Soziale Medien: Mein gar nicht böser Twitter-Bot

In der Debatte um die Manipulation öffentlicher Meinung spielen Social Bots eine große Rolle. Wir haben ausprobiert, wie einfach sich solche Bots anlegen lassen und zeigen, wie eine sinnvolle Nutzung aussehen kann.

Eine Anleitung von veröffentlicht am
Rüffelt Tweets mit falschen Zitaten: der Kurt-Tucholsky-Bot
Rüffelt Tweets mit falschen Zitaten: der Kurt-Tucholsky-Bot (Bild: Twitter.com/Screenshot: Golem.de)

Vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr machte sich in der deutschen Politik nahezu Panik breit. Nach den Erfahrungen der Brexit-Wahl in Großbritannien und der Wahl von US-Präsident Donald Trump wurde befürchtet, dass hierzulande die Bundestagswahlen von Meinungsrobotern in sozialen Netzwerken beeinflusst werden könnten. Zwar wurde inzwischen Entwarnung gegeben, doch neue Zahlen von Twitter zeigen den Umfang automatisierter Accounts.

So räumte der Kurznachrichtendienst in der vergangenen Woche gegenüber dem US-Kongress ein (PDF), bei Analysen mehr als 50.000 automatisierte Accounts entdeckt zu haben, die möglicherweise von Russland aus während der US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016 eingesetzt worden seien. Diese sollen im Wahlkampf mehr als zwei Millionen Tweets mit Bezug zu Präsidentschaftswahlen abgesetzt haben, was einem Anteil von einem Prozent an allen Wahlkampftweets entspräche.

Fake Quotes im Internet

Zugegeben: Automatisierte Accounts haben einen schlechten Ruf. Doch der Missbrauch einer Technik durch andere sollte niemanden davon abhalten, sie selbst einmal auszuprobieren und sinnvolle Anwendungen dafür zu finden. Wir haben es getan und uns dabei des Problems der Fake Quotes angenommen.

Dieses Problem existiert nahezu unbeachtet von der Diskussion über sogenannte Fake News in sozialen Medien. Mehr oder wenige originelle oder unsinnige Zitate werden fälschlicherweise bekannten Autoren zugeschrieben. Das Prinzip ist dabei ähnlich wie bei Falschnachrichten: Die Zitate werden in die Welt gesetzt, ohne dass sich Nutzer Gedanken darüber machen, ob diese tatsächlich vom genannten Urheber stammen. Irgendwo schon mal im Internet gesehen oder gelesen reicht als Quelle aus. Hauptsache, die Zitate passen ins eigene Weltbild.

Der Vorteil der Digitalisierung

Stellenmarkt
  1. Junior Information Security Manager (m/w/d)
    NOVENTI HealthCare GmbH, München
  2. Softwareentwickler (m/w/d) HR/ERP-Lösungen
    HANSALOG BPS GmbH, Ankum, Dortmund, Hamburg
Detailsuche

Auffällig ist dies beispielsweise bei dem Journalisten und Satiriker Kurt Tucholsky. Es gibt eine sicherlich unvollständige Liste von Zitaten, die Tucholsky immer wieder fälschlicherweise zugeschrieben werden. Leider wird diese offenbar als Vorlage genommen, um angebliche Tucholsky-Zitate im Internet zu verbreiten. Ganz oben auf der Liste steht dabei: "Toleranz ist der Verdacht, dass der andere recht hat." Klingt auf den ersten Blick originell, ist aber beim zweiten Hinsehen Unfug. So tolerieren Linux-Nutzer bisweilen durchaus Apple- und Windows-Rechner in der Familie, obwohl sie genau wissen, dass Steve Jobs und Bill Gates auf keinen Fall recht hatten. Von anderen Religionen ganz zu schweigen.

Und soll man falsche Zitate auf Twitter tolerieren, weil der Verdacht bestehen könnte, dass sie sich doch im Werk des vermeintlichen Autors finden könnten? Sicherlich nicht. Denn das hieße, die Beweislast beim Verbreiten von Zitaten oder Nachrichten umzukehren. "Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger", lautet das wohl häufigste falsche Tucholsky-Zitat. Der Vorteil der Digitalisierung besteht jedoch darin, dass sich elektronisch vorliegende Werke einfach darauf hin überprüfen lassen, ob ein bestimmtes Zitat darin enthalten ist. Das war in früheren Zeiten schon schwieriger.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Kostenlose Twitter-Bots sind unflexibel 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Akkutechnik
CATL stellt erste Natrium-Ionen-Akkus für Autos vor

160 Wh pro Kilogramm. 80 Prozent Akkuladung in 15 Minuten. 90 Prozent Kapazität bei minus 20 Grad Celsius. CATL startet eine neue Ära der Akku-Technik.
Eine Analyse von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Akkutechnik: CATL stellt erste Natrium-Ionen-Akkus für Autos vor
Artikel
  1. Erneuerbare Energien: Größte Gezeitenturbine geht vor Schottland in Betrieb
    Erneuerbare Energien
    Größte Gezeitenturbine geht vor Schottland in Betrieb

    Die Meere bieten viel Energie, die sich in elektrischen Strom wandeln lässt. In Schottland ist gerade ein neues Gezeitenkraftwerk ans Netz gegangen.

  2. Spionagesoftware: Israelische Behörden überprüfen Pegasus-Hersteller NSO
    Spionagesoftware
    Israelische Behörden überprüfen Pegasus-Hersteller NSO

    War es eine Razzia oder eine freundliche Besichtigung? Der diplomatische Druck auf Israel wegen des Trojaner-Herstellers NSO zeigt offenbar Wirkung.

  3. Verschlüsselung: Windows-Verschlüsselung Bitlocker trotz TPM-Schutz umgangen
    Verschlüsselung
    Windows-Verschlüsselung Bitlocker trotz TPM-Schutz umgangen

    Eine mit Bitlocker verschlüsselte SSD mit TPM-Schutz lässt sich relativ einfach knacken. Ein Passwort schützt, ist aber nicht der Standard.

toke 13. Feb 2018

Die Duplikatserkennung funktioniert nicht immer 100%. Bei mir trat es zum Beispiel...

Cok3.Zer0 04. Feb 2018

Auf der Blackhat hat man Bots gefunden.

daarkside 03. Feb 2018

Habe den Artikel wegen Hate Speech an Heiko gemailed.

FreiGeistler 02. Feb 2018

Um was gehts denn da? Wie bei den Web-Standards: man verlinkt nichts ohne Beschreibung...

s1ou 02. Feb 2018

Welche tools nutzt du für die sentiment analyse? NLTK funktioniert ja auf englisch gerade...



Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Bosch Professional günstiger • Asus TUF Gaming 23,8" FHD 144Hz 169€ • Acer-Chromebooks zu Bestpreisen (u. a. 14" 64GB 229€) • Alternate (u. a. Deepcool-Gehäuselüfter ab 24,99€) • EA-Spiele (PC) günstiger (u. a. Battlefield 5 5,99€) • Philips-Fernseher 65" Ambilight 679€ [Werbung]
    •  /