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Soziales Netzwerk: Bei Path ist der Nutzer Kunde, nicht das Produkt

Im Netzwerk Path geht es nicht darum, möglichst viele Freunde zu haben, sagt Mitgründer Dave Morin im Interview. Denn im Gegensatz zu Facebook ist dort alles privat.
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Path-Mitgründer Dave Morin auf einer Konferenz 2012 in San Francisco (Bild: Stephen Lam/Reuters)
Path-Mitgründer Dave Morin auf einer Konferenz 2012 in San Francisco Bild: Stephen Lam/Reuters

Zeit Online: ...und dann haben Sie sich mit Ihrem eigenen sozialen Netzwerk Path(öffnet im neuen Fenster) selbstständig gemacht. Warum?

Morin: Ich benutze gerne folgendes Bild: Facebook ist wie eine Stadt. Wir wollen wie eine Wohnung in dieser Stadt sein.

Zeit Online: Also privat?

Morin: Es geht darum, die wichtigsten Momente mit meinen engsten Freunden und mit der Familie zu teilen. Mit niemandem sonst. Deshalb nennen wir Path auch ein persönliches Netzwerk, nicht ein soziales Netzwerk. Bei uns dreht sich alles zu hundert Prozent um Privatsphäre. Deshalb erlauben wir jedem Nutzer nur maximal 150 Kontakte. Weil wissenschaftliche Studien sagen, dass ein Mensch nur mit so vielen Menschen eine echte Beziehung pflegen kann. Die meisten Nutzer haben sogar nur zwischen 10 und 20 Menschen in ihrem Path-Netzwerk.

Zeit Online: Was ist Ihre Strategie?

Morin: Wir setzen alles daran, ein absolut vertrauensvolles Umfeld zu schaffen.

Zeit Online: Auf Facebook ist es schwer, private und öffentliche Kommunikation zu trennen(öffnet im neuen Fenster) ...

Morin: Das ging mir genauso. Ich habe viele Jahre daran gearbeitet, Facebook mit aufzubauen, und irgendwann stellte ich fest, dass ich über Facebook nie mit meiner damaligen Freundin und auch nicht mit meiner Mutter kommunizierte. Das ist bei Path jetzt genau umgekehrt. Dort tausche ich mich nur mit meiner Frau, meiner Mutter und meinen engsten Freunden aus.

Zeit Online: Man kann und soll sich mit seinen bestehenden Accounts bei Path anmelden, also auch mit seinem Facebook-Account, und dann Daten von dort zu Path übertragen. Teilt man die Nachrichten, die man auf Path schreibt, auch automatisch mit Facebook?

Morin: Bei uns teilt man gar nichts automatisch.

Werbung ist nicht das Geschäftsmodell

Zeit Online: Aber solange Sie von Path aus ihre Freunde auf Facebook erreichen, geschieht genau das, oder?

Morin: Anfangs ist das oft so. Aber sobald ein paar enge Freunde oder Familienmitglieder auch auf Path sind - ideal sind fünf bis zehn -, trennen die meisten Nutzer Path und Facebook komplett.

Zeit Online: Als Myspace vor vielen Jahren startete, war es so etwas wie ein virtueller Safe, und dann hat sich etwas vollständig anderes daraus entwickelt. Glauben Sie, das Bedürfnis nach einem geschützten privaten Raum ist groß genug, um daraus ein Geschäft machen zu können? Gibt es Wettbewerber?

Morin: Es gibt Firmen mit einem ähnlichen Ansatz. Nextdoor aus San Francisco(öffnet im neuen Fenster) zum Beispiel. Sie konzentrieren sich auf Nachbarschaften. Oder Yammer(öffnet im neuen Fenster) , das für die Kommunikation im Büro gedacht ist. Dann gibt es Pair(öffnet im neuen Fenster) , für den Austausch eines Paares. Wir kümmern uns wie gesagt eher ums Zuhause.

Zeit Online: Was ist Ihr Geschäftsmodell?

Morin: Weil wir auf Privatsphäre ausgerichtet sind, auf den geschützten, persönlichen Raum, verzichten wir auf Werbung. Myspace und andere mussten sich der Werbekundschaft öffnen, darauf sind ihre Geschäftsmodelle ausgerichtet, das hatte auch Folgen für das Produkt. Wir wollen kostenpflichtige Zusatzdienste anbieten. Zum Beispiel gibt es einige kostenlose Filter für Fotos, andere hingegen kosten etwas. Und Sie werden in den kommenden Monaten weitere kostenpflichtige Angebote sehen.

Zeit Online: Der Nutzer von Path ist wirklich der Kunde und nicht das Produkt(öffnet im neuen Fenster) ?

Morin: Genauso ist es. Das ist uns sehr wichtig. Wir wollen das Vertrauen unserer Kunden erhalten. Außerdem glauben wir, dass wir so ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufbauen können.

Zeit Online: Wie viele Kunden haben Sie und wie verteilen sich diese?

Morin: Wir haben in zwei Jahren rund sechs Millionen Kunden gewonnen, die Hälfte davon in den USA, die andere Hälfte in aller Welt.

Zeit Online: Was sind Ihre Pläne für die nächsten zwölf Monate?

Morin: Wir haben gerade eine Suchfunktion gestartet, mit der sich länger zurückliegende Ereignisse und Fotos leichter finden lassen. Die Zugriffe der Nutzer auf Path haben sich seither verdoppelt. Ich selbst habe dadurch ein Café in München gefunden, das einer meiner Freunde einmal besucht hat.

Im Übrigen konzentrieren wir uns auf unsere zahlungspflichtigen Dienste und auf unsere Expansion in Ländern wie Deutschland und Japan, die Privatsphäre schätzen.


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