Eine weiche Landung macht Probleme offensichtlich
Vor dem Wiedereintritt zeigte das Starship das erste nennenswerte orbitale Manöver, als eines der Raptortriebwerke nach rund 39 Minuten für 13 Sekunden erneut gezündet wurde. Das Starship beschleunigte dabei quer zur Flugrichtung nach Süden, was lediglich die Inklination der Flugbahn leicht erhöhte, aber alle anderen Bahnparameter wie Flughöhe und -weite weitgehend unverändert ließ. Anders als beim letzten Flug war es nicht nötig, die Flugbahn beim Wiedereintritt durch erhöhten Auftrieb zu verlängern.
Nach 56 Minuten war in 59,3 km Flughöhe jedoch zu beobachten, wie sich eine Schleppe aus einer großen Menge Funken aus glühendem Metall hinter dem Starship ausbildete und immer wieder Teile des Hitzeschutzschilds verlorengingen. Ähnliches war schon in 68 km Flughöhe kurz zu sehen. Auch bei den vorigen Flügen platzten immer wieder glühende Partikel beim Wiedereintritt ab. Das geschah auch dann, wenn vor dem Flug keine Kacheln zu Testzwecken absichtlich beschädigt oder weggelassen wurden.
Bei der anschließenden Landung konnte das Starship keine Reserven mehr für das kritische Auffangmanöver demonstrieren. Stattdessen setzte es fast sofort weich auf der Wasseroberfläche auf. Wäre es mit Landebeinen ausgestattet, hätte das eine gute Simulation einer Landung dargestellt. Aber die Pläne von SpaceX sehen keine Landebeine für Landungen auf der Erde vor. Anders als bei allen früheren Flügen war die Landung im Wasser diesmal so weich, dass das Starship nicht explodierte.
Drohnen zeigen detaillierte Bilder des Hitzeschutzschilds
So konnten am schwimmenden Starship erstmals detaillierte Drohnenaufnahmen des Hitzeschutzschildes nach dem Wiedereintritt gemacht werden. Sie zeigten deutliche Schäden fast überall am stark belasteteten mittleren Teil des Starships, mit abgeplatzten Ecken und Kanten der Hitzeschutzkacheln. Einige Kacheln fehlten fast zur Hälfte, zwei Kacheln an den Flügelansätzen sogar ganz. Deutliche Spuren von orangefarbenem Eisenoxid auf den Kacheln über weite Strecken des mittleren Schildes zeigen zudem, dass auch unter den Kacheln liegender Stahl verbrannte.
Das Starship befand sich nach dem Wiedereintritt also auf keinen Fall in einem Zustand, in dem es in kurzer Zeit wiederverwendet werden kann. Je nachdem, wie stark die Schäden am Stahl unter den Kacheln sind – ob nur Kachelhalterungen durchgebrannt sind oder auch die Wände der Tanks und Nutzlastverkleidung -, ist selbst ein Totalschaden nicht auszuschließen.
SpaceX zeigt während des Fluges gelegentlich Bilder aus dem Inneren der Nutzlastverkleidung, aber nicht während des Wiedereintritts, die dahingehend aufschlussreich wären. Im Internet kursiert aber lediglich ein Bild(öffnet im neuen Fenster), welches das Innere während des Wiedereintritts bei Flug 4 im Jahr 2024 zeigen soll, der heute jedoch nicht mehr repräsentativ ist. Gleichwohl gelangte es nicht offiziell über SpaceX an die Öffentlichkeit.
Schon das Spaceshuttle hatte Probleme mit Kacheln
Vor möglichen Problemen mit Hitzeschutzkacheln bei der Wiederverwendung wurde aus Erfahrung mit dem Spaceshuttle schon bei der Vorstellung des Konzepts gewarnt. Nun bleibt abzuwarten, ob die Schäden mit begrenzten Leistungsverlusten auf ein akzeptables Maß reduziert werden können, die dennoch eine schnelle Wiederverwendung des Starships erlauben.
Die schnelle Wiederverwendung, möglichst binnen eines Tages oder einiger Stunden, war der Grund für die Einführung des komplizierten Landemanövers am Fangturm für Starship und Super Heavy. So sollen beide Stufen schnellstmöglich wieder starten können. Dabei kommt es wegen der hohen Leermasse eines Raumschiffs mit Hitzeschutzschild zu massiven Leistungsverlusten, die weit über die relativen Verluste bei der Rückkehr der Falcon 9 zum Startplatz hinausgehen.
Sollte es bis zur Wiederverwendung eine Woche oder auch nur mehrere Tage dauern, würden die aufgefangenen Raketenstufen die Startrampe blockieren. Sie müssten für Reparatur- und Wartungsarbeiten mit ähnlich großem Aufwand entfernt werden wie Raketenstufen, die mit Beinen landen. Dafür war das Starship-Konzept aber nie ausgelegt.
Der Hauptgrund für die Probleme in der Konstruktion des Starships ist das Fehlen der Vorentwicklung mit kleineren Prototypen, um Fehlerquellen nicht erst am Starship in voller Größe erkennen und beheben zu müssen.
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