Leistung für einen orbitalen Flug mit anschließender Landung demonstrieren könnte. Die Nutzlast bleibt fraglich. SpaceX versuchte sehr gezielt das Fehlen der Angaben zur Masse der Testnutzlasten zu verschleiern. Es fehlen immer noch alle Zahlen von der Leermasse des Starship und der Super Heavy sowie zur tatsächlichen Treibstoffeffizienz (dem spezifischen Impuls) der Triebwerke.
Das lässt große Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Starship aufkommen. Die Erfahrung mit Starship 1 und Starship 2 zeigt, dass SpaceX vor den Testflügen immer 100 Tonnen Nutzlast versprochen hat, so auch diesmal. Mit Einführung von Starship 3 wurden die Nutzlastangaben auf 15 t und 35 t reduziert. Dabei haben weder Starship 1 noch Starship 2 jemals einen orbitalen Flug oder die Existenz irgendwelcher Leistungsreserven demonstriert.
Auch bei diesem Flug bleibt unklar, wie viel Leistung das Starship dadurch gewonnen hat, dass die Super Heavy nie zum Startturm zurückkehren und landen sollte. Dabei kann viel Triebstoff gespart und Geschwindigkeit gewonnen werden. Die Stufentrennung wurde zur Leistungsoptimierung offenbar viel zu aggressiv durchgeführt, was in künftigen Flügen mit entsprechenden Leistungsverlusten korrigiert werden muss.
Auch Raptor 3 ist unzuverlässig
Genauso offensichtlich ist, dass das Raptor-3-Triebwerk so weit jenseits der Leistungsgrenzen betrieben wird, dass es nicht einmal den zuverlässigen Betrieb während eines einzigen Fluges garantieren kann. Ausfälle von Merlin-Triebwerken im Flug sind eine Seltenheit, auch bei der Falcon Heavy mit 27 Triebwerken. Beim Starship sind sie hingegen der Normalfall. Eine häufige und schnelle Wiederverwendung scheint mit solchen Betriebsparametern also sehr unwahrscheinlich.
Das ist insbesondere deshalb bedenklich, weil Raptor-3 mit einem Schub von nur 250 Tonnen (eine in der Raumfahrt übliche Angabe) zwar etwas mehr Leistung als Raptor-2 mit 235 Tonnen hat, aber deutlich hinter dem geplanten Wert von 280 Tonnen zurückbleibt und ursprünglich sogar von mehr als 330 Tonnen Schub im Endausbau die Rede war. Hier wurde SpaceX nach dem, selbst für die Konstrukteure, überraschend leistungsfähigen Merlin-1D-Triebwerk wohl zu optimistisch.
Insgesamt wird der Eindruck erweckt, dass SpaceX vor dem Börsengang einen Flug demonstrieren wollte, der Vertrauen bei den Investoren wecken sollte. Es gibt aber im früheren Verhalten und auch in diesem Flug viele Anzeichen dafür, dass auch diesmal die fehlende Leistung versteckt werden sollte.
Es wurde wieder nur eine Flugbahn mit minimaler Höhe geflogen, die für orbitale Flüge nicht repräsentativ ist. Zur Masse der Nutzlasten und der Raumfahrzeuge werden keine Angaben gemacht. Die Technik wurde bis über die Grenzen der nachhaltigen Nutzbarkeit hinaus strapaziert und die Neukonstruktion der Super Heavy war ein Fehlschlag. Es deutet noch immer nichts auf die behaupteten Leistungsreserven für eine 100 Tonnen schwere Nutzlast hin.
- Anzeige Hier geht es zu Die Geschichte der Raumfahrt bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.