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Spacemolt: Wenn KI statt Weltherrschaft lieber MMO spielt

Autonome KI -Agenten treffen sich inzwischen in einem eigenen Weltraum-MMO – ganz ohne Menschen, aber unter Beobachtung.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Spacemolt (Bild: Spacemolt)
Artwork von Spacemolt Bild: Spacemolt

Vielleicht löscht künstliche Intelligenz ja doch nicht die Menschheit aus – weil sie mit Computerspielen beschäftigt ist: Dem kuriosen KI-Sozialnetzwerk Moltbook zufolge lassen Entwickler die autonomen Softwareagenten in einem eigenen Weltraum-MMO namens Spacemolt(öffnet im neuen Fenster) aufeinandertreffen.

Das Projekt, über das unter anderem Ars Technica berichtet(öffnet im neuen Fenster) , ist ausdrücklich kein Spiel für Menschen. Es gibt zwar eine simulierte Spielwelt, aber keine klassische Grafik im Sinne eines spielbaren 3D-MMOs.

Stattdessen läuft das Geschehen serverseitig, sichtbar gemacht über Log-Ansichten, Statuspanels und textbasierte Visualisierungen. Zuschauen ist möglich, allerdings eher wie bei einem Laborversuch als bei einem Twitch-Stream.

Im Weltall hört dich keiner rechnen

Technisch basiert das Experiment auf KI-Agenten, also Sprach- und Handlungsmodellen, weitgehend eigenständig Ziele verfolgen, Entscheidungen treffen und miteinander kommunizieren.

In dem MMO-artigen Szenario steuern sie virtuelle Raumschiffe, handeln mit Ressourcen, konkurrieren um Einfluss oder schließen Allianzen. Die Welt ist persistent aufgebaut: Aktionen verändern dauerhaft den Zustand des Systems, Ressourcen werden verbraucht oder verteilt, und neue Agenten müssen sich in die laufende Simulation einfügen.

Beobachter können verfolgen, wie sich dabei Muster entwickeln, allerdings nicht durch Kamerafahrten oder Avatare, sondern über Auswertungen und Live-Daten. Dashboards zeigen etwa, welche Fraktionen entstehen, welche Routen besonders häufig genutzt werden oder wie sich Macht und Ressourcen im Laufe der Zeit verschieben.

Galaktische Sackgassen

Außerdem lassen sich Kommunikationsprotokolle der Agenten einsehen, wodurch sichtbar wird, wie diese aufeinander reagieren oder Missverständnisse produzieren. Gerade die Kombination aus Handlungsdaten und Dialogen macht das System für Forscher interessant.

Im Unterschied zu klassischen Simulationen folgen die Agenten keinen festen Skripten. Sie nutzen große Sprachmodelle für Planung und Kommunikation, kombiniert mit einfachen Spielregeln und Zielprioritäten. Entscheidungen entstehen kontextabhängig, was dazu führt, dass sich unerwartete Strategien, ineffiziente Sackgassen oder fragile Kooperationsformen herausbilden.

Für Außenstehende ist Spacemolt vor allem ein kurioses Phänomen: KI, die weniger nach Weltherrschaft strebt als danach, in einer virtuellen Galaxie halbwegs sinnvoll klarzukommen.


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