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Souveränität: AWS in Brandenburg ist keine grundlegende Änderung

AWS kündigt 7,8 Milliarden Euro Investitionen in Brandenburg an. Ein Fortschritt, aber noch kein Befreiungsschlag, sagt ein Experte.
/ Achim Sawall
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Launch der AWS European Sovereign Cloud (Bild: AWS)
Launch der AWS European Sovereign Cloud Bild: AWS

AWS passe sein Angebot an europäische Anforderungen an, ohne sein grundlegendes Governance- und Kontrollmodell grundlegend zu ändern. Das sagte Volker Pfirsching, Partner bei der Strategieberatung Arthur D. Little, auf Frage von Golem. "Kurz gesagt: ein starkes Signal, aber kein struktureller Systembruch."

Für die Einrichtung der europäischen Cloud plant AWS in Brandenburg Investitionen in Höhe von etwa 7,8 Milliarden Euro. In einem ersten Schritt wird sich AWS aber nur in bestehende Rechenzentren einmieten. Anschließend ist ein schrittweiser Aufbau eigener Rechenzentren in Brandenburg geplant – darunter eines südlich von Berlin und eines in Südbrandenburg.

Pfirsching sagte weiter: "AWS kann operative und technische Souveränität auf Infrastruktur- und Prozessebene anbieten – etwa durch europäische Rechenzentren, getrennte Betriebsmodelle, lokale Schlüsselverwaltung und EU-basiertes Personal. Juristische Souveränität im engeren Sinne kann AWS jedoch nicht garantieren, da das Unternehmen weiterhin US-Recht unterliegt." Für viele Unternehmen sei das aber schon ein Fortschritt, wenn auch noch kein Befreiungsschlag.

Jahrzehntelange Investitionen, enorme Skaleneffekte

Dass nichts an die Softwarequalität und Performance der US-Hyperscaler herankomme, will Pfirsching "so nicht sagen. Das liegt weniger an besserer Technologie, eher an historischer Struktur: Hyperscaler profitieren von jahrzehntelangen Investitionen, enormen Skaleneffekten, integrierten Plattform-Ökosystemen und einem globalen Talent- und Kapitalzugang."

Das spiegele sich perspektivisch in einer wertvollen Preismacht. Gerade gegenüber Amazon seien allerdings auch Vorbehalte nicht unbekannt – hier seien bis dato Player wie etwa Microsoft etwas weiter vorne, schlicht weil Amazon in so vielen Geschäftsbereichen aktiv sei und dort Konkurrenten habe. Bei Wachstumszahlen hätten die beiden Rivalen Microsoft und Alphabet auch deshalb in den vergangenenen Jahren aufgeholt.

Europa habe viele exzellente Einzeltechnologien, aber bislang noch kein vergleichbar integriertes, durchfinanziertes und global skaliertes Cloud-Ökosystem. "Hierzu sehen wir nun vielfältige Pflänzchen, auch hierzulande. Die aktuelle US-Außenpolitik ist da natürlich bester Dünger" , meinte Pfirsching.


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