Sony-Kopfhörer WH-1000XM3 im Test: Eine Oase der Stille oder des puren Musikgenusses

Wir haben die dritte Generation von Sonys Top-ANC-Kopfhörer getestet - vor allem bei der Geräuschreduktion hat sich einiges getan. Wer in lautem Getümmel seine Ruhe haben will, greift zum WH-1000XM3. Alle Nachteile der Vorgängermodelle hat Sony aber nicht behoben.

Ein Test von veröffentlicht am
Sonys neuer ANC-Kopfhörer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Der MDR-1000X hat als Sonys erster Top-ANC-Kopfhörer in unserem Test vor zwei Jahren bereits sehr gut abgeschnitten. Im Bereich Geräuschunterdrückung war der Sony-Kopfhörer seinerzeit führend und auch an der Klangqualität gab es nichts auszusetzen. Bei der Nutzung war nicht alles so fantastisch. Umso gespannter waren wir, ob Sony die Kritik daran aufgegriffen hat.

Inhalt:
  1. Sony-Kopfhörer WH-1000XM3 im Test: Eine Oase der Stille oder des puren Musikgenusses
  2. Großes Touch-Bedienungsfeld
  3. Lange Akkulaufzeit und stabile Bluetooth-Verbindung
  4. Verfügbarkeit und Fazit

Sonys ANC-Kopfhörer-Historie ist etwas verwirrend. ANC steht dabei für Active Noise Cancelling, also der Unterdrückung von Außengeräuschen. Das erste Modell war der MDR-1000X, aber nur die 1000X haben es in die Produktbezeichnungen der späteren Modelle geschafft. Das zweite Modell nennt sich WH-1000XM2. Immerhin wurde die Nomenklatur beim neuen Modell beibehalten, der WH-1000XM3 ist Sonys aktuelles Topmodell bei ANC-Kopfhörern.

  • Links Sonys WH-1000XM2, rechts Sonys neuer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links Sonys WH-1000XM2, rechts Sonys neuer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links die verschlossene Transporttasche vom WH-1000XM2, rechts die vom neuen WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Anders als in der Transporttasche des WH-1000XM2 gibt es in der Transporttasche des WH-1000XM3 passende Fächer für das mitgelieferte Zubehör. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der linken Ohrmuschel des WH-1000XM3 befinden sich die Klinkenbuchse sowie die Tasten zum Ein/Ausschalten und für die Umschaltung des ANC. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der rechten Ohrmuschel des WH-1000XM3 befindet sich die USB-Type-C-Buchse zum Laden des eingebauten Akkus. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys Headphones-App für den WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Verschiedene Klangparameter können in der Headphones-App verändert werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der Headphones-App können wir einstellen, ob der Kopfhörer sich automatisch abschaltet. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der Headphones-App gibt es Feineinstellungen für die Justage der ANC-Funktion. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Links Sonys WH-1000XM2, rechts Sonys neuer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Der WH-1000XM3 unterstützt Bluetooth 4.2 und kann drahtlos mit Smartphones, Tablets oder Notebooks verbunden werden. Parallel dazu kann der Kopfhörer mit Kabel verwendet werden, ein passender Adapter für Flugzeuge ist dabei, um es mit den dortigen Entertainment-Systemen verwenden zu können. Die Nutzung ohne Kabel verschafft mehr Bewegungsfreiheit, so dass wir wohl nur im Flugzeug zum Kabel greifen würden. Denn die Nutzung per Kabel bringt Komforteinbußen mit sich.

Verbesserte ANC-Fähigkeiten

Das Besondere des neuen Sony-Kopfhörers ist zweifelsohne die ANC-Funktion. ANC steht für Active Noise Cancellation, also einer aktiven Geräuschunterdrückung. Der Kopfhörer analysiert mit Hilfe von Mikrofonen die Geräuschkulisse und spielt passend dazu einen Gegenschall ab, so dass die Geräusche im Idealfall komplett verschwinden. Systembedingt arbeiten ANC-Systeme vor allem bei niedrigen Frequenzen besonders gut, etwa beim Brummen in einem Flugzeug, wo die Technik zuerst eingesetzt wurde.

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Auch die Fahrgeräusche in Zügen, Autos oder Bussen werden damit erheblich verringert, gleichfalls lässt sich damit die Belästigung von Baulärm von draußen minimieren. Typische Bürogeräusche wie Telefonklingeln, Gespräche und Tastaturlärm werden prinzipbedingt weniger gut gefiltert. Wenn wir dabei Musik hören, ist von den genannten Hintergrundgeräuschen nichts mehr zu hören. Das alles ist auch beim neuen Sony-Kopfhörer so, aber im Vergleich zum sehr guten Vorgängermodell hat sich doch eine Menge verbessert.

Prinzipiell kann die ANC-Funktion auch ganz ohne Musikzuspielung verwendet werden - dann erzeugt der Kopfhörer Stille, so gut es geht. Beim WH-1000XM2 funktioniert das weniger gut, weil bei diesem dann ein ständiges Rauschen zu hören ist, sofern wir uns in einer vergleichsweise ruhigen Büroumgebung befinden. Das Rauschen nervt schnell und wir setzen uns dann doch lieber der Büro-Geräuschkulisse aus. Sobald der Außengeräuschpegel steigt, nehmen wir das Rauschen nicht mehr als störend wahr.

Sony hat das Grundrauschen beim WH-1000XM3 eliminiert

Beim Rauschverhalten schneidet der neue WH-1000XM3 deutlich besser ab: Sony hat es geschafft, das Rauschen so stark zu verringern, dass wir es auch in Büroumgebungen nicht mehr als störend wahrnehmen - ganz im Gegenteil: Die dann erzeugte Stille unter dem Kopfhörer ist gewöhnungsbedürftig und wir müssen erst mal lernen, diese auszuhalten. Dabei filtert das neue Modell typische Bürogeräusche ebenfalls so stark heraus, dass diese deutlich gedämpfter und damit weniger störend sind. Stimmen werden entweder komplett stummgeschaltet oder auf ein entferntes Gemurmel reduziert und lenken nicht mehr ab. Es ist damit das ideale Gerät für Arbeiten ohne Ablenkungen - etwa in Großraumbüros.

Erfreulicherweise hat Sony dem neuen Modell die Möglichkeit gegeben, mit aktiviertem ANC eingeschaltet zu bleiben, auch wenn keine Bluetooth-Verbindung besteht. Ansonsten kann eine Ausschaltzeit von 5 Minuten, 30 Minuten, 1 Stunde oder 3 Stunden bestimmt werden.

Beim Vorgängermodell ist ein 5-Minuten-Zeitfenster vorgegeben. Nur mit einem Kniff lässt sich dieses Verhalten umgehen: Sobald ein Kopfhörerstecker in der entsprechenden Buchse steckt, schaltet sich der Kopfhörer nicht mehr ab - dafür genügt ein Steckerendstück. Beim WH-1000XM3 könnte damit die Bluetooth-Technik abgeschaltet werden. Allerdings sieht es natürlich etwas sonderbar aus, wenn immer etwas aus der Buchse herausschaut, daher ist es eher eine Notlösung. Es ist schade, dass Sony bisher die Änderung der Abschaltzeit nicht als Firmware-Update für das alte Modell bereitgestellt hat.

  • Links Sonys WH-1000XM2, rechts Sonys neuer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links Sonys WH-1000XM2, rechts Sonys neuer WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Links die verschlossene Transporttasche vom WH-1000XM2, rechts die vom neuen WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Anders als in der Transporttasche des WH-1000XM2 gibt es in der Transporttasche des WH-1000XM3 passende Fächer für das mitgelieferte Zubehör. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der linken Ohrmuschel des WH-1000XM3 befinden sich die Klinkenbuchse sowie die Tasten zum Ein/Ausschalten und für die Umschaltung des ANC. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der rechten Ohrmuschel des WH-1000XM3 befindet sich die USB-Type-C-Buchse zum Laden des eingebauten Akkus. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sonys Headphones-App für den WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Verschiedene Klangparameter können in der Headphones-App verändert werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der Headphones-App können wir einstellen, ob der Kopfhörer sich automatisch abschaltet. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In der Headphones-App gibt es Feineinstellungen für die Justage der ANC-Funktion. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Sonys WH-1000XM3 (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Aber auch etwa in der S-Bahn kann der ANC des WH-1000XM3 überzeugen. Die Fahrgeräusche sind so stark gedämpft, dass sie kaum noch wahrnehmbar sind, wenn wir keine Musik hören. Schalten wir dann Musik an, ist davon nichts mehr zu hören und wir können uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Dabei werden die Ohren geschont, weil die Musik nicht unnötig laut gestellt werden muss, um die Hintergrundgeräusche zu übertönen. Der ANC filtert sie weg.

Ausgewogenes und dynamisches Klangbild

Bei all dem überzeugt der neue Sony-Kopfhörer - wie auch die Vorgängermodelle - mit einer sehr guten Klangqualität und einem homogenen, ausgewogenen Klangbild. Im Unterschied zum Vorgängermodell wurde der kräftige Bass noch einmal etwas intensiviert, ohne dass dieser die anderen Klangbereiche überdeckt oder zu aufdringlich ist. Die Höhen sind klar und deutlich erkennbar, so dass Gesang gut zu verstehen ist. Das Ganze wird durch einen intensiven Mittenbereich ergänzt - der Klang ist voll, voluminös und dynamisch. Dabei verändert eine Abschaltung des ANC das Klangbild nicht. Das Klangbild des WH1000-XM3 gefällt uns etwas besser als beim Vorgängermodell, das im Bassbereich minimal schwachbrüstiger ist.

Auch das neue Modell ist ziemlich windempfindlich. In die Musik mischt sich das Pfeifen des Windes, das von den Mikrofonen in den Kopfhörer gelangt, die zur Messung der Außengeräusche verwendet werden. Wir können der Musik zwar weiterhin lauschen, aber - wenn es windig ist - mit entsprechenden Nebengeräuschen.

In der App für den Kopfhörer gibt es einen etwas versteckten Modus zur Windreduzierung, der in der Sony-Anleitung nicht erwähnt wird. Der Schiebeschalter für die Intensität der Geräuschreduzierung in der entsprechenden App muss von links aus gesehen auf die erste Stufe gestellt werden, die aber leicht übersprungen und damit übersehen wird. Wenn wir den Kopfhörer in diesem Modus verwenden, sind die Windgeräusche nicht mehr störend. Das funktioniert sogar bei starkem Sturm vorbildlich gut. Leider merkt sich der Kopfhörer die Einstellung nicht. Wenn der WH-1000XM3 also ausgeschaltet wird, muss der Nutzer die Windredezierung jedesmal neu einschalten, wenn diese benötigt wird. Hier wäre eine Umschaltung direkt am Kopfhörer praktischer.

Bei Telefonaten hört der Gesprächspartner recht viel von den Umgebungsgeräuschen, so dass der Kopfhörer nicht für Telefonie prädestiniert ist.

Der Tragekomfort hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell leicht verbessert. Die Kopfhörer umschließen die Ohren etwas angenehmer, dafür sorgt auch die etwas weichere Polsterung. Selbst nach langem Tragen sind die Kopfhörer auch für Brillenträger nicht unangenehm, der Anpressdruck ist nicht zu hoch. Daher sind die Kopfhörer nur bedingt für den Sporteinsatz geeignet, weil sie bei vielen schnellen Bewegungen verrutschen können.

Die Oberfläche der Polsterung besteht aus Kunstleder, so dass der Träger bei entsprechenden Temperaturen darunter schwitzt. Wer den Kopfhörer als Brillenträger öfter ohne Musikzuspielung verwendet, muss sich damit abfinden, dass die Ohrpolster bei Kopfbewegungen das Brillengestell entlanggleiten, was zu knarzenden, deutlich hörbaren Geräuschen führt.

Sony bleibt beim neuen Modell der Touch-Bedienung treu.

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