Soziale Netze: Twitter erwägt Übernahme von Soundcloud

Twitter denkt offenbar darüber nach, den Audio-Streaming-Service Soundcloud zu übernehmen. Das berichtet die Seite Recode(öffnet im neuen Fenster) mit Verweis auf Unternehmenskreise. Das Berliner Unternehmen ermöglicht es Nutzern, Audiodateien kostenlos hochzuladen und mit anderen Nutzern zu teilen. Nach eigenen Angaben hat Soundcloud inzwischen mehr als 250 Millionen Nutzer und damit in etwa so viel wie der Mikroblogging-Dienst selbst.
Schon jetzt nutzen Twitter-Anwender Soundcloud mehr als jeden anderen Musikdienst, um Links zu Audiodateien mit anderen Twitter-Nutzern zu teilen. Sollte es tatsächlich zu der Übernahme kommen, wäre es der mit Abstand größte Kauf in der bisherigen Firmengeschichte von Twitter. Soundcloud hatte erst Anfang des Jahres eine Finanzierungsrunde über 60 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Das Unternehmen wird mit rund 700 Millionen Dollar bewertet. Kurz vor dem Börsengang im vergangenen Herbst hatte Twitter das mobile Anzeigenunternehmen Mopub für etwas mehr als 300 Millionen US-Dollar übernommen.
Eigene Musik-App im März eingestellt
Der Kauf von Soundcloud wäre bereits der zweite Versuch des Mikroblogging-Dienstes, Musik in das eigene Geschäftsmodell zu integrieren. Im vergangenen Jahr hatte Twitter eine eigene Musik-App gestartet , mit der Nutzer vor allem neue Musik entdecken sollten. Bereits vor Monaten hatte Twitter aufgehört, die Anwendung weiterzuentwickeln, und sie schließlich im März wegen Erfolglosigkeit eingestellt.
Das Unternehmen leidet seit längerem unter schwachen Wachstumszahlen und sucht nach neuen Geschäftsbereichen. Seit dem Börsengang wächst der Druck vonseiten der Investoren, die fürchten, der Dienst könne den Anschluss an Facebook mit seinen mehr als eine Milliarde Nutzern verlieren.
Mit Soundcloud könnte sich Twitter neue Nutzergruppen erschließen. Soundcloud wiederum dürfte vom etablierten Anzeigengeschäft der Amerikaner profitieren, mit dem Twitter allein dieses Jahr mehr als 1 Milliarde US-Dollar umsetzen will.
Sollte der Kauf zustande kommen, könnte sich allerdings der Druck auf Soundcloud erhöhen, sich mit den großen Plattenfirmen zu einigen. Bislang befindet sich der Dienst in einer ähnlichen rechtlichen Grauzone wie Youtube. Im vergangenen Jahr hatte Twitter auf eine stärkere Integrierung von Soundcloud in seine Musik-App verzichtet, nachdem sich die Plattenfirmen über fehlende Lizenzen beschwert hatten.
Nachtrag vom 20. Mai 2014, 10:43 Uhr
Wie Spiegel Online(öffnet im neuen Fenster) aus informierten Kreisen erfuhr, hatte Twitter zwar Interesse an Soundcloud, es sei aber eine endgültige Entscheidung gegen die Übernahme gefallen.



