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Sony, Panasonic, JVC: Hightech-Unternehmen auf der Suche nach sich selbst

Ifa 2014
Videorekorder, Spielekonsolen und Handys: Geräte japanischer Tech-Firmen waren im 20. Jahrhundert populär. Heute entwickeln die Unternehmen vor allem eins: Pläne für eine Neuausrichtung.
/ Felix Lill
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Bild: Toru Hanai/Reuters

Wer in Europa an die großen japanischen Technikfirmen denkt, denkt an eine vergangene Zeit: Wie Toshiba das Videotelefon weiterentwickelte, JVC ab den 1970er Jahren den Videorekorder zum Erfolg machte. Später beherrschten Nintendo und Sega mit ihren Konsolen das Videospielgeschäft, Toshiba brachte mit dem T1100 den ersten Personal Computer als Laptop heraus. Und 1978 landete Sony mit seinem Walkman einen Hit. Neben Sony, Toshiba, Nintendo, Sega und JVC gab es Panasonic, Sharp, Mitsubishi, NEC, Nikon, Canon, Olympus, Fujitsu und etliche andere.

Doch immer weniger Fernseher in deutschen Wohnzimmern kommen von Sharp, Sony oder Panasonic. Eine Spielekonsole von Sega haben nur noch Nostalgiker und selbst Nintendo hat Markanteile verloren. Kamerahersteller wie Nikon, Canon und Olympus müssen sich auf Smartphone-Produzenten aus den USA, Südkorea, China und Taiwan einstellen. Ist die japanische Ära vorbei?

Abschauen, kopieren und optimieren

Groß wurden diese Unternehmen in den Boom-Jahrzehnten zwischen der Nachkriegszeit und den frühen 1990er Jahren, als Japan Jahr für Jahr ein hohes Wirtschaftswachstum verzeichnete. Eine Politik der Regierung, die heimische Betriebe vor ausländischer Konkurrenz schützte und diese teilweise ausnutzte, half anfangs dabei. Damit etwa US-amerikanische Unternehmen wie Texas Instruments oder IBM in den 1950er Jahren Zugang zum wachsenden japanischen Markt erhielten, handelten Japans Betriebe und das Wirtschaftsministerium die Bedingung aus, dass die US-amerikanischen Interessenten die Rezepte ihrer Innovationen an japanische Betriebe freigeben werden(öffnet im neuen Fenster). So konnten diese abschauen, kopieren und optimieren.

Und damit revolutionierten Japans Firmen jahrzehntelang die Konsumentenelektronik. Aber als Anfang der 1990er Jahre eine Spekulationsblase platzte, der Yen erheblich an Wert verlor und das Wachstum auf eine teilweise bis heute anhaltende Stagnation abbremste, büßten die Elektronikkonzerne ihre Plätze an der Weltspitze ein. Heute werden weniger Mobiltelefone(öffnet im neuen Fenster), Fernseher(öffnet im neuen Fenster), Videospiele(öffnet im neuen Fenster) und auch Kameras(öffnet im neuen Fenster) aus Japan verkauft und mehr aus Südkorea, den USA, China oder anderswo.

Trends zur Digitalisierung und zur Integration verschiedener Plattformen haben Betriebe anderer Länder besser gesetzt. Allein Samsung hatte schon 2009 einen Jahresgewinn, der höher war als jener der neun größten japanischen Elektronikkonzerne zusammen(öffnet im neuen Fenster). Zwischen 2000 und 2010 halbierte sich Japans globaler Marktanteil auf zehn Prozent(öffnet im neuen Fenster). Nur: Japans High-Tech-Branche ist deshalb nicht tot. In vielen Bereichen ist sie geschwächt und sucht nach neuen Geschäftsmodellen, aber anderswo hat sie sich schon transformiert.

Sony und seine Verluste

Die bekanntesten Beispiele für die Suche nach Neuausrichtung sind Sony und Nintendo. Sonys einst revolutionärer Walkman ging nach diversen Wiederbelebungsversuchen Ende 2010 aus dem Vertrieb. Im Frühjahr 2014 präsentierte die Geschäftsführung ihre Prognose, dass Sony zum sechsten Mal in sieben Jahren Verluste machen würde, sogar noch als Hoffnungssignal(öffnet im neuen Fenster): 135 Milliarden Yen (rund 973 Millionen Euro) würden schließlich in die Restrukturierung investiert, wobei unter anderem die PC- und Fernsehergeschäfte abgestoßen werden sollten. Ob Sony danach tatsächlich wieder Gewinne machen wird, ist ungewiss.

Nintendo denkt nach

Auch bei Nintendo ist die Zukunft ungewiss. Die jüngste Konsole Wii U verkauft sich so schlecht, dass im Februar entschieden wurde, dem Einzelhandel deutliche Preissenkungen zu empfehlen. Nintendo schreibt seit drei Jahren Verluste. Das liegt unter anderem daran, dass sich das Gaming auf Smartphones verlagert und Nintendo sich diesem Trend nicht einfach beugen will(öffnet im neuen Fenster). Aber Satoru Iwata, Chef des Unternehmens aus Kyoto, denkt mittlerweile über eine Zusammenlegung der Entwicklungsabteilungen für die Wii U und die tragbaren Konsolen nach. Auch die Entwicklung von Apps ist ein Thema(öffnet im neuen Fenster). Das Unternehmen hofft, bald wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Sega verabschiedet sich vom Konsolengeschäft

Der traditionelle Konkurrent Sega hat sein einstiges Geschäftsfeld dagegen längst verlassen. Als die Konsole Sega Dreamcast schwere Verluste einfuhr, zog sich das Unternehmen ab 2001 aus dem Konsolengeschäft zurück und beschloss, nur noch Software zu produzieren(öffnet im neuen Fenster). Seine Arcade-Hallen voller Spielautomaten, die vor allem in Tokio stehen, betreibt das Unternehmen weiterhin. Finanzielle Schwierigkeiten hat Sega seither vergleichsweise wenig(öffnet im neuen Fenster).

Wenn Konkurrenten zu Partnern werden

Andere Unternehmen versuchen einen Turnaround durch Deals mit asiatischen Konkurrenten, die man in Japan früher wohl als minderwertig angesehen hätte. Das gilt beispielsweise für NEC, einst einer der führenden Computerhersteller aus Japan. 70 Prozent seiner LCD-Panel-Produktion verkaufte das Unternehmen 2011 an den chinesischen Konkurrenten AVIC. Mit Lenovo, einem weiteren chinesischen Mitstreiter, ging NEC zudem ein Joint Venture für die Entwicklung von PCs ein(öffnet im neuen Fenster). Toshiba, das außer bei der Konsumentenelektronik und der Herstellung von Festplatten unter anderem auch im Geschäft mit Atomkraftwerken ein großer Akteur ist, hat in den vergangenen Jahren Teile seiner Chipherstellung an den Konkurrenten Samsung abgetreten: ein Eingeständnis, dass es seine führende Stellung eingebüßt hat, aber auch ein Schritt, um sich auf die profitableren Geschäftsbereiche zu konzentrieren, um dort auch in Zukunft Innovationen zu ermöglichen.

Sharp und Samsung

Sharp, einst stolzer Trikotsponsor des Fußballklubs Manchester United, ist ein weiteres Beispiel. Der Vorreiter bei LCD-Bildschirmen und Solarzellen, und Ende der 1990er Jahre der erste Hersteller kommerzieller Kamerahandys machte 2012, im Jahr des hundertjährigen Bestehens, mit 376 Milliarden Yen (heute rund 2,7 Milliarden Euro) die größten Verluste seiner Geschichte. Die Bildschirme verkauften sich nicht mehr gut, die Kreditwürdigkeit sank. Im vergangenen Jahr gab der koreanische Konkurrent Samsung bekannt(öffnet im neuen Fenster), dass er einspringen werde. Nun will Sharp mit neuem Kapital neue Akzente setzen. Bald soll ein 3D-TV-Konzept kommen, das ohne Brillen funktioniert und dem Fachpublikum schon vorgestellt wurde(öffnet im neuen Fenster).

JVCKenwood – Elektronik in Autos

Aber nicht überall wollen sich die Unternehmen gesundschrumpfen. Die alten Allianzen der japanischen Industrie, die schon mehrere Betriebe vor der Pleite bewahrt haben, halten auch heute noch. Um effizienter zu werden und sich nicht mehr wie früher in ähnlichen Bereichen in Forschung und Entwicklung zu duplizieren, haben etwa JVC und Kenwood fusioniert(öffnet im neuen Fenster). Seitdem spezialisieren sie sich als JVCKenwood auf Elektronik in Autos, diverse Radio- und Drahtloslösungen sowie CCTV. JVC, einst Pionier bei Videorekordern und in Konkurrenz zu Sharp Trikotsponsor von Arsenal London, hatte dafür auf seine Camcorder-Produktion verzichtet.

Sony, Toshiba, Hitachi

Ähnlich sieht es bei Sony, Toshiba und Hitachi aus, die 2012 ihre LCD-Bildschirmsparten zum Unternehmen Japan Display zusammenlegten(öffnet im neuen Fenster) und damit seither Weltmarktführer für die Ausstattung von Tablets und Smartphones sind. Hier steht nun eine Kooperation mit einem weiteren Japaner an – Panasonic. Der riesige Konzern aus Osaka will sich an der Entwicklung von OLED-Bildschirmen beteiligen(öffnet im neuen Fenster).

Panasonic und die Pflegeroboter

Panasonic wiederum kündigte nach dem Aufkauf des Konkurrenten Sanyo und einiger Patente von Pioneer im Jahr 2011 an, sich von seinem Fernsehgeschäft zu trennen. Nach und nach konzentriert sich der Betrieb auf neue Bereiche. Mit der Online-Plattform Myspace hat Panasonic die Funktion MyspaceTV gegründet, gleichzeitig investierte Panasonic in zahlreiche High-Tech-Unternehmen aus Asien. Auch in die Pflegerobotik ist das Unternehmen eingestiegen, erhielt dafür den Roboterpreis des japanischen Wirtschaftsministeriums, da Panasonic seine Erfahrung mit Industrierobotern auch für Dienstleistungen in Krankenhäusern verwendet.

So gibt es Hospi, einen Humanoiden, der in Lazaretten Pillen, Mittagessen und andere Dinge nicht nur austragen, sondern auch autonom verabreichen kann. Eines der neueren Produkte von Panasonic ist ein Krankenbett, das sich aus der Waagerechten in einen Rollstuhl verwandeln kann. Menschen, die nicht eigenständig aus der Liegeposition kommen, können sich so nicht nur hinsetzen, sondern auch herumfahren(öffnet im neuen Fenster).

Die Pflegerobotik ist überhaupt ein Geschäft, das für Japans Technikanführer viel Zukunftspotenzial hat. Der demographische Wandel zu einer älteren Gesellschaft ist nirgends so weit vorangeschritten wie in Japan, andere Industrienationen ziehen nach. Schlaue Lösungen für alte Konsumenten mit ausgereifter Technik könnten für jene Betriebe ein Rettungshalm sein, die heute die guten alten Zeiten als große Exporteure herbeisehnen.


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