Soundcam Go: Geräusche mit dem Smartphone sehen
Menschen sind schlecht darin, Schall zu orten. Auch Tieren gelingt das zumeist nur mit Tricks, entweder durch gezielte Ohrbewegungen oder die Nutzung deutlich höherer Frequenzen jenseits des menschlichen Hörvermögens.
Eine technische Lösung dafür hat bereits 2018 die Firma CAE Software & Systems(öffnet im neuen Fenster) entwickelt, die Golem damals besucht hat . Bei den Bemühungen, Schall zu visualisieren, kam ein nicht ganz preiswertes, mit 176 digitalen Mikrofonen bestücktes Gerät heraus, das professionelle Anwender vor allem bei der Suche nach Gaslecks unterstützt, aber auch sonst so gut wie jede Schallquelle finden kann.
Mobiler Schallsucher für die Smartphone-Kamera
Mit der Soundcam Go will der Hersteller seine Technik in Zukunft in geschrumpfter Form anbieten, als einfach zu bedienendes Zubehörteil zum Smartphone. Golem durfte sich das Vorserienmodell genauer anschauen und selbst auf Schallsuche gehen.
Das silberne Gerät, das bequem in jeden Handteller und damit auch an die meisten mittleren bis großen Smartphones passt, nutzt 72 Mikrofone. Sie erfassen ein Frequenzspektrum zwischen annähernd 0 und 100.000 Hertz (Hz).
Der Bereich jenseits von 20.000 Hz ist nicht mehr hörbar und liegt im Ultraschallbereich. Aber gerade hier gibt es laut Hersteller neben Netzteilen, die in dem Bereich aussenden, auch andere Quellen, vor allem Leckagen, die es sich zu orten lohnt.
Abstriche durch kompaktes Format
Dass das kleine Gerät tatsächlich die Richtung anzeigen kann, aus der die jeweilige Schallquelle sendet, liegt an der Synchronisierung der Mikrofone und der Ermittlung winziger Laufzeitunterschiede. Erst die große Anzahl an Empfängern macht eine verlässliche Ortung überhaupt möglich.
Mit hohen Frequenzen gelingt das deutlich besser als mit niedrigen. Jenseits des Hörbaren wird die Anzeige fast punktgenau; bis zu 10.000 Hz ist sie gut und bis etwa 4.000 Hz gerade noch möglich.
Größe begrenzt die Möglichkeiten
Warum das so ist, zeigt die Betrachtung der Wellenlänge. Schall bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 340 Metern pro Sekunde. Bei 4.000 Hz beträgt die Wellenlänge knapp 8 cm, was ziemlich genau dem Durchmesser der Soundcam entspricht. Darunter können die Laufzeitunterschiede im Grunde nicht mehr erfasst werden.
Die Schallwellen, die tatsächlich gerortet werden können, werden über dem angezeigten Kamerabild des Smartphones eingeblendet, wobei Farbe und Größe jeweils die Richtung und Lautstärke der Geräuschquelle sichtbar machen.
Mit der Einstellung des gemessenen Spektrums, der Sensitivität und dem Fokus lassen sich gezielt einzelne Frequenzbereiche ein- und andere ausblenden. Das erfordert vor allem ein wenig Geduld, Übung und ein paar leichte Ziele.
Suche nach Drohnen, Vögeln und versteckter Elektronik
Bleibt die Frage, was die kleine Soundcam Go kann und wofür genau man ihre Fähigkeiten einsetzen soll. Da hilft natürlich nur, sie unterwegs in der Stadt und im Wald direkt auszuprobieren.
Das verlief trotz des noch nicht komplett ausgereiften Vorseriengerätes überraschend reibungslos. Zwar müssen zunächst noch ein paar Angaben zur Position der Kamera auf dem Smartphone und deren Öffnungswinkel beantwortet werden, aber das soll durch eine wachsende Datenbank mit diesen Angaben zukünftig einfacher werden.
Zudem muss man sich trauen, mit dem Frequenzbereich herumzuspielen, um gezielter nach einer gewünschten Schallquelle zu suchen. Noch ist das Zusammenspiel zwischen Smartphone, Soundcam und App nicht ganz reibungslos.
Leuchtende Wände, raschelnde Blätter
Ein, zwei Neustarts waren unvermeidbar. Lief das System aber einmal, konnte tatsächlich losgelegt werden. Aber wonach soll man suchen, wenn die nervige Mücke gerade nicht zu Hause ist und man eher selten Lecks im nicht vorhandenen Druckluftsystem suchen muss?
Gar nicht nötig, denn von der LED-Deckenleuchte über den WLAN-Repeater bis zu einer Schallquelle, die als kurios bunten Flecken mitten auf der Wand angezeigt wird, deckt die Soundcam schnell ein paar spannende Fundstücke auf. Die Technik für die Stromwandlung summt munter im Ultraschallbereich, das wissen wir jetzt.
Auch ist interessant zu beobachten, wie das erfasste Spektrum deutlich an Leben gewinnt, sobald man an einer befahrenen Straße entlang läuft. Die Soundcam Go erfasst den Schall, der von den Reifen oder reflektiert von der Straße abgegeben wird. Interessant sind auch die Unterschiede, die zwischen verschiedenen Fahrzeugtypen in Form größerer oder kleiner Flecken auf dem Display gut sichtbar werden.
Noch deutlich spannender gestaltet sich der Ausflug in den Wald. Hier fällt es ohne technische Unterstützung schwerer, einzelne Geräusche gezielt anzuvisieren. Der Soundcam gelingt das wesentlich einfacher. Schon die zwischen Ästen herabfallenden Blätter erzeugen bunt aufleuchtende Punkte.
Richtig punkten kann die Technik, als ein gut hörbarer Vögel auftaucht, dessen Standort wir nur erraten hätten, und bestimmt nicht sehr gut. Auch das Dröhnen eines Passagierflugzeugs wird verlässlich in den Himmel gezeichnet.
Professionelle Anwender im Blick
Man könnte mit der Technik Insekten in einer Wiese orten, eine Drohne am Himmel sichtbar machen, dem Gesang von Vögeln eine Richtung zuordnen oder nach der Quelle von nervigen Störgeräuschen in der Wohnung suchen. Für den angedachten Preis von 1.500 Euro dürften solche Anwendungen aber eher nicht infrage kommen.
Wer dagegen undichte Stellen in Druckluft- oder Gasleitungen erfassen muss oder aus beruflichen Gründen störende Ultraschallsignale sucht, soll mit der Soundcam Go einen mobilen Helfer für eine Aufgabe erhalten, die zumindest menschliche Ohren nicht beherrschen. Die Ergebnisse sind zwar nicht ganz so präzise und das aufgenommene Spektrum ist nicht ganz so weit wie bei den großen Modellen, dafür liegt der Preis aber auch nicht im fünfstelligen Bereich.
Die Serienfertigung wird für April 2026 angestrebt. Am 27. Oktober 2025 startete zur Finanzierung der Produktion eine Kampagne auf Kickstarter(öffnet im neuen Fenster) . Im Zuge dessen werden die ersten 50 Modelle der kleinen Soundcam für knapp 700 statt 1.500 Euro angeboten.