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Space Marine 2 im Test: So geht Warhammer 40K!

Unendlich Xenos und coole Typen in Servo-Rüstung: Space Marine 2 ist exzellent darin, die düstere Atmosphäre von Warhammer 40K einzufangen.
/ Oliver Nickel
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Als Offizier der Ultramarines geben wir alles für das menschliche Imperium! (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
Als Offizier der Ultramarines geben wir alles für das menschliche Imperium! Bild: Oliver Nickel/Golem.de

In der düsteren Dunkelheit der fernen Zukunft gibt es nur Krieg: Dieses Motto dürfte Fans des Warhammer-40k-Universums bekannt vorkommen. Und auch im neuen Spiel Space Marine 2(öffnet im neuen Fenster) des Entwicklerstudios Saber Interactive ist dieses Motto gleich von Beginn an zu sehen. Das wundert wenig, werden wir doch als Lieutenant Titus der imperialen Death Watch direkt in ein von Tyranniden befallenes Schlachtfeld geworfen.

Hier werden keine Fragen gestellt. Das Einzige was zählt, ist die Mission. Mit der Boltgun in der Hand und von Space-Marine-Rüstung geschützt, werfen wir unser Leben für den Imperator in einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen die Xenos-Plage.

Mit Kettenschwert und Bolter

Schon die ersten Minuten im Third-Person-Shooter Warhammer 40K: Space Marine 2 geben einen Vorgeschmack auf das, was folgt. Wir schlüpfen in die Rolle eines Space Marine, eines genmanipulierten Supersoldaten in fast undurchdringlicher Rüstung, und müssen den unerbittlichen Angriff einer Schwarmflotte der alienartigen Tyranniden abwehren. Dabei steht uns ein ordentliches Arsenal an Waffen und Werkzeugen zur Verfügung, die Fans des bekannten Tabletop-Spiels Warhammer 40k kennen dürften.

Dabei rekreieren die Entwickler jedes feine Detail der Rüstungen, jeden Bolzen des Donnerhammers und jeden widerwärtigen Stachel unserer fiesen Widersacher. Diese Detailverliebtheit lässt uns als Warhammer-Fans oft schmunzeln, wenn es wieder heißt: "Schau mal dort, ein Rhino! Sieh da, ein Leman Russ! Was für ein cooler Thunderhawk!" Die Entwickler orientieren sich bei Fahrzeugen, Waffen und Rüstungen stark an der Miniaturenvorlage – sehr gut.

Warhammer 40k Space Marine 2 – 25 Minuten Gameplay
Warhammer 40k Space Marine 2 – 25 Minuten Gameplay (25:20)

Das Gameplay wird hingegen in Teilen vom Vorgänger übernommen. Wir können allein mit zwei NPCs oder in Gruppen mit maximal drei Freunden gegen die Tyranniden und andere Feinde des Imperiums antreten. Im Kampf steht uns dabei ein Arsenal aus Waffen des Warhammer-Universums zur Verfügung.

Titus und die anderen Adeptus Astartes haben Zugriff auf primäre Waffen, sekundäre Schusswaffen, Nahkampfwaffen und je eine Spezialfähigkeit. Außerdem finden wir in einigen Kampagnenmissionen schwere Bolter, Plasma Incenerator und Multi Melta als besonders dicke Wummen.

Im Kampfgetümmel verwenden wir meist einen Mix aus Nah- und Fernangriffen. So setzen wir anstürmenden Tyrannidenhorden mit dem Bolter der Wahl auf Entfernung zu, bevor wir unumgänglich von Hormagaunts und Tyrannidenkriegern umzingelt werden. Umso besser, können wir dem Xenos-Abschaum so mit dem Kettenschwert, Powerschwert oder Thunder Hammer viel besser zusetzen.

Mit etwas Übung fühlt sich das Kampfsystem gerade mit Nahkampfwaffen wuchtig und teils sehr brutal an. So können wir nach einer gut getimten Parade unseren Gegnern in den Kopf schießen und sie auf derbe Weise exekutieren. Diese grotesk übertriebene Gewalt passt zum Warhammer-40k-Universum, das sich selbst als grotesk und übertrieben gibt.

Boltgun oder Nerfgun?

Wir finden allerdings, dass sowohl die Waffenauswahl, als auch das Waffenhandling bei den Schusswaffen nicht ganz so gut gelungen sind. Gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden mutieren selbst kleine Gegner zu absoluten Kugelschwämmen, wodurch wir uns weit weniger mächtig fühlen. Zudem sind auf den hohen Schwierigkeiten viele der Waffen nicht gut nutzbar. Andere Waffen haben viel zu wenig Munitionsreserven. So artet der Kampf des Öfteren zu einem hektischen Gang zur nächsten Munitionskiste aus, was den Spielfluss unterbricht und nerven kann.

Die Waffenvielfalt ist ebenfalls etwas langweilig. Ein Großteil unseres Arsenals besteht aus Boltern und Bolguns, wobei diese etwa als Sniper-Variante, Schnellfeuervariante oder Standardversion zu finden sind. Trefferfeedback und Schussgeräusche wirken für uns etwas mager. Das hat der Egoshooter Warhammer 40k: Darktide mit der Boltgun besser gemacht.

Natürlich will sich das Entwicklerstudio an der Vorlage orientieren. Wir würden uns aber mehr Varianz zwischen den einzelnen Boltgun-Variationen wünschen. Zudem bietet das 40K-Lore auch andere Waffentypen wie Lasguns, Heavy Stubbers, Combi-Plasma, Power Claws und mehr. Zudem ist die Waffenbalance nicht sehr ausgereift. Auf hohen Schwierigkeitsgraden setzen wir fast nur noch Scharfschützengewehre und Plasma Incinerator ein. Die meisten Bolter sind einfach zu schwach.

Und trotzdem bereitet es immer wieder Freude, wenn wir in Missionen tausende Tyranniden und andere Gegner abwehren müssen, die sich in einer atemberaubenden düsteren Spielwelt mit den für Warhammer typischen Gothic-Punk-Elementen tummeln. Die Gegner organisieren sich teilweise in Gruppen und versuchen etwa, sich gegenseitig vor hohen Mauern aufzutürmen und sie so zu erklimmen. Das erinnert an Zombiespiele wie World War Z oder Days Gone, in denen Schwarmintelligenzen besonders gut funktionieren.

Saber Interactive hat hier eine interessante und teilweise sehr schwere Spiellogik für NPCs erschaffen. Selbst unsere computergesteuerten Mitstreiter sind oft sehr nützlich, da sie uns zuverlässig wiederbeleben, wenn wir mal wieder zu viele Treffer abbekommen haben. Das mag möglicherweise auch daran liegen, dass sie im Vergleich zu uns unverwundbar sind.

Das beste am Spiel wird aber erst im späteren Verlauf zum Vorschein gebracht

Sechs Klassen gegen die Xenos-Invasion

Neben den Kampagnenmissionen, die sich über etwa zehn actiongeladene Stunden erstrecken, schalten wir ab einem bestimmten Zeitraum auch Nebenmissionen frei. Hier geht Space Marine 2 einen völlig anderen Weg und führt Spielelemente ein, die wir als Lieutenant Titus nicht nutzen können.

Das hat uns ein wenig verwundert, denn die Operationen bringen sehr interessante Aspekte zum Vorschein. So entscheiden wir uns hier für eine von sechs unterschiedlichen Klassen: Assault, Bulwark, Heavy, Sniper, Tactical und Vanguard. Die erinnern wahrscheinlich nicht zufällig an die Miniaturenvorlage von Games Workshop. So ist der Bulwark mit Schwert und Schild etwa einem Bladeguard Veteran nachempfunden, während der Assault mit einem Sprungpack (besonders cool!) an Assault Intercessors mit Sprungpacks erinnert.

Jede der sechs Klassen kann dabei nur auf eine bestimmte Art von Waffen zugreifen. Der Heavy kann etwa immer eine schwere Waffe wie den Heavy Bolter oder den Multi Melta verwenden und dafür keine Nahkampfwaffe ausrüsten. Der Bulwark kämpft dafür nur mit Schwert und Schild und bekommt ansonsten nur eine Pistole für den Fernkampf gestellt.

Progression nur außerhalb der Kampagne

Damit noch nicht genug: Während wir innerhalb der Kampagne unsere Figur nicht durch Stufen, Perks oder Fähigkeiten aufrüsten können, wird diese Mechanik bei den sechs Klassen eingeführt. Wir können unseren Charakter leveln, ihm Perks für eine bestimmte Spezialisierung zuweisen und sogar Skins für unsere Waffen freischalten. Diese Motivation durch Aufleveln und das Basteln mit dem Charakter fehlt aus irgendeinem Grund bei der Hauptkampagne.

So fühlt sich Space Marine 2 wie mehrere Spiele in einem an: Wir erleben zum einen die Kampagne um Titus und seine Gefährten. Zum anderen spielen wir einen Horde-Shooter im Stil von Warhammer 40K: Darktide, in dem wir unsere Klasse verbessern und perfektionieren können. Diese Klassen können wir übrigens auch in PVP-Kämpfen spielen. Die an Gears of War erinnernden Sechs-gegen-sechs-Scharmützel sind überraschend spaßig und kurzweilig.

Ein Traum für Miniaturenbemaler

Und dann wäre da noch der Charakter-Editor, der für uns eine Art verstecktes Highlight ist. Wir können hier die Rüstung unserer Spielfigur bis aufs kleinste Detail anpassen – allerdings ebenfalls nur die sechs Klassen und nicht Titus selbst. Wollen wir rote Schulterplatten mit goldener Verzierung oder doch lieber die gesamte Rüstung im Stile der White Scars anmalen? Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt – solange wir mit dem etwas stark verschachtelten Menü klarkommen. Jedes einzelne Rüstungsteil lässt sich dabei individuell einfärben – ganz wie wir es auch mit unserer Miniaturenarmee machen können.

Und zwar mit diversen Farben, die direkt dem Citadel-Farbsystem aus der Tabletop-Vorlage entnommen sind. Selbst Farbnamen wie Necron Compound, Warpstone Glow, Gehennas Gold und Rakarth Flesh dürften Fans von Warhammer kennen. Übrigens sind die meisten dieser Farben auch im Spiel erspielbar. Abgeschlossene Operationen und PVP-Matches geben uns eine Ingame-Währung, mit der wir weitere Farben und Insignien für unsere Figur kaufen können.

Lediglich komplette Skins, die den Look einer Rüstung teils deutlich ändern, sind als kostenpflichtiger DLC verfügbar. Die DLCs sind deshalb bei weitem keine Pflicht. Das Hauptspiel gibt es für 60 Euro auf Steam oder für 60 Euro auf Playstation 5 und Xbox Series X/S zu kaufen.

Fazit

Space Marine 2 ist gerade für Fans der Warhammer-40k-Serie echter Fanservice. Die Detailverliebtheit lässt uns im Spiel immer wieder schmunzeln. Dazu kommt ein hektisches und spaßiges Gameplay, wenn wir uns tausender Tyranniden und anderem Geschmeiß für den Imperator erwehren müssen.

Dabei könnte vor allem die Waffenvielfalt, die Trefferwucht und das Balancing etwas besser sein. Vor allem auf hohen Schwierigkeitsgraden fühlen wir uns teils nicht mehr wie echte Space Marines, wenn wir selbst für einfache Gegner mehrere Magazine unserer Boltgun verschießen müssen.

Generell spielt sich die Kampagne von Space Marine 2 ohne wirkliches Progression-System zeitweise etwas eintönig. Viel spaßiger sind da die Operationen, in denen wir zwischen unterschiedlichen Klassen mit ihren eigenen Skillbäumen und Stufenaufstiegen wählen können. Die Klassen können wir auch im überraschend spaßigen PVP-Modus in Sechs-gegen-sechs-Gefechten gegenseitig verprügeln.

Kombiniert mit dem sehr umfangreichen Charakter-Editor, in dem wir unsere Spielfiguren anpassen können, bietet Space Marine 2 auch nach der zehnstündigen Kampagne viel Spaß für viele Stunden – vor allem mit einem oder zwei Freunden im Coop-Modus. Wir würden sogar sagen: Zum Ende hin macht das Game am meisten Spaß.


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