Abo
  • Services:
Anzeige

Soziale Netzwerke: Wie sich Suizide durch Pinnwandeinträge vorhersagen lassen

Soziale Netzwerke: Wie sich Suizide durch Pinnwandeinträge vorhersagen lassen
(Bild: Flickr/polmuadi/CC BY-SA 2.0)

Südkorea ist das Land der weltweit höchsten Internetdichte, aber auch der höchsten Selbstmordrate aller Industrienationen. Ein junger Mediziner untersuchte beides und beobachtete, wie soziale Medien wie Facebook und Twitter frühzeitig Hinweise auf Suizide geben können.
Von Felix Lill

In seiner Schulzeit hat Myung Woojae selbst einen Freund verloren. Seinem Schulkameraden, der auf einmal für immer verschwand, sagte man damals eine Charakterschwäche nach. Heute ist Myung frisch promovierter Mediziner der Sungkyunkwan University School of Medicine in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und sagt: "Selbstmord ist ein riesiges Problem in Südkorea. Wir halten das für eine private Angelegenheit. Aber ich glaube, dass es ein soziales Phänomen ist." Um seine These zu belegen, wertete Myung die Daten sozialer Medien statistisch aus und fand heraus: Treten bestimmte Vokabeln in sozialen Netzwerken verstärkt auf, steigt die Zahl der Selbstmorde.

Anzeige

Myungs Tabellen und Grafiken zeigen zunächst: Keine andere Industrienation hat eine so hohe Selbstmordrate wie Südkorea, die Nation, die sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts innerhalb von drei Jahrzehnten von einem der ärmsten zu einem der reichsten Länder der Welt entwickelte. Von 100.000 Südkoreanern nehmen sich 33 das Leben. Die Rate ist dreimal so hoch wie der OECD-Durchschnitt und hat sich im Gegensatz zur fallenden OECD-Tendenz seit 1995 annähernd verdoppelt.

Zwei Begriffe gehen mit steigender Zahl der Suizide einher

Ihre Untersuchung zu Zusammenhängen zwischen bestimmten Äußerungen in sozialen Medien und anschließenden Suiziden veröffentlichten Myung und Kollegen vor einem Jahr im akademischen Open-Access-Journal PLOS mit dem Titel Predicting National Suicide Numbers With Social Media Data. Myung sagt: "Wir haben auf diese Weise Gruppenemotionen gemessen, und da diese soziale Stimmung statistisch stark mit den Selbstmordzahlen korreliert, können wir auch sagen, dass Suizid ein soziales Phänomen ist und nicht bloß ein individuelles."

Myung beobachtete die Aktivität von Usern auf Naver, dem größten südkoreanischen Onlineportal. Wurden zwei Begriffe besonders häufig gepostet, stieg kurz darauf die Selbstmordzahl im Land. Diese beiden Wörter waren jasal, koreanisch für Selbstmord, und himdeulda, was sich mit müde oder erschöpft übersetzen lässt. "Unser Modell kann das Vorkommen von Suizid in Südkorea ziemlich genau vorhersagen, zu 79 Prozent liegt es richtig", sagt Myung. Statistisch gesehen wurden durch diese Analyse die offiziellen Selbstmordzahlen zwischen 2008 und 2010 zu immerhin 66 Prozent erklärt.

Arbeitslosigkeit ist ein Indikator

Der südkoreanische Mediziner beschränkt sich in seinen Analysen indes nicht auf soziale Medien. Weitere Variablen sind ihm zufolge die Arbeitslosenrate, der Aktienindex, der Konsumgüterpreisindex, die Kaufkraft und sogar die Temperatur. Auch der Selbstmord berühmter Persönlichkeiten, als Werther-Effekt bekannt, ist ein Faktor in Myungs Modell. In Korea trat dieser 2008 beim Suizid der Schauspielerin Choi Jin-sil ein. Kurz darauf nahmen sich 812 mehr Menschen als sonst das Leben. Roh Moo-hyun, von 2003 bis 2008 Präsident Südkoreas, nahm sich 2009 das Leben, worauf wiederum ein Zacken in der Kurve der Suizidhäufigkeit folgte.

Wie auch international ist die Mehrzahl der Suizidanten männlich, ein Drittel ist über 60 Jahre alt. Dass es vor allem Männer sind, liegt auch an deren "Erfolgsrate": Selbstmordversuche enden bei Männern häufiger als bei Frauen tödlich, nicht zuletzt weil sie rabiatere Methoden wählen. "Statt Pillen nehmen Männer eher einen Strick, vergiften sich oder springen von einer Brücke oder aus dem Fenster", sagt Myung. Auch die Selbstmordrate von Menschen unter 20 Jahren liegt in Südkorea hoch und ist zuletzt gestiegen.

Warum nur? Unter älteren Menschen sind Einsamkeit und Altersarmut wichtige Gründe, was nach der Studie häufig zusammenhängt. Für jüngere Menschen wird vor allem Erfolgsdruck genannt. In Südkoreas stark leistungsorientierter Gesellschaft gelten Eigenschaften wie Aussehen, Bildungsniveau und Einkommen noch mehr für das soziale Ansehen als anderswo. "Koreanische Kinder lernen lange Stunden am Tag, Nachhilfe nach der Schule ist auch für diejenigen üblich, die im regulären Unterricht gut mitkommen".

Die Aufklärung findet im Netz statt 

eye home zur Startseite
Neuro-Chef 02. Jul 2014

Verdammte Details :D Wenn ich Bedarf hätte, wäre das neben dem Diskordianismus auf jeden...

Anonymer Nutzer 27. Jun 2014

Darüber sollten wir auch in Deutschland mal nachdenken, wo der heilige Euro einen...

motzerator 27. Jun 2014

Hier ist ja auch ein klarer Zusammenhang zwischen IT-Thema und den Suiziden gegeben und...

MystiqueMax 27. Jun 2014

Kann man nicht einfach einen Spamfilter hierfür umprogrammieren?

Lagaz 26. Jun 2014

Netter Scherz... April April :)



Anzeige

Stellenmarkt
  1. ETAS GmbH & Co. KG, Stuttgart
  2. Bechtle Onsite Services GmbH, Neckarsulm
  3. Süddeutsche Krankenversicherung a.G., Fellbach bei Stuttgart
  4. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 299,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 24,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. Einzelne Folge für 2,99€ oder ganze Staffel für 19,99€ kaufen (Amazon Video)

Folgen Sie uns
       


  1. Apple

    Teure Lederhülle für iPhone X deckt Mikrofon ab

  2. Notruf

    Siri ruft unnötig die Feuerwehr

  3. Netzneutralität

    US-Behörde FCC will Internetprovidern alles erlauben

  4. Fraunhofer Fokus

    Metaminer soll datensammelnde Apps aufdecken

  5. Onlinehandel

    Bundesgerichtshof greift Paypal-Käuferschutz an

  6. Verbraucherschutz

    Sportuhr-Hersteller gehen unsportlich mit Daten um

  7. Core-i-Prozessoren

    Intel bestätigt gravierende Sicherheitsprobleme in ME

  8. Augmented Reality

    Apple kauft Vrvana für 30 Millionen US-Dollar

  9. Lootboxen

    "Battlefront 2 ist ein Star-Wars-Onlinecasino für Kids"

  10. Stadtnetzbetreiber

    Von 55 Tiefbauunternehmen hat keines geantwortet



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Fire TV (2017) im Test: Das Streaminggerät, das kaum einer braucht
Fire TV (2017) im Test
Das Streaminggerät, das kaum einer braucht
  1. Neuer Fire TV Amazons Streaming-Gerät bietet HDR für 80 Euro
  2. Streaming Update für Fire TV bringt Lupenfunktion
  3. Streaming Amazon will Fire TV und Echo Dot vereinen

Smartphoneversicherungen im Überblick: Teuer und meistens überflüssig
Smartphoneversicherungen im Überblick
Teuer und meistens überflüssig
  1. Winphone 5.0 Trekstor will es nochmal mit Windows 10 Mobile versuchen
  2. Librem 5 Das freie Linux-Smartphone ist finanziert
  3. Aquaris-V- und U2-Reihe BQ stellt neue Smartphones ab 180 Euro vor

Universal Paperclips: Mit ein paar Sexdezillionen Büroklammern die Welt erobern
Universal Paperclips
Mit ein paar Sexdezillionen Büroklammern die Welt erobern
  1. Disney Marvel Heroes wird geschlossen
  2. Starcraft 2 Blizzard lästert über Pay-to-Win in Star Wars Battlefront 2
  3. Free to Play World of Tanks bringt pro Nutzer und Monat 3,30 Dollar ein

  1. Re: Also ich, Entwickler, Nerd, 23, Single bin...

    NaruHina | 08:08

  2. Re: Kann man's jetzt patchen oder nicht?

    px | 08:07

  3. Re: Welches Portal hat Apple denn?

    chefin | 08:06

  4. Wer 1000 Euro für ein Phone ausgibt, dem stören...

    MüllerWilly | 08:05

  5. Re: Das könnte..

    ChoTimberwolf | 08:05


  1. 07:41

  2. 07:30

  3. 07:12

  4. 17:45

  5. 17:20

  6. 17:06

  7. 16:21

  8. 15:51


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel