Space Force: Die Realität ist witziger als die Fiktion

Im Februar 2019 unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein Dekret, das die Schaffung der United States Space Force ermöglichte. Die Space Force wie Trump sie sich vorstellt, ist die sechste Teilstreitkraft der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. Bis dahin war die U.S. Air Force für militärische Raumfahrtmissionen zuständig gewesen, was Trump aber nicht reichte. Hatte Ronald Reagan in den 1980er Jahren sein Star-Wars-Programm(öffnet im neuen Fenster) , sollte es bei Trump eine eigene Weltraumarmee sein.
Truppen auf dem Mond eben, wie es der Präsident in der neuen Netflix-Serie Space Force so schön sagt. "Boots on the Moon" ist das im Original, getwittert hatte er jedoch "Boobs on the Moon," also "Möpse auf dem Mond". Das halten seine Generäle aber für einen Tippfehler. Der Präsident in der Serie heißt nicht Trump, allerdings wird sich eindeutig und kräftig über den aktuellen Potus(öffnet im neuen Fenster) lustig gemacht.
Steve Carrell und der Autor Greg Daniels arbeiteten schon bei The Office(öffnet im neuen Fenster) zusammen und liegen humoristisch auf einer Wellenlänge. Carrell sah in der Absurdität der Weltraumarmee sehr schnell eine großartige komödiantische Idee und machte sich gemeinsam mit Daniels daran, eine Serie zu entwickeln, bei der die Space Force im Mittelpunkt steht. Interessenten fand man schnell und so kam die Show gleich beim Streaming-Dienst Netflix unter.
Auf ins All
Die Geschichte beginnt damit, dass General Naird (Carrell) glaubt, dass man ihm die Führung der Air Force anvertrauen wird. Zwar wird Naird tatsächlich Oberkommandierender, nicht jedoch der Air Force, sondern der neu gegründeten Space Force. Er sieht das als Chance, etwas Neues aufzubauen, seine Frau und seine Tochter aber hassen seinen neuen Job, denn sie müssen deswegen von Washington nach Colorado umziehen.

Ein Jahr später steht der Start einer Rakete an, die einen Satelliten ins All bringen soll. Die Wissenschaftler raten Naird, den Start zu verschieben, da die Wetterbedingungen nicht perfekt sind, er lässt sich jedoch nicht beirren. Hin und wieder muss man auch ein Risiko eingehen, findet er. Es zahlt sich aus, der Start gelingt. Das böse Erwachen folgt aber schon wenige Stunden später, als ein chinesisches Raumschiff den neuen Satelliten zerlegt und damit so etwas wie einen sehr moderaten Krieg der Sterne heraufbeschwört.
Die Erwartungen waren angesichts des vor und hinter der Kamera versammelten Talents hoch, erfüllen kann Space Force sie leider nicht. Das liegt nicht an den Schauspielern, auch nicht am technischen Aufwand, sondern einzig und allein an den Drehbüchern, die ihre Geschichten sehr tranig erzählen.
Sieht toll aus, plätschert aber dahin
Space Force müsste schrill, schräg, skurril, ungewöhnlich, originell, wild und überraschend sein. Ist es aber nicht. Nur hin und wieder blitzt auf, was die Serie sein könnte, mehrheitlich gibt es jedoch Leerlauf. Dabei zeigt die zweite Episode, was möglich gewesen wäre. Denn nachdem der US-Satellit beschädigt wurde, schickt man einen Schimpansen los, der die Reparatur erledigen soll, davon aber natürlich hoffnungslos überfordert ist. Der Schimpansen-Teil ist nur kurz, aber er erfüllt das Ganze mit Leben, weil die Absurdität dessen, was die Space Force sein soll, hier so schön überspitzt dargestellt wird.
Nur leider gibt es davon viel zu wenig. Stattdessen wird eine Mixtur aus Drama und Komödie geboten, bei der die Figuren unterentwickelt bleiben. Das ist schade, weil man neben Carrell eine hervorragende Besetzung mit Lisa Kudrow, John Malkovich, Jimmy O. Yang, Noah Baumbach, Jane Lynch und Patrick Warburton aufbieten kann. Die beiden Letzten sind immer wieder bei den Treffen der Streitkräfte-Chefs zu sehen, in Szenen mit bissigem Witz, den man ansonsten eher vergeblich sucht.
Die optische Umsetzung kann sich hingegen sehen lassen. Space Force hat einen filmischen Look. Man sieht schon, dass dies keine günstige Serie ist – aber sie ist eben auch mehr Schein als Sein.
Fahrt auf dem Mond
Die Serie spielt die meiste Zeit auf der Erde, nur in der letzten Folge tut sich etwas. Nachdem die Chinesen die amerikanische Fahne auf dem Mond über den Haufen gefahren haben, dürsten die amerikanischen Weltraumkrieger nach Rache.
Action gibt es nicht, immerhin aber mehrere Szenen, in denen Amerikaner und Chinesen mit Mond-Buggys unterwegs sind. Diese Szenen sind ausgesprochen schön und erinnern an Momente aus dem ruhigen Science-Fiction-Film Ad Astra. In Ad Astra gab es dann sehr wohl (unpassende) Action, in Space Force sieht man eher das Ergebnis dessen, was die Zerstörungswut der Kontrahenten auf dem Mond so anrichtet.
Zehn Folgen, fünf Stunden
Abgesehen von der ersten und der letzten Folge, die etwas länger sind, handelt es sich bei Space Force um eine Serie mit halbstündigen Episoden. Eigentlich ist das eher Sitcom-Format, Space Force versteht sich aber als Mixtur aus Ernsthaftigkeit und Humor und schlägt dementsprechend auch ernsthafte Töne an. Gerade in letzter Zeit wird bei Serien immer wieder mit der Form gespielt und auch Dramatisches kommt im Halbstundenformat daher, wie etwa die von M. Night Shyamalan produzierte Serie Servant für Apple TV+.
Bei Space Force liegt der Vorteil darin, dass die einzelnen Folgen die Geduld des Zuschauers nicht über Gebühr beanspruchen. Denn: Richtig langweilig ist das Ganze zwar nicht, es ist aber auch einfach nicht besonders gut. Carrell müht sich, seine Rolle gibt aber nicht so viel her. Am besten hat es noch John Malkovich erwischt, der als Chefwissenschaftler mit trockenem Humor fast immer die besten Szenen abbekommen hat.

Die erste Staffel besteht aus zehn Episoden, ein richtiges Ende hat die Show aber nicht. Die Macher vertrauen darauf, dass es weitergeht, denn das Ende ist ein fetter Cliffhanger. Ohne eine zweite Staffel würde auch die erste entwertet, aber ein klein wenig muss man schon bangen, ob Netflix hier wirklich ein zweites Jahr nachlegen wird.
Das Interesse an Space Force ist zwar groß, die Enttäuschung wird es bei vielen Zuschauern aber auch sein. Man darf anzweifeln, dass die große Mehrheit alle zehn Folgen bingen wird. Serienstart ist am 29. Mai.