SpaceX-Internet im ersten Test: Starlink in 15 Minuten
Was haben wir alles zur Vorbereitung gelesen und Experten befragt – schließlich ist Satelliten-Internet eine hochkomplizierte Angelegenheit! Wie einfach Starlink mit seinen hohen Datenraten, niedrigem Ping und ohne Volumenbegrenzung aufzubauen und zu nutzen ist, hat uns dann überrascht.
Am Vormittag des 21. April 2021 machen wir uns bei strahlendem Sonnenschein an die Arbeit. Das Starlink-Paket mit Satellitenschüssel, Router und Kabeln wiegt rund 14 kg und ist etwas unhandlich. Nach dem Morgenkaffee wird es auf der Terrasse in einem Garten südlich von Berlin ausgepackt. Die hochwertig verarbeitete Hardware ist bereits fertig verkabelt, die Schüssel wird nur in den Ständer gesteckt und mit freier Sicht in den Himmel auf den Rasen gestellt. Bald kreisen dicke Hummeln neugierig um die weiße Schüssel. Der gesamte Vorgang hat keine fünf Minuten gedauert.
Starlink kommt mit klobigem Netzteil
Von der Schüssel geht ein 30-m-Netzwerkkabel ins Netzteil und ein weiteres Kabel von dort zum Router. Einen Stromanschluss benötigt nur das relativ klobige Netzteil, das bei uns im Betrieb in der Frühlingssonne ziemlich heiß wird. Der Router und die Schüssel werden über Power over Ethernet (PoE) versorgt. Zwischen 90 und 110 Watt zieht die Anlage im Betrieb – nicht gerade sparsam.

Nachdem wir die Stromversorgung hergestellt haben, geht alles drumherum wie von selbst: Die Schüssel sucht sich automatisch Satelliten, was nur wenig Ausrichtung erfordert. Den Setup Guide ignorieren wir. Auch die Starlink-App braucht man eigentlich erst einmal nicht.
Der Hotspot bekommt einen Namen und ein Passwort, dann ist das WLAN fertig aufgespannt. Nach nur 15 Minuten bekommen wir jetzt unser Internet aus dem All.
Wir fangen an zu messen. Mit einem Ethernet-Kabel am Notebook erreichen wir spontan maximal 165 MBit/s im Download und rund 20 MBit/s im Upload bei einer Latenz von 27 ms. Wir sind begeistert und machen uns einen zweiten Kaffee. Läuft! Aber leider nicht konstant, wie wir gleich feststellen.
Die Uploadgeschwindigkeit ist überraschend hoch
Die weiteren Messungen über WLAN am Smartphone mit der App der Bundesnetzagentur schwanken stark, dabei sind die Upload-Werte eher hoch und stabil. Wir messen stündlich und erreichen im Download zwischen 130 MBit/s und mageren 2,3 MBit/s. Im Upload schwanken wir zwischen 30,57 MBit/s und 19,81 MBit/s. Der Ping liegt im Bereich von 27 bis 57 ms.
Wir probieren dennoch die Starlink-App aus, weil wir eine Oberfläche suchen, um den mitgelieferten Router einzustellen. Doch das ist noch gar nicht möglich, außer der SSID und dem zugehörigen Passwort lässt sich mit der App nichts konfigurieren. Allerdings lässt sich damit ebenfalls der Datendurchsatz ermitteln.
Die Messungen innerhalb der Starlink-App fallen gegenüber der App der Bundesnetzagentur sehr verschieden aus: Wir messen mit der Fast-Starlink-App einen Download von 150 MBit/s, Sekunden danach mit der App der Bundesnetzagentur aber nur noch 38 MBit/s. Das lässt sich entweder mit schnellen Schwankungen oder Starlink-Marketing-Einstellungen erklären.
Anzeige
AVM FRITZ! Box 7590 WLAN AC+N Router (DSL/VDSL,1.733 MBit/s (5GHz) & 800 MBit/s (2,4 GHz), bis zu 300 MBit/s mit VDSL-Supervectoring 35b, WLAN Mesh, DECT-Basis, Media Server, geeignet für Deutschland)
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Die Datenübertragungsrate von Starlink ist auch laut einem kürzlich veröffentlichten Speedtest von Ookla(öffnet im neuen Fenster) uneinheitlich. Die durchschnittliche Datenrate des Dienstes, der sich noch in der Betaphase befindet, ist in den vergangenen Monaten sogar gesunken. Laut PCMag aus den USA sind die Höchstgeschwindigkeiten von Starlink jedoch gestiegen, das Magazin Lightreading hat die Berichte zusammengefasst(öffnet im neuen Fenster) .
Dabei wurde festgestellt, dass die mittlere Downloadrate in den vergangenen zwei Monaten von 80 MBit/s auf 50 MBit/s gesunken ist. Zugleich habe sich die höchste durchschnittliche Höchstrate auf 200 MBit/s verdoppelt, wobei in einigen Fällen mehr als 500 MBit/s gemessen wurden.
SpaceX: Verlorene Datenpakete fallen auf den Rasen
Starlink hatte die Beta-Nutzer im April informiert, dass abendliche Ausfälle auf "vorbeugende Wartungen an verschiedenen Boden-Gateways" zurückzuführen seien, zusammen mit einem Bug, der "dazu führte, dass einige Paketverarbeitungsdienste hängen blieben, bis sie zurückgesetzt wurden." Starlink geht jedoch davon aus, dass diese Probleme mit einem neuen Firmware-Update behoben würden.
Es wurde zudem eine neue Funktion implementiert, die automatisch die Verbindung zu einem anderen Satelliten schaltet, wenn die Unterbrechungen zu häufig werden, wie der Starlink-Betreiber SpaceX in einer E-Mail an PCMag erklärte.
"Die LEO-(Low-Earth-Orbit-)Starlink-Satelliten-Konstellation in anfänglichen Flughöhen zwischen circa 400 und 650 Kilometern erlaubt durchaus, das Thema Laufzeiten neu zu adressieren" , sagte ein Industrievertreter Golem.de. "Stabilität und Skalierbarkeit im Netzbetrieb werden sich sicher noch weiterentwickeln."
Insbesondere für schwer zugängliche Gebiete, die noch gar nicht oder nur mit Kupfer erschlossen sind, sei damit ein weiteres Angebot auf dem Markt. Unter guten Voraussetzungen, wenn der Satellit eher im Zenit über dem Nutzerstandort steht, seien so Latenzen im LTE-Bereich denkbar. Dabei werde die Satellitenkapazität aber mindestens auf der Ebene einzelner Satelliten zwischen den Nutzern geteilt.
Hier wird sich mit zunehmender Nutzerzahl also noch einiges verändern. Allerdings baut SpaceX gleichzeitig gerade die weltweit größte Konstellation für Satelliten-Internet auf. Seit Mai 2019 starten in 60er-Chargen neue Starlink-Satelliten mit dem Ziel, bis Mitte 2027 eine Megakonstellation von 42.000 Satelliten zu schaffen. Bisher hat Starlink jedoch wohl erst 1.300 Satelliten in die Umlaufbahn gebracht. Daher heißt der Beta-Dienst auch noch "Better Than Nothing".
Anzeige
AVM FRITZ! Box 7590 WLAN AC+N Router (DSL/VDSL,1.733 MBit/s (5GHz) & 800 MBit/s (2,4 GHz), bis zu 300 MBit/s mit VDSL-Supervectoring 35b, WLAN Mesh, DECT-Basis, Media Server, geeignet für Deutschland)
Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.
Das finden wir ziemlich tiefgestapelt. Denn trotz der schwankender Datenrate ließ sich das Netz aus dem All problemlos für Arbeit und Freizeit nutzen. Wir konnten mit mehreren Geräten gleichzeitig ohne Aussetzer Videos streamen und freuten uns über die hohen Downloadgeschwindigkeiten. Am Ende beeindruckte die kleine weiße Schüssel im sonnigen Garten also nicht nur die ersten Hummeln, sondern auch uns.
- Anzeige Hier geht es zur AVM FRITZ! Box 7590 bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.