Soziale Medien: Löschquoten in der EU bleiben hoch

Die EU-Kommission ist eigentlich zufrieden mit dem Löschverhalten von Facebook oder Twitter. Dennoch soll es künftig gesetzliche Vorgaben dazu geben.

Artikel veröffentlicht am ,
Die EU-Kommission ist zufrieden mit dem Löschverhalten sozialer Medien.
Die EU-Kommission ist zufrieden mit dem Löschverhalten sozialer Medien. (Bild: Raphael Lafargue/Reuters)

Auch ohne gesetzliche Regeln reagieren die sozialen Medien weiterhin sehr schnell auf Hinweise zu illegalen Inhalten. Wie aus einem Bericht der EU-Kommission (PDF) hervorgeht, werden 90,4 Prozent der Hinweise innerhalb von 24 Stunden bearbeitet. Von den beanstandeten Inhalten würden 71 Prozent gelöscht, während 29 Prozent im Netz stehen bleiben dürften. Im Vergleich zu den beiden Vorjahren änderten sich die Werte nur unwesentlich.

Stellenmarkt
  1. Senior-Softwareentwickler / Software Developer Embedded Linux (Informatiker / Ingenieur Elektrotechnik ... (m/w/d)
    S. Siedle & Söhne Telefon- und Telegrafenwerke OHG, Furtwangen
  2. Fachinformatiker(in) Systemintegration/IT System Engineer (m/w/d) für IT-Service, Hosting, ... (m/w/d)
    CAPCAD SYSTEMS AG, verschiedene Standorte
Detailsuche

In Deutschland sanken die Löschquoten in den vergangenen Jahren sogar leicht. Lag die Quote bei der Erhebung im Dezember 2017 noch bei 100 Prozent, registrierten die Tester im Dezember 2019 nur noch 76,6 Prozent. Allerdings sind die Stichproben nicht repräsentativ. Dem Bericht zufolge basieren die deutschen Zahlen lediglich auf 38 Hinweisen der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM) und 26 Hinweisen von Jugendschutz.net.

Die meisten Beschwerden bei Facebook

Europaweit wurden 4.364 Hinweise in 24 EU-Ländern ausgewertet, davon betrafen mehr als die Hälfte (2.348) Beiträge auf Facebook. Es folgten Twitter mit 1.396, Youtube mit 464 und Instagram mit 109 Beschwerden. Die kleineren Anbieter Jeuxvideo (40) und Dailymotion (7) wurden ebenfalls getestet.

Je nach Anbieter variieren die Löschquoten jedoch stark. Während Facebook 87,6 Prozent der beanstandeten Inhalte löschte, lag die Quote bei Twitter nur bei 35,9 Prozent. Jeuxvideo.com löschte sogar jeden der beanstandeten Beiträge.

Golem Karrierewelt
  1. Blender Grundkurs: virtueller Drei-Tage-Workshop
    06.-08.09.2022, Virtuell
  2. Deep-Dive Kubernetes – Observability, Monitoring & Alerting: virtueller Ein-Tages-Workshop
    22.09.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Die EU-Kommission hatte mit sozialen Netzwerken wie Facebook, Youtube oder Twitter im Mai 2016 einen freiwilligen Verhaltenskodex vereinbart. Während die Löschquoten bei der ersten Erhebung im Dezember 2016 noch deutlich niedriger waren, befinden sie sich seit 2017 auf einem recht hohen Niveau.

Dennoch versuchten Länder wie Deutschland mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) oder Frankreich mit einem Gesetz gegen Hass im Internet (Loi Avia), den Vorgaben an die Plattformen mit hohen Bußgeldern Nachdruck zu verleihen.

Französische Regelung gekippt

Doch der französische Verfassungsrat wies inzwischen Kernbestimmungen des im Mai 2020 beschlossenen Gesetzes zurück. Der Rat entschied am 18. Juni 2020, das Gesetz könnte Plattformen ermutigen, gemeldeten Inhalt zu entfernen, egal, ob dieser unerlaubt sei oder nicht. Dies würde das Recht auf Meinungsfreiheit verletzen. Der Verfassungsrat wies auch die Regelung zurück, wonach Plattformen innerhalb von einer Stunde nach Aufforderung durch staatliche Stellen einen Aufruf zu Terrorismus oder Kinderpornografie entfernen müssen.

Zwar billigte die EU-Kommission beide nationalstaatliche Regelungen, dennoch beklagt sie inzwischen offen eine "unkontrollierte Regulierungswut". Das sogenannte Digitale-Dienste-Gesetz (engl.: Digital Services Act) soll daher die Anforderungen an die Netzwerke europaweit vereinheitlichen.

Digitale-Dienste-Gesetz für Plattformen

Die Erfahrungen aus dem Verhaltenskodex sollten in die Entwicklung des neuen Digital-Gesetzes einfließen, teilte die EU-Kommission mit. "Die Kommission wird Möglichkeiten prüfen, um alle Plattformen, die von illegaler Hassrede betroffen sind, zur Einführung wirksamer Notice-and-action-Verfahren zu veranlassen." Bislang ist der Umgang mit illegalen Inhalten nach dem Prinzip "Notice-and-takedown" geregelt. Demnach müssen Plattformen hochgeladene Inhalte nicht von sich aus prüfen, sondern erst nach Hinweisen aktiv werden und illegale Inhalte entfernen. An diesem Prinzip will die EU-Kommission grundsätzlich festhalten.

Für die Diskussion möglicher Regelungen wurde Anfang Juni eine öffentliche Konsultation gestartet, die bis zum 8. September laufen soll.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Zockmock 24. Jun 2020

Um welchen Artikel handelte es sich denn?

flasherle 23. Jun 2020

aber das Löschen ist ungefähr wie Schiedsrichter in der Bundesliga. Bei gleichen...

Lemo 23. Jun 2020

Das ist eigentlich nicht neu, jeder Forenbetreiber hat die Pflicht bei eventuell...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Halbleiterfertigung
Keine modernen Belichtungsmaschinen mehr für China

Maschinen für EUV-Belichtung darf ASML bereits nicht mehr nach China exportieren, auch der Zugang zu älteren DUV-Anlagen soll gekappt werden.

Halbleiterfertigung: Keine modernen Belichtungsmaschinen mehr für China
Artikel
  1. Fake-Polizei-Anrufe: Bundesnetzagentur meldet starken Anstieg von Beschwerden
    Fake-Polizei-Anrufe
    Bundesnetzagentur meldet starken Anstieg von Beschwerden

    Seit März wachsen die Beschwerden stark an, weil Betrüger automatische Ansage von Polizei, BKA, Interpol oder Europol versenden. Dabei täuschen sie echte Telefonnummern vor.

  2. Games with Gold: Die Xbox-360-Neuauflagen sind alle
    Games with Gold
    Die Xbox-360-Neuauflagen sind alle

    Ab Oktober 2022 ist Schluss mit weiteren Xbox-360-Spielen in Spieleabos von Microsoft. Grund ist schlicht eine natürliche Grenze.

  3. Kryptowinter: Auch Bitcoin-Minern droht die Zahlungsunfähigkeit
    Kryptowinter
    Auch Bitcoin-Minern droht die Zahlungsunfähigkeit

    Nicht nur Bitcoin-Verleiher gehen in der Krise pleite. Auch professionelle Krypto-Mining-Unternehmen kämpfen um ihre Liquidität.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Red Friday: Mega-Rabatt-Aktion bei Media Markt • PS5 bestellbar • EVGA RTX 3090 günstig wie nie: 1.649€ • MindStar (MSI RTX 3060 429€, MSI 31,5“ WQHD 165Hz 369€) • Samsung QLED 85" günstig wie nie: 1.732,72€ • Alternate (Tower & CPU-Kühler) • Der beste 2.000€-Gaming-PC [Werbung]
    •  /