Sony Xperia XZ Premium im Test: Taschenspiegel mit übertrieben gutem Display

Das Xperia XZ Premium ist Sonys neues Oberklasse-Smartphone und soll es mit Samsungs Galaxy S8 und dem G6 von LG aufnehmen. Es kommt später als die Konkurrenten auf den Markt, kann dadurch aber gleich auf Qualcomms neuen Spitzenprozessor setzen. Ein Jahr lang hatte sich Sony aus dem Wettkampf um das beste Oberklasse-Smartphone herausgehalten - das neue Modell ist quasi der Nachfolger des Xperia Z5 Premium, das Ende 2015 auf den Markt gekommen ist.

Sehr auffällig ist zunächst das stark spiegelnde Gehäuse. Dessen Rückseite reflektiert in der Variante mit silbernem Gehäuse fast wie ein normaler Spiegel. Damit ist das Sony-Smartphone unbestreitbar der perfekte mobile Schminkspiegel, kann andere aber auch stark blenden, wenn Licht darauf fällt.
Wir konnten uns an ein derart stark reflektierendes Gehäuse nicht so recht gewöhnen. Sony will damit wohl besonders edel wirken, das Gegenteil ist aber der Fall. Denn ein Spiegel sieht nur dann schön aus, solange er nicht berührt wird. Das ist auch hier der Fall: Sobald das Smartphone auch nur einmal in die Hand genommen wurde, ist die Rückseite mit Fingerabdrücken übersät und sieht schmuddelig aus.











Sonys Gehäusedesign wirkt altbacken
Im direkten Vergleich zur Konkurrenz von Samsung und LG wirkt das Gehäusedesign veraltet. Die Konkurrenz setzt auf möglichst schmale Geräte, das ist beim Xperia XZ Premium anders. Mit einer Breite von 77 mm ist es ähnlich groß wie andere 5,5-Zoll-Geräte, eine Einhandbedienung ist demnach eher mühsam. Der Abstand zwischen Display und Gehäuserand ist vergleichsweise groß. Oben und unten gibt es die üblichen Abstände zwischen Display und Gehäusekante.
Das Metallgehäuse ist hochwertig verarbeitet und nach IP65/68 gegen eindringendes Wasser geschützt. Sony selbst bewirbt den Spritzwasserschutz damit, dass es bei Regen sorgenfrei verwendet werden kann. Damit das möglich wird, befindet sich der Einschub von SIM- und Micro-SD-Karte hinter einer Gummilasche. Den bei vielen Herstellern üblichen Karten-Tray gibt es hier in etwas abgewandelter Form, die wir in der Handhabung etwas wackelig fanden.
Etwas irritierend ist, dass die oberen Kanten nicht ganz plan mit dem Rest des Gehäuses sind. Für ein Oberklassegerät ist das kein Aushängeschild, auch wenn es bei der Nutzung nicht weiter stört. Ganz anders ist es mit dem starken Rutschfaktor des Gehäuses. Liegt das Smartphone hochkant in der Hand, sorgt bereits die Schwerkraft dafür, dass es langsam nach unten rutscht und leicht aus der Hand fallen kann.
Display mit hoher Auflösung
Beim Display wird der Ansatz des Xperia Z5 Premium fortgeführt. Käufer erhalten ein 5,5 Zoll großes Display mit einer hohen Auflösung von 3.840 x 2.180 Pixeln - das ist deutlich mehr als bei den Topgeräten von Samsung und LG. Allerdings haben Nutzer in der Praxis davon kaum etwas. Das Bild ist zwar gestochen scharf, aber nur bei entsprechendem Bild- oder Videomaterial wird die hohe Auflösung voll ausgereizt, Apps müssen die hohe Auflösung direkt unterstützen.











Die meisten Apps stehen aber nur in Full-HD-Auflösung bereit, auch die Oberfläche des Betriebssystems nutzt die hohe Auflösung des Sony-Displays nicht aus. Und mit dem bloßen Auge fällt bei der geringen Displaygröße kaum ein Unterschied zwischen Full-HD und 4K-Wiedergabe auf. So hohe Auflösungen in Smartphone-Displays eignen sich für Virtual-Reality-Brillen - allerdings ist Sony in diesem Segment bislang nicht aktiv.
Auch die dazugekommene HDR-Unterstützung für das Display ist auf passende Inhalte angewiesen. Nur wenige Streaminganbieter unterstützen bisher HDR-Inhalte für mobile Geräte, so dass die Einsatzmöglichkeiten entsprechend begrenzt sind. Die von Sony beworbene hohe Displayauflösung und die HDR-Unterstützung bringen Käufern derzeit keine signifikanten Vorteile gegenüber anderen Topsmartphones.
Abseits davon hinterlässt das Display einen guten Eindruck. Es zeigt Inhalte farbenfroh an, das Display ist blickwinkelstabil, so dass Inhalte auch von der Seite noch gut erkennbar sind. Die minimale Helligkeitsstufe ist gut geeignet, um Inhalte bei totaler Dunkelheit gut lesen zu können. Bei strahlender Sonne sind Inhalte auf dem Display gut zu erkennen.
Bei der Kameratechnik nähert sich Sony der Konkurrenz an.
Kamera mit 4K-Aufnahme und Superzeitlupe
In der Vergangenheit konnten die Sony-Topsmartphones bei der Fotoqualität nicht mit den jeweils aktuellen Topgeräten der anderen Hersteller mithalten. Das will Sony mit dem Xperia XZ Premium endlich ändern. Dafür setzt der Hersteller auf eine 19-Megapixel-Kamera, die einen besonders schnell arbeitenden Hybrid-Autofokus hat, der eine Phasenerkennung, eine Kontrastmessung und Lasertechnik nutzt.











Bisher minderte ein vergleichsweise starker Aquarelleffekt die Bildqualität der Sony-Fotos deutlich. Ganz verschwunden ist der Effekt auch mit der neuen Kamera nicht, aber er wirkt nicht mehr so störend. Bei sehr starker Vergrößerung ist der Effekt bei einzelnen Objekten im Hintergrund noch immer deutlich sichtbar. Aber auch ohne Vergrößerung wirken die Sony-Fotos weniger scharf als die vom Galaxy S8 .
Die Detailzeichnung der Fotos ist zwar gut, kommt aber nicht an die Fähigkeiten der Galaxy-S8-Kamera heran. In Galaxy-S8-Fotos lassen sich im Hintergrund liegende Objekte noch gut und klar erkennen. Auf den Fotos des Xperia XZ Premium sind diese Objekte weniger gut zu erkennen.
Bei Fotoaufnahmen in dunkleren Umgebungen steigt der Rauschanteil an, das ist bei den Kameras in anderen Oberklasse-Smartphones ähnlich. Auch bei schlechteren Lichtbedingungen arbeitet der schnelle Autofokus zuverlässig. Die Farben und die Belichtung stimmen, dadurch wirken die Aufnahmen farbenfroh, ohne knallig zu sein. Die Kamera-App bietet viele Funktionen und ist dabei nicht überfrachtet, wir finden uns leicht darin zurecht.
Wie bei Sony üblich, gibt es einen dezidierten Kameraknopf. Die Kamera-App damit ist sehr schnell einsatzbereit, so dass Schnappschüsse möglich sind.
Die 4K-Aufnahmen sind gut versteckt
Wie auch beim Vorgängermodell kann die Kamera des Sony-Smartphones Videos in 4K-Auflösung aufzeichnen. Der Hersteller vermittelt aber den Eindruck, dass Sony nicht möchte, dass die Aufnahmefunktion verwendet wird: In den Optionen zur Bestimmung der Auflösung in der Kamera-App fehlt die Option. Sie ist stattdessen in einem Untermenü der App verborgen. Bei Aktivierung der 4K-Option öffnet sich eine spezielle Kamera-App für die Aufnahme von 4K-Material. Ein Direktaufruf dieser App ist nicht vorgesehen, es geht immer nur über die Kamera-App, denn im Android-Startbildschirm erscheint die App nicht. Der Zugriff auf die 4K-Aufnahme ist also denkbar kompliziert.











Mit der 4K-Aufnahme selbst sind wir zufrieden. Ohne Überhitzungsschwierigkeiten konnten wir 1,5 Stunden Video am Stück in 4K-Auflösung aufnehmen - das Video war dann rund 34 GByte groß. Wir haben die Aufnahme manuell beendet. Es bleibt also etwas rätselhaft, warum Sony die 4K-Aufnahme in seinem Smartphone so gut versteckt.
Die Superzeitlupe ist toll, hat aber Einschränkungen
Eine weitere Besonderheit ist eine spezielle Superzeitlupenfunktion. Dabei werden Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde versprochen. Der Kamerasensor hat einen entsprechend schnellen Speicher, um die Bilder direkt darin abzulegen. Die Ergebnisse der Superzeitlupe sind toll: Es gibt eine ruckelfreie Wiedergabe in langsamer Geschwindigkeit - zumindest in HD-Auflösung. Full-HD-Auflösung unterstützen die Zeitlupenfunktionen des Xperia XZ Premium generell nicht.
Allerdings ist es ziemlich mühsam, mit der Superzeitlupe den richtigen Moment zu erwischen - sprich den Auslöser im richtigen Augenblick zu drücken. Denn die Dauer der Zeitlupenaufnahme ist so kurz, dass leicht der richtige Zeitpunkt verpasst wird. Das schränkt den Nutzen der an sich guten Superzeitlupenfunktion wieder ein. Eine weitere Einschränkung: Für die Superzeitlupe sollten perfekte Lichtverhältnisse gelten, ansonsten steigt der Rauschanteil stark an.
Parallel zur Superzeitlupe gibt es noch eine Zeitlupe mit 120 Bildern pro Sekunde. Hierbei kann das Zeitfenster der Zeitlupe nachträglich festgelegt werden. Es ist also problemlos möglich, den richtigen Zeitpunkt für die Zeitlupe zu bestimmen. Die Ergebnisse kommen bei weitem nicht an die Superzeitlupe heran. Bei der normalen Zeitlupe fällt die verringerte Bildrate sofort auf: Sie ruckelt, es gibt keine ganz flüssige Wiedergabe.
Die Frontkamera ist eigentlich überflüssig
Auf der Displayseite gibt es eine 13-Megapixel-Kamera, die gute Selbstporträts macht. Die Kamera auf der Vorderseite ist aber eigentlich nur für Videotelefonate erforderlich. Aufgrund des stark spiegelnden Gehäuses lassen sich Selbstporträts problemlos auch mit der Hauptkamera schießen. Bei strahlendem Sonnenlicht ist die Rückseite sogar besser als der Blick aufs Display.
Der Snapdragon 835 katapultiert das Sony-Smartphone in die Spitzengruppe bei der Geschwindigkeit.
Prozessor mit hoher Geschwindigkeit
Im Xperia XZ Premium steckt Qualcomms aktueller Topprozessor, der Snapdragon 835 . Er hat acht Kryo-Kerne, die auf zwei Bereiche verteilt sind. Vier Kerne laufen mit bis zu 2,6 GHz, die vier anderen mit 1,9 GHz. Im Zusammenspiel mit 4 GByte Arbeitsspeicher reagiert das Smartphone immer flüssig und es treten keine lästigen Hänger auf. Auch anspruchsvolle Spiele bringen das Smartphone nicht aus dem Tritt.











Das unterstreichen auch die Benchmark-Ergebnisse. Im Geräte-Benchmark Geekbench 4.1 erreicht das Xperia XZ Premium einen Single-Wert von 1.895 Punkten und liegt damit leicht unter den 2.002 Punkten des Galaxy S8. Auch im Multi-Core-Test schneidet das Sony-Smartphone mit 6.368 Punkten etwas schlechter als das Samsung-Modell ab, das auf 6.711 Punkte kommt. Die Sony-Werte gehören zu den besten.
Im Grafik-Benchmark GFX Bench gibt es kaum Unterschiede zwischen den Sony- und Samsung-Modellen. Im Car-Chase-Test liegt der Offscreen-Wert für das Galaxy S8 bei 25 fps, beim Sony sind es 24 fps. Beides sind sehr gute Werte. Im Icestorm-Unlimited-Test des 3DMark übertrumpft Sony das Samsung-Smartphone: Statt der 28.389 Punkte des Galaxy S8 kommt das Xperia XZ Premium hier auf 40.477 Zähler - das gehört mit zu den Spitzenwerten.
Oberklasse-Ausstattung
Die übrigen Ausstattungsdetails sind auf Oberklasse-Niveau. Im Einschaltknopf an der rechten Gehäuseseite ist ein Fingerabdrucksensor integriert, der sehr schnell und zuverlässig reagiert. Der eingebaute Flash-Speicher ist 64 GByte groß, weitere Daten können auf einer Micro-SD-Karte mit bis zu 256 GByte abgelegt werden, der passende Steckplatz ist vorhanden. Das Smartphone unterstützt Gigabit-LTE, Bluetooth 5.0, hat einen GPS-Empfänger, einen NFC-Chip sowie einen USB-Type-C-Anschluss und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse.
Das Xperia XZ Premium steckt in einem 156 x 77 x 7,9 mm großen Gehäuse und wiegt 195 Gramm.
Nur durchschnittliche Akkulaufzeit
Die Akkulaufzeit ist nur Mittelmaß. Das Xperia XZ Premium erreicht mit dem fest verbauten 3.300-mAh-Akku ähnlich schlechte Werte wie das Vorgängermodell. Wir konnten ein Full-HD-Video gerade so 5 Stunden abspielen, dann war der Akku leer. Beim Vorgängermodell hielt er mit 5,5 Stunden nur etwas länger. Hier schneidet das Galaxy S8 deutlich besser ab, das mit 13 Stunden fast die dreifache Akkulaufzeit hat. Beim Abspielen eines 4K-Videos ist der Akku im Xperia XZ Premium bereits nach 4 Stunden leer.











Bei durchschnittlicher Nutzung hält der Akku des Sony-Smartphones einen Arbeitstag durch. Bei intensiver Nutzung und entsprechend lange eingeschaltetem Display kann es durchaus passieren, dass der Akku zwischendurch geladen werden muss. Bei moderater Nutzung sind zwei Tage Einsatzdauer möglich. Das Smartphone unterstützt Qualcomms aktuelle Schnellladetechnik; ein passendes Ladenetzteil lag unserem Testmuster allerdings leider nicht bei, im Karton war nur ein Netzteil ohne Schnellladefunktion. Bei dem hohen Preis für das Smartphone ist das etwas unverständlich.
Android 7.1 mit Sony-typischen Anpassungen
Das Xperia XZ Premium kommt mit Android 7.1.1 alias Nougat samt Google Assistant auf den Markt, auf denen Sonys eigene Oberfläche läuft. Diese reagiert im Test immer schnell und ruckelfrei. In Anbetracht des leistungsfähigen Prozessors ist das aber auch keine Überraschung. Wie bei Sony üblich müssen sich Kunden damit abfinden, dass das Smartphone mit einigen Sony-typischen Apps und weiteren Zusatz-Apps erscheint. Diese können nicht deinstalliert, sondern nur deaktiviert werden. Zum Testzeitpunkt war für das Smartphone nur das Sicherheitsupdate vom April 2017 vorhanden, ein neueres gab es nicht.
Außerdem gibt es einen Xperia-Assistenten, der Hinweise zur Benutzung des Smartphones gibt. Mit Hilfe sogenannter Xperia-Aktionen können bestimmte Einstellungen vorgenommen werden. Drei Szenarien gibt es, die vom Nutzer konfiguriert werden können. Einer ist für die Schlafenszeit gedacht, ein anderer bei der Arbeit und ein dritter bei Auslandsaufenthalten. Diese können abhängig vom Standort oder der Uhrzeit aktiviert werden und sind im Alltag durchaus praktisch.
Für Android-Updates gibt es eine Automatik. Diese werden automatisch zu einer vom Nutzer festgelegten Zeit installiert. Standardmäßig passiert das nachts um 3 Uhr. Wer sich vom Smartphone-Wecker aufwecken lässt, wird sich darüber nicht freuen, denn falls beim Update etwas schiefläuft, kann es passieren, dass der Wecker nicht ertönt und man verschläft.
Verfügbarkeit und Fazit
Sonys Xperia XZ Premium(öffnet im neuen Fenster) ist für 750 Euro erhältlich. Zum Vergleich: Samsungs Galaxy S8 gibt es im Handel bereits für unter 700 Euro.
Fazit
Ein Schminkspiegel getarnt als Smartphone - das muss man mögen, um sich mit dem Xperia XZ Premium anzufreunden. Sony kehrt damit zwar wieder in das Oberklasse-Segment zurück, kann aber nicht ganz mit der Konkurrenz mithalten. Das hochauflösende Display und die HDR-Unterstützung bringen derzeit in der Praxis kaum Vorteile. Die Einsatzmöglichkeiten sind zu stark beschränkt.
Bei der Kamera hat Sony zwar aufgeholt, muss sich aber bezüglich der Schärfeleistung weiterhin gegen die Oberklasse-Konkurrenz geschlagen geben. Der Aquarelleffekt macht sich zwar weniger stark bemerkbar als beim Vorgängermodell, sorgt aber im Direktvergleich weiterhin für weniger Detailzeichnungen in den Fotos. Das ist schade, denn die übrigen Kameraeigenschaften wie Belichtung und Autofokus sind prima.











Gut funktioniert auch die 4K-Aufnahme. Sonderbar ist, dass die von Sony so gut versteckt wird. Sehr gute Ergebnisse liefert auch die Superzeitlupe - mit einer sehr flüssigen Wiedergabe. Allerdings ist es sehr schwer, den richtigen Auslösezeitpunkt dafür zu finden. Nutzer können sich nicht darauf verlassen, im entscheidenden Moment damit aufnehmen zu können und somit ist die Funktion in der Praxis keine Hilfe.
In Sachen Geschwindigkeit liegt das Xperia XZ Premium dank Snapdragon 835 im Spitzenfeld; das Smartphone reagiert immer schnell und unmittelbar. Um so enttäuschender ist die bereits beim Vorgängermodell kritisierte kurze Akkulaufzeit, die es im Grunde unverändert auch beim neuen Modell gibt.
Wer auf der Suche nach einem aktuellen Oberklasse-Smartphone ist, erhält mit dem Galaxy S8 von Samsung das bessere Produkt zu einem geringeren Preis. Er bekommt eine bessere Kamera und eine deutlich längere Akkulaufzeit. Sony hat noch einiges vor sich, um mit den Oberklasse-Smartphones der Konkurrenz mithalten zu können.



