Globale Mindeststandards
Das Problem ist global und erfordert internationale Lösungen. Ende April 2025 schlossen sich Content-Moderatoren aus neun Ländern zur ersten weltweiten Allianz zusammen, um gemeinsam gegen die Missstände zu kämpfen.
Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist gefordert: Experten plädieren für ein Abkommen, das Mindeststandards für Moderationsarbeit weltweit festschreibt – etwa zu Arbeitszeit, psychologischer Betreuung und Entlohnung.
Mit der ILO-Konvention 190 gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz existiert bereits ein globaler Rahmen. Zudem plant die EU strengere Sorgfaltspflichten in Lieferketten, die auch digitale Arbeit erfassen könnten.
Algorithmwatch fordert harte Regeln für Konzerne
Die NGO Algorithmwatch beschäftigt sich schon seit Jahren mit Menschenrechten in der digitalen Arbeitswelt. "Unternehmen sind bereits heute durch Gesetze wie das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) oder die geplante Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) verpflichtet, menschenrechtskonforme Arbeitsbedingungen zu gewährleisten" , sagte Matthias Spielkamp, Executive Director von Algorithmwatch, im Gespräch mit Golem.
Verstöße seien jedoch schwer zu sanktionieren: "Die Durchsetzung ist derzeit extrem aufwendig, gerade wenn es um US-Konzerne geht." Scharf kritisiert Spielkamp das politische Klima: "Die Europäische Volkspartei (EVP), der auch CDU und CSU angehören, hat im Europäischen Parlament jüngst mit rechtsextremen Parteien kooperiert, um CSRD und CSDDD abzuschwächen."
Auch zur Verantwortung der Konzerne äußert sich Spielkamp unmissverständlich: "Content-Moderatoren arbeiten für Unternehmen, die durch ihre oligopolartige Stellung obszöne Profite erwirtschaften. Es ist erbärmlich, dass sie nicht von sich aus für bessere Arbeitsbedingungen sorgen."



