Soziale Medien: Sauberes Netz, schmutzige Hände

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Der Gegensatz könnte nicht deutlicher sein: Während sich Spitzenkräfte der Tech-Konzerne Jahresgehälter im dreistelligen Millionenbereich sichern und KI-Modelle als Durchbruch für die digitale Zukunft gefeiert werden, arbeiten im Hintergrund Menschen zu Niedriglöhnen an der unsichtbaren Wartung dieser Systeme.
Content-Moderatoren und Datenarbeiter in Ländern des globalen Südens halten soziale Netzwerke und KI-Modelle sauber – unter Bedingungen, die kaum jemand im Westen wahrnimmt. Täglich müssen sie Gewalt, Missbrauch und verstörendes Material sichten, oft ohne ausreichenden Schutz, psychologische Betreuung oder faire Bezahlung.
Trotz wachsender Abhängigkeit von diesen Arbeitskräften findet im deutschsprachigen Raum kaum eine öffentliche oder politische Debatte über diese Schattenarbeit statt.
Ausbeutung hinter sozialen Medien
Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Equidem (PDF)(öffnet im neuen Fenster) dokumentiert anhand von Interviews mit 113 Content-Moderatoren und Datenarbeitern aus Ländern wie Kenia, Kolumbien und den Philippinen unwürdige Arbeitsbedingungen. Die unsichtbaren Gatekeeper filtern täglich die abscheulichsten Inhalte aus den sozialen Netzwerken und machen KI-Systeme wie ChatGPT erst nutzbar.
Die Untersuchung zeichnet ein düsteres Bild: Viele der Befragten erleiden schwere psychische Traumata bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen, sexuelle Traumatisierungen und wirtschaftliche Not. Tech-Konzerne lagern diese risikoreichen Jobs an Subunternehmer in Niedriglohnländern aus und entziehen sich so ihrer Verantwortung.
Die scheinbar saubere Onlinewelt beruht damit auf dem Leid eines ausgelagerten Prekariats – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen.



