Abo
  • Services:
Anzeige
Frank Lachmann ernährt sich mit Pulver.
Frank Lachmann ernährt sich mit Pulver. (Bild: Winson)

Und was wird aus der Esskultur?

Worin liegt der Reiz, komplette, bis ins letzte Komma zu berechnende Kontrolle über die tägliche Nahrungszufuhr zu erhalten? Ein wichtiger Punkt ist die Zeitersparnis. Essen ist einfach kein Thema mehr, das im Alltag vorkommen muss. Lachmann formuliert das so: "Für die Pflicht ist gesorgt, der Rest ist Kür." Was er meint, ist die Trennung von Ernährung, die dem Überleben dient, und von Nahrung, die den Genuss befriedigt.

Anzeige

Was aber wird aus dem sozialen und dem emotionalen Aspekt von Essen, wenn wir es als Pulver-Shot betrachten - so beiläufig wie das Aufdrehen des Wasserhahns beim Händewaschen? Die Verabredung zum Essen ist in den meisten Kulturen ein soziales Ritual. Gemeinsames Essen kann Genuss, Lust und Glück bedeuten und Erinnerungen, die verbinden. Die Zubereitung oder das Essen selbst produziert mitunter Geschichten, die manchmal noch Jahre später unter Freunden und in der Familie erzählt werden.

Dazu kommt die schiere Freude an Geschmäckern und Texturen, die Essen bedeuten kann. Der Biss in einen knackigen Apfel, das Zermalmen würziger Kartoffelchips, das Auf-der-Zunge-Zergehen eines zarten Stücks Roastbeef, das zartschmelzende Vergnügen einer Kugel Vanilleeis auf einer Parkbank im Sommer.

Keine Gefahr, enttäuscht zu werden

Der Gedanke an Essen als Ernährung macht die ganze Welt des Genusses auf. Doch mit dieser Welt und der mit ihr verbundenen Chance auf das emotionale Hoch, das Essen bieten kann, geht auch das Risiko eines Tiefs einher. Essen, das nicht schmeckt. Essen, das dick macht. Essen, das uns schadet, weil nicht drin ist, was draufsteht. Tierische Produkte, die unter unwürdigen Bedingungen erzeugt wurden. Essen, das uns stresst, weil wir es mit Menschen teilen müssen, mit denen wir lieber nicht an einem Tisch säßen. Essen, das wir einkaufen müssen, in langen Schlangen stehend, und dessen schier endloses Angebot hierzulande uns tagtäglich Entscheidungen abzwingt.

Essen kann Stress und Kontrollverlust bedeuten und beides will Lachmann nicht haben. Dass er dafür auch die genussvollen Höhen wegtrimmt, nimmt er in Kauf.

"Ich war nie ein Hobbykoch", sagt er im Gespräch, das auf seinen Vorschlag hin in einer Weinbar in Berlin-Kreuzberg stattfindet. Hat er der Lebensmittelwelt außerhalb des weißen Pulvers doch nicht so ganz abgeschworen? Er wiegelt ab: "Es gibt oft dieses Missverständnis, dass Soylent ein Zwang sei. Ich kann noch essen oder einen Wein trinken. Der Punkt ist: Ich muss es nicht und das ist ein Vorteil."

Das Weihnachtsessen muss nicht ausfallen

Er zeigt sein Abendessen: ein paar Gramm Pulver in einer blauen Plastikflasche, die er später mit Wasser auffüllen wird. Ausgehen und den sozialen Aspekt des Essens habe er aber nicht aus seinem Leben gestrichen. Das Weihnachtsessen mit seinen Eltern finde beispielsweise noch immer statt. "Praktisch alle Menschen in meinem Umfeld, mit denen ich mehr zu tun habe, finden Soylent für sich eher doof, lassen mich aber mein Ding machen", sagt er.

Seine Familie fand seine neue Ernährung anfangs schräg, hat sich aber inzwischen daran gewöhnt. Lachmann will niemanden überzeugen, es ihm gleichzutun. "Ich missioniere nicht", sagt er immer wieder. Die Meinung mancher Soylent-Befürworter und des Begründers der Pulver-Bewegung Rhinehart teilt er nicht. Sie glauben, Soylent könne ein Mittel gegen den Welthunger sein und Umweltschäden reduzieren, weil es beispielsweise die CO2-Emissionen der Massentierhaltung überflüssig mache.

Lachmann ist vom Weltrettungsgedanken nicht beseelt. Ihm genügt, seinen eigenen Körper zum Experimentierfeld zu machen. Er weiß jeden Tag auf die Minute genau, wann er Hunger hat, wie er ihn stillt und wie lange beides dauert. 14 Uhr, 18 Uhr und 22 Uhr ist es so weit. Dann rührt er sich seine Pulvermischung an, die als Sieger aus seiner Excel-Tabelle hervorging - am Tag 380 Gramm. Seine Mischung ist ein Fertigprodukt aus den Niederlanden namens Joylent.

 Soylent-Flüssignahrung: Die Freiheit, nicht ans Essen zu denkenOpen-Source-Nahrung schmeckt nicht so gut 

eye home zur Startseite
gilowyn 04. Sep 2017

Auch Jahre später noch Reaktionen. :) Stonershake heißt inzwischen Lently und ist seit...

WolfgangS 14. Sep 2016

Ich hab das ganze jetzt mal getestet. Joylent - verschiedene Geschmacksrichtungen. 1...

urghss 24. Jun 2016

Wenn die Veganer die du kennst, solch ein aussehen haben, haben diese menschen ein...

Ultronkalaver 22. Jun 2016

Ich teste das Zeug seit einigen Wochen. Folgende Dinge sind sehr positiv: Es ist...

leed 21. Jun 2016

Klar, da gibt's noch ein paar gute Filme: Westworld, Futureworld, Logan's Run Oder auch...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
  2. Pei Tel Communications GmbH & Co. KG, Teltow
  3. Daimler AG, Germersheim
  4. OEDIV KG, Bielefeld


Anzeige
Top-Angebote
  1. 564,90€ statt 609,00€
  2. 99,90€ statt 149,90€
  3. und Destiny 2 gratis erhalten

Folgen Sie uns
       


  1. Windows 10

    Fall Creators Update macht Ryzen schneller

  2. Gesundheitskarte

    T-Systems will Konnektor bald ausliefern

  3. Galaxy Tab Active 2

    Samsungs neues Ruggedized-Tablet kommt mit S-Pen

  4. Jaxa

    Japanische Forscher finden riesige Höhle im Mond

  5. Deep Descent

    Aquanox lädt in Tiefsee-Beta

  6. Android-Apps

    Google belohnt Fehlersuche im Play Store

  7. Depublizierung

    7-Tage-Löschfrist für ARD und ZDF im Internet fällt weg

  8. Netzneutralität

    Telekom darf Auflagen zu Stream On länger prüfen

  9. Spielebranche

    Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Pro und X erwartet

  10. Thunderobot ST-Plus im Praxistest

    Da gehe ich doch lieber wieder draußen spielen!



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
ZFS ausprobiert: Ein Dateisystem fürs Rechenzentrum im privaten Einsatz
ZFS ausprobiert
Ein Dateisystem fürs Rechenzentrum im privaten Einsatz
  1. Librem 5 Purism zeigt Funktionsprototyp für freies Linux-Smartphone
  2. Pipewire Fedora bekommt neues Multimedia-Framework
  3. Linux-Desktops Gnome 3.26 räumt die Systemeinstellungen auf

Verschlüsselung: Niemand hat die Absicht, TLS zu knacken
Verschlüsselung
Niemand hat die Absicht, TLS zu knacken
  1. TLS-Zertifikate Zertifizierungsstellen müssen CAA-Records prüfen
  2. Apache-Lizenz 2.0 OpenSSL-Lizenzwechsel führt zu Code-Entfernungen
  3. Certificate Transparency Webanwendungen hacken, bevor sie installiert sind

Zotac Zbox PI225 im Test: Der Kreditkarten-Rechner
Zotac Zbox PI225 im Test
Der Kreditkarten-Rechner

  1. Re: Der naechste aufgekochte Zombie

    bernstein | 03:46

  2. Re: Das wird den privaten Medienkonzeren aber stinken

    mambokurt | 03:30

  3. Re: Ich will möglichst viele Quellen nutzen können!

    mambokurt | 03:25

  4. Re: Edge GUI extrem Langsam seit 1709

    Baertiger1980 | 03:19

  5. Re: Nur die Überschrift gelesen...

    Baertiger1980 | 03:14


  1. 22:38

  2. 18:00

  3. 17:47

  4. 16:54

  5. 16:10

  6. 15:50

  7. 15:05

  8. 14:37


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel