Soziales Netzwerk: Minds wäre das bessere Facebook

Minds ist die jüngste Facebook-Alternative. Das soziale Netzwerk macht tatsächlich vieles besser als der Marktführer. Beliebt ist es vor allem unter Aktivisten.

Artikel von Thorsten Schröder/Zeit Online veröffentlicht am
Screenshot der Website von Minds
Screenshot der Website von Minds (Bild: Minds)

Noch ist es relativ ruhig hier. Rob postet das Video eines Fallschirmspringers, der auf den Fallschirm verzichtet und stattdessen auf einem Trampolin landet. Zeptis teilt einen Artikel über wachsende Investitionen aus Europa in China statt in Amerika. Und EKhaatib postet das Foto eines Polizisten, der auf einen wehrlosen Demonstranten einprügelt mit dem zynischen Kommentar: "Hier, um dir zu dienen und dich zu beschützen."

Stellenmarkt
  1. Produktmanager (m/w/d) Geschäftskundenprodukte
    htp GmbH, Hannover
  2. IT Support Mitarbeiter (m/w/d) im 2nd/3rd Level
    igus GmbH, Köln
Detailsuche

Es könnte ein ganz normaler Tag im Facebook-Feed eines linken Politik-Studenten sein. Es werden Links geteilt, Status-Updates gepostet, Nachrichten verschickt. Einträge aus der Umgebung lassen sich ebenso anzeigen wie die großen Themen, über die gerade alle reden. Doch etwas ist anders. Denn zwischen all den Bildern und Videos finden sich auffällig viele Einträge, auf denen die Masken der Netz-Aktivisten von Anonymous zu sehen sind.

Das ist kein Zufall. Minds, das jüngste von zahllosen sozialen Netzwerken, wendet sich mit seinem Ansatz gezielt an Online-Aktivisten. Es verspricht Sicherheit und Mitsprache: Die Seite aus New York basiert auf einem Open-Source-Code. Sämtliche Nachrichten, die zwischen Nutzern ausgetauscht werden, sind verschlüsselt. Einen Klarnamen-Zwang wie bei Facebook gibt es auch nicht. In dieser Woche ist Minds mit einer Beta-Version für Desktop und Smartphone offiziell gestartet. "Es geht los", schrieb Gründer Bill Ottman knapp in seinem Feed.

Wer und was viral geht, entscheidet bei Minds die Basis

"Unsere Anwender", erklärt Ottman, "verdienen es, die komplette Kontrolle über ihre Aktivitäten zu haben." Er verspricht einen transparenten Algorithmus, bei dem nicht im Dunkeln bleibt, wonach hier eigentlich Inhalte ausgewählt werden. Nutzer erhalten für ihre Aktivität - oder gegen Bares - Punkte, die sie gegen Views eintauschen können. Was hier viral geht, entscheidet also nicht ein Rechner im Silicon Valley, sondern die Basis. Dank des offen zugänglichen Codes kann man eigene Kanäle bauen oder das Netzwerk selbst weiterentwickeln.

Golem Akademie
  1. ITIL 4® Foundation: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    27./28.06.2022, virtuell
  2. Adobe Photoshop für Social Media Anwendungen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    29./30.06.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Im Kanal Wahrheit finden sich Einträge über die Ursachen der Algenplage in Kalifornien oder Links zu einem Artikel über die Billionen von Dollar, die das Pentagon ungenutzt herumliegen hat. Klickt man sich zu den Quellen durch, landet man allerdings selten auf etablierten Nachrichten-Seiten. Stattdessen führen die Links oft zu verschwörungsfreundlichen Plattformen wie Exposing the Truth. Ottman selbst betreut eben diese Seite. Auf dem Kanal Lifeleak gibt es Videomitschnitte eines Konzerts, bei dem der Sänger einen Fan unwirsch von der Bühne befördert oder einen Zwischenfall aus Vermont, bei dem ein Polizist einen Verdächtigen bei der Festnahme immer wieder schlägt.

Mit der Anmeldung kommt das schöne Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein

Aber nicht alles bei Minds ist hochpolitisch. Es gibt auch Kanäle wie Boing Boing, die mit Filmchen (Die Nachteile eines Dinosauriers als Haustier) oder bunten Nachrichten (Bei Burger King gibt es jetzt rote Burger) fast den Eindruck eines ganz gewöhnlichen Facebook-Feeds erwecken, samt der Suche nach dem tieferen Sinn der Beiträge. Fotos und Videos - anders als bei Facebook kann man hier gezielt danach suchen - zeigen auch bei Minds schon nach wenigen Tagen die ersten Katzen.

Trotz dieser Ausnahmen ist schnell klar: Hier tummeln sich vor allem die Occupyer, die 99 Percent und Bernie-Sanders-Wähler. Solche, die sich von Facebook bislang ferngehalten haben, weil sie Corporate America und der Datenmacht der Konzerne misstrauen. Mit der Anmeldung bei Minds gibt es das schöne Gefühl, Teil einer Bewegung zu sein, die das Netz ein bisschen besser machen will. Minds hat mit diesem Konzept seit 2012 rund 60 Millionen Visits erreicht. Derzeit sollen es rund 30.000 aktive Nutzer sein.

Demokratisches Werkzeug der Massen

Auch die Netz-Aktivisten von Anonymous sehen in Minds die Chance zum Gegenschlag. Ausgerechnet auf ihrer Facebook-Unterseite Anonymous Art of Revolution hat die Gruppe zum Hackathon aufgerufen, um den Code von Minds weiterzuentwickeln - und das Netzwerk so zu einem wahren demokratischen Werkzeug der Massen zu machen.

Wäre Minds das Netzwerk, das von Anfang an dabei gewesen wäre und heute Milliarden von Nutzern hätte: großartig. Die Welt wäre vernetzt in einem besseren Facebook. Aber wahrscheinlich ist es auch für Minds zu spät. Auch ein Mehr an Privatsphäre und die neuen Funktionen werden wohl kaum genügend Leute zum Umzug bewegen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


traumvogel 26. Jun 2015

Ich auch.

Bouncy 22. Jun 2015

Vor Jahren. Das Thema ist jetzt aber durch, die Klarnamen sind gesetzt. Wegen sowas...

dabbes 22. Jun 2015

ein Social Network liefert dir nicht frei Haus die Unterhaltung / Konversation die du dir...

Paykz0r 21. Jun 2015

Da ist nichts falsch dran. Profis erfinden das Rad auch nicht neu. Wobei ich es liebe...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Cariad
Aufsichtsrat greift bei VWs Softwareentwicklung durch

Die Sorge um die Volkswagen-Softwarefirma Cariad hat den Aufsichtsrat veranlasst, ein überarbeitetes Konzept für die ehrgeizigen Pläne vorzulegen.

Cariad: Aufsichtsrat greift bei VWs Softwareentwicklung durch
Artikel
  1. Delfast Top 3.0: Ukrainische Armee setzt E-Motorräder zur Panzerjagd ein
    Delfast Top 3.0
    Ukrainische Armee setzt E-Motorräder zur Panzerjagd ein

    Ukrainische Infanteristen nutzen E-Motorräder, um leise und schnell zum Einsatz zu gelangen und die Panzerabwehrlenkwaffe NLAW zu transportieren.

  2. Überwachung: Polizei setzt Handy-Erkennungskamera gegen Autofahrer ein
    Überwachung
    Polizei setzt Handy-Erkennungskamera gegen Autofahrer ein

    In Rheinland-Pfalz werden Handynutzer am Steuer eines Autos automatisch erkannt. Dazu wird das System Monocam aus den Niederlanden genutzt.

  3. Love, Death + Robots 3: Mal spannend, mal tragisch, mal gelungen, mal nicht so
    Love, Death + Robots 3
    Mal spannend, mal tragisch, mal gelungen, mal nicht so

    Die abwechslungsreichste Science-Fiction-Serie unserer Zeit ist wieder da - mit acht neuen Folgen der von David Fincher produzierten Anthologie-Reihe.
    Von Peter Osteried

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Borderlands 3 gratis • CW: Top-Rabatte auf PC-Komponenten • Inno3D RTX 3070 günstig wie nie: 614€ • Ryzen 9 5900X 398€ • Top-Laptops zu Tiefpreisen • Edifier Lautsprecher 129€ • Kingston SSD 2TB günstig wie nie: 129,90€ • Samsung Soundbar + Subwoofer günstig wie nie: 228,52€ [Werbung]
    •  /