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Sony Link Buds Clip im Vergleichstest: Enttäuschender Konkurrent für die vorzüglichen Freeclip 2

Sony steigt mit den Link Buds Clip in den Markt für Clip-Kopfhörer ein. Im Test waren wir nach Sonys langer Erfahrung bei Kopfhörern überrascht, was alles falsch gemacht wurde.
/ Ingo Pakalski
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Link Buds Clip im Test (Bild: Sony)
Link Buds Clip im Test Bild: Sony

Sony hat mit den Link Buds Clip die ersten eigenen Clip-Kopfhörer in Open-Ear-Bauweise vorgestellt. Wir haben die Neuvorstellung gegen die in dieser Woche neu erschienenen Freeclip 2 von Huawei antreten lassen, die uns im Test besonders gefallen haben. Mit den weiterhin sehr guten Freeclip der ersten Generation hat Huawei dieses Marktsegment vor mehr als zwei Jahren etabliert.

Der Markt für Open-Ear-Produkte ist für Sony nicht neu: Vor rund einem Jahr stellte der japanische Hersteller mit den enttäuschenden Link Buds Open bereits einen Open-Ear-Kopfhörer vor, noch ohne Clip-Mechanik.

Die Link Buds Clip nutzen die typische Konstruktion aktueller Clip-Kopfhörer, die an das Ohr geklemmt werden. Es gibt die drei Elemente Klangball, Steg und Bohne. Der Klangball sitzt vor dem Ohr, der Steg umschließt die Helix des Ohrs und die Bohne befindet sich auf der Rückseite der Helix. Damit sind Trageprobleme für Brillenträger ausgeschlossen – im Unterschied zu anderen Open-Ear-Kopfhörern mit Bügelkonstruktion.

Link Buds Clip sitzen schlechter als Freeclip 2

Während sich Huawei für einen runden, dünnen Steg entschieden hat, ist die Sony-Ausführung wie ein Band gestaltet. Der Unterschied fällt schon beim ersten Tragen auf. Während ich beide Freeclip-Modelle nach dem Aufsetzen kaum spüre, merke ich die Link Buds Clip deutlich. Die Freeclip sitzen so bequem, dass ich bald vergesse, dass ich sie überhaupt trage.

Das gelingt den Links Buds Clip nicht, im Gegenteil: Nach rund fünf Stunden wurde es am rechten Ohr unangenehm, es war eine Erleichterung, die Sony-Kopfhörer abzunehmen. Hier kann das Gefühl je nach Ohrform aber auch anders ausfallen.

Eine besonders angenehme Eigenschaft der Freeclip ist die Ohrseitenerkennung: Dadurch kann jeder Clip wahlweise am linken oder rechten Ohr getragen werden. Die korrekte Seite wird automatisch erkannt und der Audiokanal entsprechend geschaltet. Bei Sony gibt es diesen Komfort nicht, die Link Buds Clip müssen an die vorgeschriebene Ohrseite geklemmt werden.

Sony enttäuscht mit dumpfem Klang

Sony verspricht für die Link Buds Clip, dass Kunden damit "keine Kompromisse bei der Audioqualität" eingehen müssten. Davon ist das Sony-Produkt jedoch meilenweit entfernt.

Bauartbedingt erreichen Open-Ear-Produkte keine so gute Klangqualität wie klassische Hörstöpsel, denn die Klangeinheit sitzt nie im Ohr, sondern davor. Dennoch schaffen es die Freeclip-Modelle, dass die Musik gut klingt: dynamisch, voluminös, räumlich und klar.

Im Vergleich dazu sind die Link Buds Clip eine Enttäuschung: Der Klang ist dumpf und belegt, damit Musik zu hören, macht weniger Spaß. Wie bei vielen anderen Open-Ear-Produkten reicht die Klangqualität des Sony-Produkts lediglich für eine Hintergrundberieselung.

Für die Link Buds Clip wurden spezielle Hörmodi entwickelt, um die typischen Probleme von Open-Ear-Produkten anzugehen. Die Idee ist gut, die Umsetzung misslungen.

Link Buds Clip mit nutzlosen Hörmodi

Open-Ear-Produkte haben im Vergleich zu klassischen Hörstöpseln zwei Nachteile: In lauter Umgebung muss die Lautstärke erhöht werden, um weiterhin alles verstehen zu können, vor allem bei Telefonaten, Hörbüchern oder Podcasts. Außerdem ist Musik für andere Personen in der Umgebung zu hören, falls sie entsprechend eingestellt ist.

Huawei löst diese Probleme wirksam mit einer automatischen Lautstärkeregelung. Mitunter ist sie etwas zu langsam, aber ansonsten ein großer Komfortsprung. Die Link Buds Clip sollen ebenfalls zu einem späteren Zeitpunkt einmal eine automatische Lautstärkeregelung erhalten, sagte Sony Golem auf Nachfrage. Testen konnten wir das noch nicht und der Hersteller nennt kein Datum, wann diese Fähigkeit kommen wird.

Sony setzt erst einmal auf eine andere Lösung: spezielle Hörmodi, die manuell gewechselt werden. Es gibt eine Dialogverstärkung, um Gesprochenes auf Knopfdruck auch in lauten Umgebungen gut verstehen zu können, ohne die Lautstärke ändern zu müssen. Einen weiteren Modus nennt Sony Reduzierung Klangverluste: Damit soll verhindert werden, dass andere Personen die eigene Musik hören.

Darum sind die Hörmodi eine Zumutung

Die Dialogverstärkung funktioniert bei Hörbüchern und Podcasts sehr gut, ist allerdings für Musik ungeeignet. Denn der Modus verändert den Frequenzbereich so stark, dass sich die Klangqualität nochmals spürbar verschlechtert und alles noch dumpfer klingt. Das gleiche gilt für den Modus Reduzierung Klangverluste. Damit will ich keine Musik hören, der Modus ist nutzlos für mich. Die Lautstärke wird außerdem nur so wenig reduziert, dass andere nach wie vor mithören können.

Das allein wäre schon schlimm genug, darüber hinaus hat Sony auch bei der Steuerung der Modi alles falsch gemacht. Wenn ich für ein Hörbuch die Dialogverstärkung aktiviert habe und sie am Clip abschalten will, muss ich zunächst in den dritten Modus wechseln, um den Standardmodus zu erreichen. Es gibt keine Möglichkeit, direkt zwischen zwei Modi zu wechseln.

In einem Werbevideo präsentiert Sony die Funktion so, dass die Dialogverstärkung direkt ein- und wieder ausgeschaltet werden kann. Soll heißen: Dem Hersteller ist bewusst, dass Kunden es so erwarten, liefert es aber nicht so.

Ansagen beim Moduswechsel übertönen Hörbücher und Podcasts

Zu allem Überfluss gibt es bei jedem Moduswechsel Ansagen innerhalb der Clip-Kopfhörer, die sich nicht abschalten lassen. Das ist an sich schon lästig, hinzu kommt, dass die Wiedergabe während der Ansagen leiser gestellt wird. Wenn dann in einem Podcast die Dialogverstärkung benötigt wird, ist das Gesprochene bei der Umschaltung nicht zu verstehen.

Also lasse ich in Situationen, in denen ich die Dialogverstärkung brauchen kann, tunlichst die Finger davon, weil ich während des Moduswechsels nichts verstehe. Ich müsste sonst konsequent daran denken, den Podcast immer erst anzuhalten, bevor ich den Modus ändere – das ist unkomfortabel.

Die Dialogverstärkung könnte auch in Telefonaten eine Hilfe sein, wird allerdings von Sony verhindert. Denn in Telefonaten sind alle Modiwechsel gesperrt. Es wird immer der Standardmodus aktiviert, egal, was vor dem Anruf eingestellt wurde.

Noch mal zum Vergleich: Die Lautstärkeanpassung bei den Freeclip 2 funktioniert auch bei Telefonaten, bei Musik wird die Klangqualität nicht verschlechtert. So spielt diese Komfortfunktion ihr Potenzial voll aus.

Bei all dem Ärger mit den Modi ist es fast eine Randnotiz, dass der Equalizer nur im Standardmodus verwendet werden kann und in den anderen abgeschaltet wird.

Sprachqualität in Telefonaten in lauterer Umgebung nur Durchschnitt

In ruhiger Umgebung liefern die Link Buds Clip eine gute Sprachqualität, wir sind mühelos zu verstehen. Wenn ich an einer Straße entlanglaufe, sind vorbeifahrende Autos zwar nicht zu hören, doch die Gegenseite hört mich dumpfer und zum Teil abgehakt. Bei viel Autoverkehr bin ich unter Umständen gar nicht mehr zu verstehen oder das Zuhören wird anstrengend für den Gesprächspartner. Immerhin werden Windgeräusche für die Gegenseite unterdrückt.

Beim Schreiben auf einer lauteren Tastatur sind die Anschläge immer wieder mal kurz zu hören, während ich selbst dumpf klinge. Die Link Buds Clip können zwar auch Geschirrgeklapper oder einen aktiven Wasserhahn leiser machen, das verschlechtert aber die Sprachqualität.

Verglichen mit den sehr guten Ergebnissen der Freeclip 2 fällt Sony weit zurück. Huawei gelingt es besser, allen Hintergrundkrach herauszufiltern und dafür zu sorgen, dass man immer einwandfrei verstanden wird.

Ach ja: Eine Mikrofonsteuerung gibt es an den Link Buds Clip nicht. Immerhin gilt dieser Nachteil auch für beide Freeclip-Modelle – obwohl beide Hersteller betonen, wie gut sich mit den Clip-Kopfhörern telefonieren lässt.

Die Link Buds Clip haben eine Abschaltautomatik, die ebenfalls vor allem rund um Telefonfunktionen unpraktisch ist.

Absurde Abschaltautomatik der Link Buds Clip nervt

Die Link Buds Clip schalten sich nach 15 Minuten ohne aktive Bluetooth-Verbindung ab. Das kann zu Problemen führen, etwa wenn das Smartphone die Bluetooth-Verbindung zu den Sony-Clips verliert und sich nicht wieder verbindet. Dann schalten sich die Link Buds Clip aus.

Das ist nervig, wenn erwartet wird, dass Anrufe über die Link Buds Clip angenommen werden können, sie sich jedoch längst abgeschaltet haben. Es gibt keine Option, das zu verhindern.

Die Steuerung der Link Buds Clip funktioniert prinzipiell gut, aber durch eine Entscheidung Sonys eingeschränkt. Zur Steuerung hat der Steg einen Sensorbereich, der auch mit Handschuhen genutzt werden kann. Zudem hat Sony dem Clip-Modell eine Lautstärkeregelung gegönnt, die übrige Steuerung ist dennoch eingeschränkt.

Künstlich eingeschränkte Steuerung

In der Kopfhörer-App lassen sich Sony-typisch nur Funktionsgruppen ändern. Sony belegt sie so unsinnig, dass das zu Einschränkungen führt. In der Standardbelegung können wir keinen Titelsprung am Clip-Kopfhörer vornehmen. Wenn wir das wollen, müssen wir auf den Moduswechsel verzichten, obwohl in der Funktionsgruppe Moduswechsel eine Geste nicht belegt ist und somit für einen Titelsprung genutzt werden könnte.

Auch in einer rein technischen Funktion unterliegt Sony der Huawei-Konkurrenz: Die Link Buds Clip sind mittels IPX4 lediglich gegen Spritzwasser geschützt, während das für die Freeclip 2 nach IP57 auch gegen Staub und ein Eintauchen in Wasser gilt.

Die Link Buds Clip verwenden noch Bluetooth 5.3, die Freeclip 2 sind bereits mit Bluetooth 6.0 versehen. Zu den unterstützten Bluetooth-Codecs gehören SBC und AAC. Es ist sehr unschön für ein modernes Bluetooth-Produkt, dass Auracast nicht unterstützt wird. Unverändert gibt es Bluetooth-Multipoint, um die Clip-Kopfhörer an bis zu zwei Geräten parallel zu nutzen. Wir können also nahtlos zwischen den Geräten wechseln und beispielsweise beim Schauen eines Videos auf dem Tablet einen Anruf am Smartphone annehmen.

Die Bluetooth-Multipoint-Anbindung bei Sony ist schlechter als bei Huawei. Die Freeclip 2 verbinden sich mühelos auch während eines Telefonats mit einem zweiten Gerät. Bei den Link Buds Clip muss das Gespräch erst beendet werden, um eine zweite Verbindung aufzubauen.

Während Sony sonst bei Kopfhörerprodukten oft mit Komfortfunktionen glänzt, ist es bei den Link Buds Clip das Gegenteil. Da fehlen nicht nur Komfortfunktionen, die die Konkurrenz bietet, es wurden sogar Elemente gestrichen, die es bei Sonys Link Buds Open noch gab.

Der Link Buds Clip hat kein Speak-to-Chat und keine Hintergrundmusikeffekte. Letzteres soll nachgereicht werden. Wer aber jetzt die Link Buds Clip kauft, muss mindestens zwei Monate warten, falls der Termin im März 2026 eingehalten wird. Auch eine Ohrerkennung für die Musiksteuerung hat Sony gestrichen, während andere Sony-Produkte das durchaus haben – die Freeclip 2 etwa, wenngleich eingeschränkt.

Den praktischen Fallsensor der Freebuds 2 gibt es beim Sony-Produkt nicht. Gehässig könnte man sagen: Den braucht das Sony-Produkt nicht, weil man ohnehin nie vergisst, dass sich der Link Buds Clip am Ohr befindet. Falls der Sony-Clip an anderen Ohren angenehmer sitzt, tritt das Problem aber wieder auf.

Sony-App minimal verbessert

Sony hat die Oberfläche der Sound-Connect-App für Android und iOS erneut angepasst, so dass sie wieder übersichtlicher geworden ist. Die Sony-App ist schnell gestartet und benötigt weder eine GPS-Aktivierung noch ein Nutzerkonto. Wir können Updates bei Bedarf manuell einspielen und einiges am Kopfhörer konfigurieren.

Die App zeigt den Ladestand der Kopfhörerakkus in Einerschritten an, das ist angenehm. Beim Ladeetui wird der Ladestand hingegen nur mit einer Genauigkeit von Zehnerschritten angezeigt.

Link Buds Clip mit langer Akkulaufzeit

Für die Link Buds Clip wird eine Akkulaufzeit bis zu neun Stunden genannt – so viel wie bei der Huawei-Konkurrenz. Nach drei Minuten Ladezeit sollen sie rund eine Stunde durchhalten. Das Ladeetui hat so große Reserven, dass wir die Kopfhörerakkus rund dreieinhalbmal aufladen können und eine Gesamtakkulaufzeit von 37 Stunden erreichen. Das ist ein ordentlicher Wert.

In Anbetracht der langen Akkulaufzeit von neun Stunden ist es verwunderlich, dass Sony den Link Buds Clip die nicht deaktivierbare Abschaltautomatik verpasst hat, die zu Problemen bei der Nutzung führen kann.

Das Ladeetui hat eine USB-C-Buchse, unterstützt allerdings im Unterschied zu den Freeclip 2 kein drahtloses Laden. Ein Ladekabel wird nicht mitgeliefert. Das Etui hat zwar eine angenehme Größe, ist aber vergleichsweise dich. Das Entnehmen und Ablegen der Clip-Kopfhörer gelingt gut.

Sony Link Buds Clip im Test: Verfügbarkeit und Fazit

Sony verkauft die Link Buds Clip(öffnet im neuen Fenster) zum Preis von 200 Euro. Zur Wahl stehen die Farben Schwarz, Grün, Lavendel und Greige, einer Mischung aus Grau und Beige.

Zum Vergleich: Die deutlich besseren Freeclip 2 von Huawei gibt es aktuell für 180 Euro, weil der Hersteller einen Rabatt von 20 Euro auf den Listenpreis von 200 gewährt. Die ebenfalls sehr guten Freeclip der ersten Generation kosten regulär 170 Euro, im Handel gibt es sie auch für rund 130 Euro.

Fazit

Die Link Buds Clip sind Sonys erste Clip-Kopfhörer im Open-Ear-Design und eine Enttäuschung auf ganzer Linie. Huaweis ebenso teuren Freeclip 2 sind die Link Buds Clip deutlich unterlegen. Das Sony-Produkt erreicht nicht das Nicht-mehr-spüren-Gefühl anderer Clip-Kopfhörer, klingt schlecht, hat eine schwache Sprachqualität bei Anrufen und nervt mit einer unzureichenden Steuerung.

Sonys Idee der Hörmodi ist ein guter Ansatz, hätte aber kaum schlechter umgesetzt werden können. Es nervt alles daran. Wer sich dennoch für die Link Buds Clip entscheidet, muss auf eine Ohrseitenerkennung, einen Fallsensor und die Lautstärkeregelung der Freeclip 2 verzichten. Nicht nur diese Merkmale machen die Freeclip 2 derzeit zu einem der besten Clip-Kopfhörer am Markt.

Ingo Pakalski hat seit knapp acht Jahren schon viele Dutzend Kopfhörer pro Jahr für Golem.de getestet – ob In-Ears, Over-Ears oder Open-Ears. Nur selten stößt er auf Geräte, die er guten Gewissens empfehlen kann.


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