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Space One Pro im Vergleichstest: Ankers bester ANC-Kopfhörer unterliegt gegen Sony-Konkurrenz

Soundcore Space One Pro ist Ankers bisher bester, aber auch teuerster ANC-Kopfhörer . Wir haben ihn mit teuren und viel preiswerteren ANC-Kopfhörern verglichen.
/ Ingo Pakalski
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Ankers Soundcore Space One Pro im Test (Bild: Anker)
Ankers Soundcore Space One Pro im Test Bild: Anker

Anker bringt mit dem Space One Pro unter der Marke Soundcore einen neuen Kopfhörer mit Active Noise Cancellation (ANC) auf den Markt. Er ist die neue Oberklasse des Herstellers und doppelt so teuer wie der vor einem Jahr vorgestellte Space One – und das bei einem geringeren Funktionsumfang.

Golem.de konnte das neue Modell bereits vor der offiziellen Ankündigung testen. Wir haben es mit unserer Referenz, Sonys WH-1000XM5 und unserem derzeitigen Preistipp Sonys Ult Wear verglichen, der seit dem Marktstart erheblich günstiger geworden ist.

Eine Besonderheit des Space One Pro: Der ANC-Kopfhörer lässt sich besonders platzsparend zusammenfalten, die Hörmuscheln lassen sich dabei in alle Richtungen ungewöhnlich weit drehen. Unschön finden wir Ankers Entscheidung, auf ein stabiles Transportetui zu verzichten – das ist einem Kopfhörer der 200-Euro-Preisklasse nicht angemessen. Stattdessen liegt nur ein Kunststoffbeutel bei.

Kostenpflichtiges Travel Case schützt kaum vor Beschädigungen

Als weiteres Zubehör legt Anker ein USB-Ladekabel und ein 3,5-mm-Klinkenkabel bei. Die Kabel passen in den Kunststoffbeutel, liegen dann aber zusammen mit dem Kopfhörer darin, es gibt kein separates Fach für sie.

Als kostenpflichtiges Zubehör bietet Anker ein Travel Case an, das an die Tasche von Apples Airpods Max erinnert: Der Kopfhörer wird damit kaum geschützt, zumal Teile von ihm freiliegen. Wir ziehen ein stabiles Etui vor.

Auch das Travel Case hat keinen Bereich für Kabel und da es immer offen ist, sollten die Kabel nicht hineingetan werden. Weil der Anker-Kopfhörer zusammengeklappt ungewöhnlich klein ist, könnte das Travel Case auch gut am Gürtel getragen werden. Allerdings fehlt dafür eine passende Schlaufe. Auch sonst gibt es keine Möglichkeiten, das Travel Case etwa an einem Rucksack zu befestigen. Aus unserer Sicht lohnt es sich nicht, für das Travel Case Geld auszugeben.

Space One Pro wird mit Tasten bedient

Die Hörmuscheln werden am Space One Pro stufenlos verstellt und alles am Anker-Kopfhörer ist aus Kunststoff, auch wenn der Schiebemechanismus eine metallische Optik hat. Er wirkt stabil und der Kopfhörer vermittelt einen wertigen Eindruck.

Anker nutzt beim Space Open Pro eine Tastensteuerung, die gut funktioniert. Dabei sind alle Tasten gut zu erfühlen und die Belegung ist zum Großteil intuitiv. Uns gefällt, dass der Titelsprung mit auf den Lautstärketasten liegt, das lässt sich gut merken. Der Titelsprung erfolgt durch längeres Drücken einer der beiden Tasten. Das macht es unmöglich, dass wir die Lautstärke schnell in mehreren Stufen ändern können. Mit einer anderen Belegung ließe sich das umgehen.

Sehr erfreulich: Auch beim neuen Modell kann das Mikrofon in Telefonaten abgeschaltet werden. Allerdings ist davon in der mitgelieferten Anleitung nichts zu lesen.

Anker lässt praktische Komfortfunktionen weg

Rund um die Steuerung hat Anker im Vergleich zum Space One einiges weggelassen: Es gibt beim Pro-Modell keine Trageerkennung und auch die Handaufleggeste zur Aktivierung des Transparenzmodus ist verschwunden. Beides bietet die Sony-Konkurrenz. Lediglich die Smart-Chat-Funktion ist dem Anker-Produkt geblieben, die Sonys Idee mit der Bezeichnung Speak-To-Chat aufgreift.

Sobald die Person unter dem Kopfhörer spricht, wird der Transparenzmodus aktiviert, um sich unterhalten zu können, ohne den Kopfhörer absetzen zu müssen. Es gibt quasi eine Aktivierung des Transparenzmodus auf Zuruf. Beim Space One Pro wird dann die Musik leiser gestellt, aber nicht angehalten, wie es bei Sony-Produkten passiert. Letzteres finden wir sinnvoller.

Und es gibt einen weiteren Unterschied: In etwas lauteren Umgebungen reagiert der Anker-Kopfhörer mitunter erst sehr verzögert, so dass wir mehrere Worte brauchen. In ruhiger Umgebung ist der Transparenzmodus nach einem kurzen Wort aktiv.

Beim Tragekomfort hat uns der Space One Pro enttäuscht.

Soundcore Space One Pro schmerzt bei uns

Beim Tragekomfort schneidet der Space One Pro bei uns nicht gut ab. Wir haben nur selten Kopfhörer im Test, die bereits nach wenigen Stunden Schmerzen verursachen. Beim Anker-Modell fangen die Schmerzen schon nach einer Stunde an. Die Schmerzen beim Tragen müssen aber nicht bei allen Personen auftreten. Abgesehen von den Schmerzen fühlen sich die Space One Pro aber auch nicht so angenehm auf den Ohren an wie die beiden Sony-Kopfhörer.

Der Space One Pro ähnelt beim Klangbild stark dem Ult Wear von Sony – beide setzen auf eine eher bassintensive Musikwiedergabe. Die starke Bassbetonung sorgt beim Anker-Kopfhörer für ein entsprechend warmes Klangbild, das mitunter etwas an Klarheit einbüßt.

Ankers Kopfhörer nervt uns mit Schritthall

Der ANC-Betrieb verändert das Klangbild des Space One Pro angenehmerweise nicht. Etwas klarer und neutraler geht Sonys WH-1000XM5 zu Werke, der mittels Equalizer-Einstellungen mühelos auf das Klangbild des Ult Wear gestellt werden kann.

Sehr ungewöhnlich bei Over-Ear-Kopfhörern: Die Space One Pro verursachen bei uns extrem intensiven Schritthall, der wohl von einer zu starken passiven Abdichtung kommt. Jeder Schritt ist als lautes dumpfes Geräusch im Kopfhörer – so macht Musikhören keinen Spaß. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Schritthall loszuwerden, er tritt in allen Betriebsmodi unverändert stark auf. Es kann allerdings sein, dass dieser Schritthall bei anderen nicht auftritt.

Bluetooth-Multipoint wird unterstützt

Der Kopfhörer unterstützt Bluetooth 5.3 mit den Codecs SBC, AAC sowie dem HD-Codec LDAC und kann problemlos mit Bluetooth-fähigen DECT-Telefonen verwendet werden – anders als Sonos' erster Kopfhörer Ace . Der Anker-Kopfhörer bietet abschaltbares Bluetooth-Multipoint, um mit zwei beliebigen Bluetooth-Geräten zur gleichen Zeit verbunden zu sein. Bei der LDAC-Nutzung ist kein Bluetooth-Multipoint möglich und Kunden werden in der Anker-App sehr vorbildlich darauf hingewiesen. Sonys aktuelles Oberklassemodell bietet Bluetooth-Multipoint bei einer LDAC-Verbindung.

Wenn der Kopfhörer mit zwei Geräten verbunden ist, können wir die App immer nur auf einem der beiden Geräte aktiv haben. Leider gibt es keine Information dazu. Auch bei den Sony-Produkten ist die App-Nutzung nur auf einem Gerät möglich, der Umgang ist aber für uns besser gelöst: Die bestehende App-Verbindung wird getrennt, so dass immer ein Zugriff auf die App möglich ist.

Abgesehen davon kann der Kopfhörer mit dem mitgelieferten Audiokabel per 3,5-mm-Klinke im Kabelbetrieb verwendet werden. In diesem Modus sind allerdings ärgerlicherweise die meisten Tasten ohne Funktion. Nicht einmal die Lautstärke lässt sich am Kopfhörer anpassen; nur die ANC-Umschalttaste ist aktiv. Eine Zuspielung über USB-C wird nicht unterstützt – das ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß.

Space One Pro mit guter ANC-Leistung

Die Anker-Neuvorstellung hat eine gute ANC-Leistung, die allerdings Umgebungsgeräusche etwas weniger stark reduziert als die Sony-Konkurrenz, wobei der WH-1000XM dem Ult Wear etwas überlegen ist. Die Unterschiede fallen vor allem dann auf, wenn keine Musik gehört wird – mit Musik sind die Unterschiede kaum mehr zu bemerken. Bei ruhiger Umgebung ist im ANC-Betrieb ein leises Rauschen zu hören, das verschwindet, sobald Musik gehört wird.

Die ANC-Technik des Pro-Modells ist nicht mehr so windempfindlich wie beim Space One, bei dem es laut pfeift. Die typischen Pfeifgeräusche werden beim Pro-Modell im ANC-Betrieb wirksam unterbunden. Anker kommt hier allerdings nicht ganz an die Sony-Konkurrenz heran. In dieser Disziplin liegt der WH-1000XM5 ebenfalls etwas vor dem Ult Wear.

Anders als bei der Sony-Konkurrenz gibt es die Windgeräusch-Minimierung beim Anker-Modell nicht im Transparenzmodus.

Space One Pro – Transparenzmodus pfeift draußen

Benutzen wir den Transparenzmodus des Space One Pro draußen, verursachen bereits leichte Windbewegungen ein laut vernehmliches Pfeifen im Kopfhörer. Hier hat Anker im Vergleich zum Space One also nichts verändert. Wir können zwar eine Technik zur Verringerung der Windgeräusche aktivieren. Die Funktion brachte bei uns allerdings keinen nennenswerten Unterschied.

Im Transparenzmodus des Space One Pro stehen fünf Stufen zur Verfügung und in der Maximalstufe gibt es ein Grundrauschen, das lauter als im ANC-Betrieb ist. Sobald wir Musik hören, stört das Rauschen nicht mehr und wenn wir die Intensität des Transparenzmodus verringern, verschwindet das Grundrauschen.

Bei Sony gibt es einen rauschfreien Transparenzmodus. Bei Stufe fünf klingt der Modus des Anker-Kopfhörers ziemlich natürlich, aber alles unter dem Kopfhörer ist etwas gedämpft. Dadurch sind andere Personen bei Unterhaltungen etwas schwerer zu verstehen als etwa mit dem Ult Wear. Bei der manuellen Aktivierung des Transparenzmodus wird die Musik weder angehalten noch leiser gestellt.

Gute Geräuschunterdrückung bei Telefonaten

Weder Anker noch Sony bieten bisher die Bose-Besonderheit , dass der Transparenzmodus auch eine eingebaute Geräuschunterdrückung bietet. Plötzlich auftretende laute Geräusche wie Sirenen oder laute Fahrzeuge werden mit der Bose-Technik Active Sense reduziert, so dass sie nicht mehr als laut empfunden werden, aber die anderen Umgebungsgeräusche weiterhin zu hören sind.

Wie beim Space One gibt es beim Pro-Modell eine sehr wirksame Unterdrückung von Störgeräuschen in Telefonaten für die Gegenseite. Sprich: Wir können uns in lauten Umgebungen aufhalten und die Gegenseite hört davon nichts oder kaum etwas. Allerdings gelingt es beim Anker-Produkt nicht, für eine wirklich klare und gute Sprachqualität zu sorgen.

Denn die Maßnahmen zur Geräuschunterdrückung wirken sich auf die allgemeine Sprachqualität aus, so dass wir mit den Kopfhörern für andere schlecht klingen. Das gilt selbst in einer ruhigen Umgebung. Die Sprachqualität ist hier deutlich schlechter als bei der Sony-Konkurrenz.

Anker-App mit Stärken und Schwächen

Auch die Anker-App hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Es gibt sie für Android und iOS, sie verlangt kein Benutzerkonto und benötigt weder GPS noch Internet. Die App ist schnell gestartet und auf den ersten Blick sehr übersichtlich. Es ist aber unpraktisch, dass nicht auf Anhieb erkennbar ist, ob Funktionen wie Smart-Chat gerade aktiv oder abgeschaltet sind.

Die Tastenbelegung lässt sich nicht ändern, lediglich die Funktion der ANC-Taste kann angepasst werden. Ansonsten kann nur eine Zusatz-Bass-Option auf eine Taste gelegt werden. Wir können bei Bedarf eine Lautstärkebegrenzung aktivieren; hierbei hilft eine Darstellung der Lautstärke der laufenden Musik.

Die meisten Funktionen werden in der App gut erklärt, das gilt aber nicht immer. In den Einstellungen findet sich abseits der Konfiguration für den Transparenzmodus eine Option mit der Bezeichnung Umgebungsgeräusche, deren Funktion nicht erklärt wird. Wir haben bei Anker nachgefragt und werden eine Erklärung nachliefern, sobald uns die Antwort des Herstellers vorliegt.

In der App gibt es einen Equalizer mit einer Reihe von Voreinstellungen. Updates lassen sich erfreulicherweise manuell durchführen und sind nach wenigen Minuten installiert. Die App zeigt den Ladestand des Akkus nur in Zehnerschritten an – das ist bei Geräten mit langer Akkulaufzeit entsprechend ungenau. Hier ziehen wir die genauere Anzeige der Sony-Konkurrenz eindeutig vor.

Space One Pro mit guter Akkulaufzeit

Die Space One Pro schaffen laut Hersteller im ANC-Betrieb bei AAC-Nutzung 40 Stunden Akkulaufzeit. Wird statt AAC-Codec der LDAC-Codec verwendet, verringert sich die Akkulaufzeit nach Herstellerangaben auf 25 Stunden. Wir haben die AAC-Messung vor der Installation eines kurzfristigen Firmware-Updates gemacht und kamen auf lediglich 38 Stunden, haben die Herstellerangaben also nicht erreicht.

Nach dem Firmware-Update haben wir mit LDAC-Codec 31,5 Stunden geschafft und damit die Herstellerangaben übertroffen. Beide Werte sind für einen modernen ANC-Kopfhörer gut; in beiden Fällen wurde ununterbrochen Musik abgespielt, dabei war der Kopfhörer einer ähnlichen Geräuschkulisse wie von einer Dunstabzugshaube ausgesetzt. Beim Aufladen lässt sich der Kopfhörer nicht verwenden – er schaltet sich dann aus.

Es wäre möglich, dass der Kopfhörer nach dem Firmware-Update auch im AAC-Betrieb länger durchhält. Bis zum Erscheinen des Testberichts fehlte uns allerdings die Zeit für einen dritten Akkulauf. Wir werden das so bald wie möglich nachholen und den Testbericht aktualisieren.

Nachtrag vom 11. September 2024

Nach dem Firmware-Update haben wir zwei weitere Akkulaufzeittests mit AAC-Wiedergabe im ANC-Modus gemacht und kamen auf deutlich kürzere Werte: Statt der 38 Stunden ging der Kopfhörer in beiden Fällen bereits nach 32 Stunden aus. Das ist immer noch ein guter Wert, aber weit unterhalb der vom Hersteller versprochenen 40 Stunden.

Anker Space One Pro – Verfügbarkeit und Fazit

Anker will den Space One Pro(öffnet im neuen Fenster) in Schwarz und Weiß am 19. September 2024 für 200 Euro auf den Markt bringen. Das separat erhältliche Travel Case kostet 35 Euro und wird gegen Preisgabe persönlicher Daten anfangs kostenlos beigelegt. Zum Vergleich: Sony hat den Listenpreis für den Ult Wear bereits auf 150 Euro gesenkt, im Handel ist er für 125 Euro zu haben . Im Preis ist ein stabiles Etui enthalten. Der für uns derzeit beste ANC-Kopfhörer ist Sonys WH-1000XM5 , der regulär 300 Euro kostet und im Handel für 265 Euro zu haben ist .

Fazit

Der Soundcore Space One Pro ist Ankers bisher teuerster ANC-Kopfhörer und er weiß sich zu behaupten. Ein besonderer Clou: Er lässt sich besonders platzsparend zusammenfalten. Mit dem Klang, der ANC-Leistung, der Akkulaufzeit und der Steuerung sind wir zufrieden. Wir konnten die Anker-Kopfhörer allerdings quasi nur im Sitzen oder Stehen benutzen, weil sie bei uns einen extrem starken Schritthall verursachen – das mindert nicht nur die Klangqualität, sondern nervt ungemein.

Wir waren mit dem Tragekomfort des Space One Pro unzufrieden: Nach kurzer Zeit schmerzte es bei uns an den Ohren – das muss aber nicht für alle anderen gelten. An den Tragekomfort der Sony-Konkurrenz reicht das Anker-Produkt in keinem Fall heran. Die Sprachqualität in Telefonaten ist leider nur mittelmäßig, obwohl Hintergrundgeräusche sehr wirksam unterdrückt werden.

Bei einem Preis von 200 Euro erwarten wir bei einem Kopfhörer ein stabiles Etui, das Anker aber nicht bietet. Das als teures Zubehör angebotene Travel Case ist zum Schutz der Kopfhörer ungeeignet und auch unpraktisch gestaltet. Wir finden es bedauerlich, dass Anker so viele Komfortfunktionen gestrichen hat, die es beim preiswerteren Space One gibt und die wir auch gerne beim Pro-Modell gehabt hätten.

Wer 200 Euro für einen Kopfhörer ausgeben will, sollte lieber etwas mehr zahlen und bekommt dafür die derzeitige Referenz: Sonys WH-1000XM5, der in allen Belangen besser abschneidet als der Space One Pro. Und wer einen besonders preisgünstigen Kopfhörer sucht, wird ebenfalls bei Sony fündig: Der Ult Wear schlägt die Anker-Konkurrenz in allen wichtigen Bereichen, bietet mehr Komfort und kostet viel weniger.

Ingo Pakalski hat in den vergangenen sechs Jahren schon viele Dutzend Kopfhörer pro Jahr getestet – ob In-Ears, Over-Ears oder Open-Ears. Nur sehr selten stößt er dabei auf Geräte, die er guten Gewissens empfehlen kann.


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