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Klare Botschaft von Datenjournalist Michael Kreil
Klare Botschaft von Datenjournalist Michael Kreil (Bild: media.ccc.de/Screenshot: Golem.de)

Soziale Medien: Social Bots verzweifelt gesucht

Klare Botschaft von Datenjournalist Michael Kreil
Klare Botschaft von Datenjournalist Michael Kreil (Bild: media.ccc.de/Screenshot: Golem.de)

Die Angst vor Social Bots und Fake-News scheint übertrieben. Einem Datenjournalisten ist es kaum gelungen, solche Phänomene auf Twitter zu entdecken.

Vor gut einem Jahr war die Sorge groß, die Bundestagswahl könnte durch sogenannte Meinungsroboter im Netz oder die gezielte Verbreitung von Falschnachrichten beeinflusst werden. Dass die damaligen Befürchtungen nicht eingetreten sind, hatte nach Ansicht des Datenjournalisten Michael Kreil einen einfachen Grund: Solche aktiven und manipulativen Social Bots gebe es beispielsweise auf Twitter gar nicht. Hinter besonders aktiven Twitter-Accounts stünden fast immer politisch aktive Bürger, Hashtag-Spammer, Medien und Journalisten sowie einige simple Bots, sagte Kreil am Donnerstag auf dem 34. Chaos Communication Congress in Leipzig.

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Kreil hat mit Hilfe der Twitter-API und fast 700 von anderen Nutzern zur Verfügung gestellten Zugangs-Tokens im vergangenen Bundestagswahlkampf Millionen Twitter-Konten und Tweets analysiert. Um die Wirkung der angeblichen Social Bots überhaupt einschätzen zu können, stand er jedoch vor der Herausforderung, solche Twitter-Accounts zunächst einmal zu finden. Das Problem dabei: Eine zuverlässige Methodik oder Definition gibt es laut Kreil dafür nicht.

Ist Christopher Lauer ein Bot?

Hierbei kritisierte er vor allem die Grundannahme zahlreicher Studien, wonach von einer bestimmten Anzahl von Tweets pro Tag darauf geschlossen werden könne, dass hinter einem Account ein Bot steht. Zudem ist für Kreil nicht nachvollziehbar, ob die Grenze dafür bei 30, 50 oder 100 täglichen Beiträgen gezogen werde. Demnach würde hinter dem Account des SPD-Politikers Christopher Lauer ein Bot stehen, da dieser schon mal 72 Tweets pro Tag absetze. Der Account der Tageszeitung Die Welt habe sogar 190-mal an einem Tag getwittert.

Um seine These zu belegen, analysierte Kreil in seinem Vortrag zwölf Twitter-Accounts, die am Tag der US-Präsidentschaftswahl im November 2016 unter bestimmten Hashtags am aktivsten waren und mehr als 100 Tweets abgesetzt hatten. Darunter sei jedoch kein einziger Bot gewesen, der tatsächlich an einer aktiven politischen Diskussion teilgenommen hat.

Fake-News als Meme

Mit Skepsis betrachtet Kreil zudem auch Online-Tools, mit denen Twitter-Accounts auf die Wahrscheinlichkeit hin überprüft werden, ob dahinter ein Bot steckt. Dazu zählt beispielsweise das Botometer des Indiana University Network Science Institute (IUNI). Dieses hält laut Kreil beispielsweise die Accounts des Bundesjustizministeriums oder des Bundeskriminalamts mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent für Bots. Allerdings weist die Universität auf ihrer Projektseite auch darauf hin, dass Accounts von Organisationen vom Botometer oft als Bots eingestuft würden.

Kritisch äußerte sich Kreil in seinem Vortrag zudem zum Phänomen der Fake News. Hierbei untersuchte er vor allem, wie sich solche Falschbehauptungen und ihre Gegendarstellungen im Netz verbreiteten. Bei der von ihm untersuchten Nachricht, einer angeblichen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes zu Schweden, habe nicht von einer kontrollierten Verbreitung die Rede sein können. "Man stottert sich förmlich in die Fake News rein", sagte Kreil und habe den Eindruck, "dass da rumexperimentiert wird, bis das Netzwerk eine Resonanz wirft". Seiner Ansicht sind Fake News nichts anderes als Meme. "Das Kernphänomen an Fake News ist nicht deren Existenz, sondern dass sie sich gut verbreiten können", sagte Kreil. Da sie als Meme eine große Reichweite hätten, könne man aus ihnen Kapital schlagen.

Neue Wissenschaft gefordert

Was ebenfalls aufgefallen sei: Während eine bestimmte Gruppe von Twitter-Nutzern die genannte Falschbehauptung verbreitet habe, sei die Gegendarstellung von anderen retweetet worden. Seine Analyse habe ergeben, dass 89 Prozent der Nutzer, die die Falschbehauptung getwittert hätten, die Gegendarstellung zumindest in ihrer Timeline zur Kenntnis genommen haben müssten. Hingegen hätten nur 43 Prozent der "Gegendarsteller" die eigentliche Fake-News überhaupt gelesen. Kreils These: "Es gibt eine Filterblase. Und zwar bekommen wir die Fake-News nicht mit."

Nach Ansicht Kreils weist die Forschung zu den Phänomenen in sozialen Netzwerken noch viele Defizite auf. Daher müssten die neuen Methodiken zunächst einmal überprüft werden. Auch bereits veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten sollten noch einmal auf ihre Grundannahmen hin überprüft werden. Möglicherweise sei dafür eine neue Wissenschaft erforderlich, die nicht nur rein deskriptiv sei, sondern hinter den Aktivitäten in sozialen Netzwerken bestimmte Gesetzmäßigkeiten erkenne. Um die künftige Forschung zu unterstützen, will Kreil seine Daten demnächst auf Github veröffentlichen.


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ecv 31. Dez 2017

Du vielleicht auch? Nach welchen Kriterien haben die bei der blackHat bots bestimmt...

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mac4ever 30. Dez 2017

Zensur ist viel wirksamer. Wenn ich das Meinungsklima in einem Forum beeinflussen will...

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Cok3.Zer0 29. Dez 2017

Ja, und es gibt auch Bot-Amplification durch bezahlte Leute. Wenn er wollte, könnte er...

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RemizZ 29. Dez 2017

Für jemanden wie uns, die auch hier auf Seiten unterwegs sind die Technik behandeln, ja...

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DerSkeptiker 29. Dez 2017

Konrad-Adenauer-Stiftung lese wird einiges klar. Diese "Stiftung" ist der letzte Dreck...

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