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Spaceshuttle: 40 Jahre Challenger-Katastrophe und der Tag davor

Vor 40 Jahren ereignete sich die erste Katastrophe des Spaceshuttle-Programms der Nasa . Ingenieure hatten die Raumfahrtbehörde damals vor dem Flug gewarnt.
/ Patrick Klapetz
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Nasas Spaceshuttle-Programm: Das Challenger-Unglück vom 28. Januar 1986 (Bild: Nasa)
Nasas Spaceshuttle-Programm: Das Challenger-Unglück vom 28. Januar 1986 Bild: Nasa

Am 28. Januar 1986 startete das Spaceshuttle Challenger vom Kennedy Space Center in Florida aus in Richtung Erdumlaufbahn. Doch 73 Sekunden nach dem Start explodierte das Raumschiff(öffnet im neuen Fenster) . Es befanden sich sieben Personen an Bord, alle starben bei dem Unglück.

Über Nacht hatte sich Eis an der Startrampe gebildet. Bob Ebeling und andere Ingenieure von Morton Thiokol(öffnet im neuen Fenster) , dem Hersteller der Feststoffraketen (SRB) für das Spaceshuttle Challenger, hatten noch versucht, die Nasa davon zu überzeugen, dass ein Start bei kaltem Wetter katastrophal sein könnte. 

Sie verfügten über Daten, Dokumente und Fotos, von denen sie glaubten, dass sie überzeugende Beweise für die Risiken lieferten. Die offizielle Empfehlung der Thiokol-Manager an die Nasa war: "Nicht morgen starten."

Problem mit den O-Gummiringen

Die Raketen wurden in Segmenten gebaut, wie übereinandergestapelte Blechdosen. Wo ein Segment auf ein anderes stieß, sollten zwei Reihen synthetischer O-Gummiringe einen Austritt des extrem flüchtigen Raketentreibstoffs verhindern.

Ein Problem mit dem Booster-Raketendesign trat bereits während des zweiten Shuttle-Flugs 1981 auf. Beim Start und in der frühen Flugphase wirkte enormer Druck auf die Raketen, wodurch sich die Gelenke leicht auseinanderverdrehten. Die O-Ringe sollten diese Verbindungsstellen abdichten. Doch bei diesem Flug brannten sich glühend heiße Raketentreibstoffe und Gase durch die innere O-Ring-Barriere hindurch. Das Phänomen wird als Blow-by bezeichnet.

Fünf Jahre und zwei Dutzend Shuttle-Missionen später beschäftigte sich eine Vollzeiteinsatztruppe von Morton Thiokol mit der Gefahr des Blow-by. Sechs Monate vor dem Challenger-Unglück schrieb einer der Ingenieure sechs Memos an die Nasa. Roger Boisjoly warnte vor "einer Katastrophe höchster Ordnung – Verlust von Menschenleben" , falls das O-Ring-Problem nicht behoben würde.

Die O-Ringe aus synthetischem Gummi, die die Booster-Raketengelenke auskleideten, verhärteten sich bei niedrigen Temperaturen. Und am 28. Januar 1986 war es so kalt wie bei keinem Start zuvor. 

Warum die Warnungen nicht beachtet wurden

Die Soziologin Diane Vaughan untersuchte die Katastrophe und prägte 1996 den Begriff "Normalisierung der Abweichung" . Sie kam zu dem Schluss, dass Shuttle-Flüge auch nach der Identifizierung des Risikos weitergeführt wurden, weil dieses noch keine Katastrophe verursacht hatte. Die Abweichung des O-Ring-Blow-by wurde normalisiert.

Zudem wurden die Flüge der Spaceshuttles zur Routine, so wie es heute die Starlink-Starts von SpaceX sind. Die drei großen Fernsehsender des Landes übertrugen die Starts nicht mehr live. Deswegen entschied sich die Nasa, eine Lehrerin ins All zu schicken, um das öffentliche Interesse wieder zu wecken.

Nicht alle TV-Sender sprangen darauf an. Aber Liveübertragung von CNN und der Nasa wurden in vielen Klassenzimmern in den USA verfolgt. Am Kennedy Space Center trafen Busladungen von Studenten mit den Familien einiger Astronauten zusammen. Überdies wurde der Starttermin bereits fünfmal verschoben. Die Verantwortlichen bei der Nasa wollten also an diesem Starttermin festhalten – vor allem weil die Ingenieure von Morton Thiokol nicht beweisen konnten, dass es zu einem Ausfall kommen sollte.

Eine folgenreiche Fehleinschätzung und eine der größten Raumfahrtkatastrophen unserer Geschichte. Am 1. Februar 2003 kam es dann zum Columbia-Unglück, bei dem die sieben Insassen des Spaceshuttles ebenfalls starben. Das markierte das Ende des Programms, das nur noch zur Errichtung der Internationalen Raumstation ISS eingesetzt und mit dem Atlantis-Flug am 21. Juli 2011 eingestellt wurde.


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