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Die Aufklärung findet im Netz statt

Erst in den letzten Jahren ist Selbstmord zu einem gesellschaftlich diskutierten Thema geworden. Umfragen zeigten, dass die meisten Menschen Mitleid empfänden, wenn sie von Suizid hören. "Selbstmord wird also als Persönlichkeitsmerkmal angesehen, nicht als soziales Problem", sagt Myung. "Aber heutzutage stehen uns mehr soziale Daten zur Verfügung denn je, und damit können wir das Gegenteil beweisen." Da Südkorea die weltweit stärkste Dichte von ans Internet angeschlossenen Haushalten hat, mit einer entsprechend hohen Aktivität in sozialen Netzwerken, stützt Myung seine These mittels dieser Medien. Dass das Verhalten auf Netzwerken wie Twitter oder Facebook als Indikator für soziale Stimmungen genutzt wird, ist an sich nichts Neues. Facebook versucht so, mit seinem Gross National Happiness Index eine Art gesamtgesellschaftliche Glücklichkeit zu messen. Auch Zusammenhänge zwischen sozialen Medien und Aktienmärkten oder Ansteckungsraten bei Krankheiten wurden schon beobachtet.

An Tagen mit hoher Selbstmordrate Brücken absperren lassen?

Wenn sich Selbstmorde relativ gut vorhersagen lassen, was lässt sich tun, um sie zu vermeiden? "Politikempfehlungen sind schwierig", sagt Myung. "Ansätze gibt es: Medien sollten nicht allzu theatralisch über Selbstmorde berichten, damit nicht so viele Menschen dem Beispiel folgen. Oder man zensiert bestimmte Begriffe in sozialen Medien, falls man das will." Auch könnten Regierungen an den Tagen nach einem hohen Vorkommen von Schlüsselwörtern in sozialen Medien besonders vielgenutzte Orte von Selbstmördern wie bestimmte Brücken absperren lassen. Rettungsdienste könnten sich auf erhöhte Bereitschaft einstellen. "Allerdings könnte das zu Verschiebungseffekten bei den Methoden führen. Dann würden sich vielleicht einfach mehr Menschen erhängen, was ja unbeobachtet möglich ist."

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Den Selbstmord einzelner Personen kann Myungs Modell ohnehin nicht vorhersagen. Dies scheitert bisher an der Datenlage, weil die sozialen Dienste Informationen über gepostete Begriffe nur im Aggregat herausgeben. "Wir hoffen aber, unser Modell noch auszuweiten. Wenn wir an individuelle Daten gelangten, könnten wir sicher deutlich genauere Aussagen über die Selbstmorde in Korea und vielleicht weltweit treffen", sagt Myung.

Der gesellschaftliche Umgang mit der Privatsphäre ist entscheidend

Zum Beispiel sei bisher auch nicht festzustellen, ob die Selbstmordwahrscheinlichkeit bei der Person steige, die Nachrichten mit Schlüsselbegriffen gepostet habe, oder ob sich das Veröffentlichen dieser Meldungen vielmehr auf die Stimmung anderer User auswirke. Um dies zu ergründen, dürfte der gesellschaftliche Umgang mit der Privatsphäre entscheidend sein, die Frage also, ob Nutzer ihre Verhaltensdaten preisgeben wollten und ob die sozialen Medien dies zuließen.

Immerhin gibt es mittlerweile Vorhaben, die mit individuellen, aber anonymisierten Daten arbeiten. Kurz nach der Veröffentlichung von Myungs Arbeit lancierte das Datenanalyseunternehmen Patterns and Predictions mit Unterstützung von Facebook das nach dem Soziologen Emile Durkheim benannte Durkheim Project. Es analysiert das Verhalten von US-Veteranen auf sozialen Medien und bei Telefonanrufen, um damit das Risiko eines Suizids zu bestimmen. "Wenn dadurch wichtige Bestimmungsfaktoren gefunden werden", sagt Myung Woojae, "würde ich mich freuen." Es sei auch eine Chance, findet er. "So lässt sich hoffentlich zeigen, dass Selbstmord ein soziales Problem ist. Wenn das gelingt, hätten die sozialen Medien meinem Land einen großen Dienst erwiesen."

 Soziale Netzwerke: Wie sich Suizide durch Pinnwandeinträge vorhersagen lassen

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Neuro-Chef 02. Jul 2014

Verdammte Details :D Wenn ich Bedarf hätte, wäre das neben dem Diskordianismus auf jeden...

Anonymer Nutzer 27. Jun 2014

Darüber sollten wir auch in Deutschland mal nachdenken, wo der heilige Euro einen...

motzerator 27. Jun 2014

Hier ist ja auch ein klarer Zusammenhang zwischen IT-Thema und den Suiziden gegeben und...

MystiqueMax 27. Jun 2014

Kann man nicht einfach einen Spamfilter hierfür umprogrammieren?

Lagaz 26. Jun 2014

Netter Scherz... April April :)



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