Sons of Sparta im Test: Der God-of-War-Wüterich in Ausbildung
Den alten Kriegsgott kennen wir: Kratos ist bärtig, wortkarg und meistens sehr (!) wütend. Das als Shadow Drop veröffentlichte Sons of Sparta blickt auf die Zeit davor. Statt Weltrettung geht es um Ausbildung und den harten Alltag junger Spartaner – also um die Phase, in der aus einem Kämpfer eine Legende wird.
Das Spiel entstand primär bei dem Entwicklungsstudio Mega Cat(öffnet im neuen Fenster). Das eigentlich für die Serie zuständige Santa Monica Studio(öffnet im neuen Fenster) steuerte nach Angaben von Sony vor allem die Story bei.
Diese dreht sich einen Kameraden von Kratos, der unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. Kratos und sein Bruder Deimos wagen sich hinaus in die Wildnis Lakoniens, um ihn zu retten. Dabei stoßen sie auf eine dunkle Bedrohung für Sparta.
Die Story wird vom alten Kratos mit rauchiger Stimme im Hintergrund erzählt. Sonst hören wir Kratos aber als jüngeren Mann – das ist manchmal etwas verwirrend, stört aber nicht weiter. Wichtiger: Deimos taucht nur ab und zu in Zwischensequenzen sowie noch seltener computergesteuert in Bosskämpfen auf.
Erst nach Abschluss der Hauptgeschichte wird ein Herausforderungsmodus freigeschaltet, der entweder alleine oder mit den beiden Brüdern im lokalen 2-Spieler-Koop-Modus absolviert werden kann. Für den ersten Durchgang muss man wohl mindestens mit 15 bis 20 Stunden rechnen.
Konkret ist das auch deshalb schwer zu sagen, weil die vielen eigentlich optionalen Nebenaufgaben kaum von der Hauptmission zu trennen sind – wir zumindest grasten einfach die Levels ab und erledigten, was dabei zu erledigen war.
Sons of Sparta ist natürlich kein großes God of War, sondern ein 2D-Sidescroller. Wir laufen, klettern und springen durch kompakte Areale, kämpfen und lösen kleine Geschicklichkeitsabschnitte und Rätsel. Nach und nach erweitern sich unsere Fähigkeiten, so dass wir auch in zuvor nicht erreichbare Abschnitte gelangen – klassisch Metroidvania.
Die Steuerung reagiert präzise, Abstände lassen sich zuverlässig einschätzen. Kratos ist selbst als junger Mann kein Zirkusäffchen, sondern ein Spartaner: Akrobatische Kunststücke wie mit den Hauptfiguren etwa aus Hollow Knight Silksong oder Prince of Persia – The Lost Crown kriegen wir mit ihm nicht mal ansatzweise hin.
Stattdessen spielt sich Sons of Sparta angenehm bodenständig und im mittleren von drei Schwierigkeitsgraden auch einfacher als die genannten anderen Titel. Das soll keine Kritik sein, im Gegenteil: Es ist ganz schön, auch mal ohne superflinke Reaktionen an den Analogsticks durchs Spiel zu kommen.
Das Kampfsystem setzt primär auf Nahkämpfe etwa per Speer, dazu kommen später Fernwaffen wie eine Schleuder. Treffer fühlen sich halbwegs wuchtig an, Paraden funktionieren gut und Gegner wie Skelette oder Krabben sind problemlos lesbar.
God of War – Sons of Sparta: Verfügbarkeit und Fazit
Mit der Zeit nutzen sich die Abläufe allerdings etwas ab, neue Gegnertypen ändern das Tempo nur begrenzt. Abwechslung bieten primär die schön inszenierten und fairen Bosskämpfe.
Eine Besonderheit ist die Geist-Mechanik, mit der wir bei Feinden gezielt Lebenspunkte für Kratos absaugen können – aber weniger Schaden anrichten. Wir finden, das funktioniert nur mittelgut, gelegentlich entsteht dadurch eine gewisse Monotonie.
Nicht gelungen finden wir die Orientierungsfunktion. Die Karte besteht lediglich aus abstrakten Kästchen, aber nicht aus einer echten Miniaturansicht der Level. Dadurch wissen wir zwar ungefähr, in welcher Richtung sich das nächste Ziel befindet – aber welche konkreten Passagen sich wo befinden, sehen wir nicht. Die meisten Wettbewerber bieten hier mehr Komfort.
Optisch setzt das Spiel auf gezeichnete 2D-Pixelgrafik mit Parallax-Scrolling; Vorder- und Hintergründe verschieben sich unterschiedlich schnell und erzeugen so räumliche Tiefe. Tempel, Küste und Wildnis unterscheiden sich klar, die Darstellung bleibt aber einfacher als bei aktuellen Genre-Spitzenreitern.
Technische Probleme fielen uns nach dem ersten Post-Launch-Update nicht auf, die gelegentlichen Ladezeiten zwischen den Abschnitten sind uns aber minimal zu lang, und die Bildrate ist nicht superflüssig – womit sich aber leben lässt.
Es gibt umfangreiche Optionen für Barrierefreiheit, darunter Audiohinweise, Hochkontrast und erweiterbare Rätselhilfen. Den Spielstand können wir nur an Lagerfeuern speichern; die Rücksetzpunkte finden wir fair.
God of War – Sons of Sparta ist für Playstation 5 erhältlich, der Preis beträgt 30 Euro für die Standardversion und 40 Euro für die Deluxe-Ausgabe mit digitalem Artbook und weiteren Extras. Die deutsche Sprachausgabe finden wir gelungen. Als Multiplayer gibt es nur den angesprochenen Koop nach dem ersten Durchgang. Die USK erteilte eine Freigabe ab 16 Jahren.
Fazit
Sons of Sparta ist ein ordentlicher Ableger für God of War, dennoch: Ein bisschen mehr Spektakel, Epos und Wumms sowie schlicht ein bisschen besseres Spiel hätten wir Kratos schon gewünscht. Immerhin tragen die gelungene Steuerung, das angenehme Tempo und die gut lesbaren Kämpfe zuverlässig durch die Kampagne, ohne große Hürden aufzubauen.
Das mit Abstand größte Ärgernis ist für uns die unübersichtliche Karte, da erwarten wir heutzutage einfach mehr Komfort. Am Ende bleibt ein sympathischer Serienausflug, der insgesamt Spaß macht – aber wenig bleibenden Eindruck hinterließe, ginge es nicht um unseren Lieblings-Kriegsgott.
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