Sonos Arc: Die Dolby-Atmos-Soundbar hat ein Anschluss-Dilemma

Sonos hat sich bei seiner neuen Soundbar namens Arc für ein Anschlusskonzept entschieden, das manche Heimkinofans frustrieren oder ärgern wird. Denn die Arc liefert keinen Dolby-Atmos-Klang, wenn für das Heimkino ein Fernseher verwendet wird, der den von Sonos geforderten HDMI-Standard nicht unterstützt. Den Einsatz mit einem Projektor hat der Hersteller gar nicht bedacht, so dass es in diesem Fall ebenfalls keine Dolby-Atmos-Unterstützung gibt.
Wer sich die Arc anschaffen möchte, sollte also vorher ganz genau prüfen, ob diese mit dem vorhandenen Fernseher zu Hause kompatibel ist. Damit macht es Sonos Interessenten allerdings nicht leicht. Auf der Webseite des Unternehmens finden sich keine Informationen zu kompatiblen Geräten, weil der Hersteller derzeit keine solche Liste führt.
Sonos hat das auf Nachfrage damit begründet, dass "es sehr schwierig ist, bei der Menge an verschiedenen Fernseher-Modellen immer die aktuellsten, kompatiblen Modelle zusammenzustellen" . Der Hersteller verweist Interessenten an den Sonos-Support oder den bevorzugten Händler, der weiterhelfen könne.
Sonos Arc mag keine Projektoren
Und diese Hilfe kann dringend nötig sein. Denn nach Angaben von Sonos kommt es vor, dass Hersteller von TV-Geräten keine Angaben dazu machen, ob das Modell eARC unterstützt. In manchen Fällen wird auch die Unterstützung angegeben, der betreffende Fernseher arbeitet aber dennoch nicht optimal mit der Sonos-Soundbar zusammen.
Sonos hat uns die Arc freundlicherweise vor der Auslieferung zur Verfügung gestellt. Wir wollten die Soundbar im Zusammenspiel mit einem Projektor testen. Und das sorgte für viel Verdruss. Prinzipiell kann die Arc zwar mit einem Projektor genutzt werden, aber dann muss auf Dolby-Atmos-Klang verzichtet werden.

Denn Sonos hat sich wie auch bei der Beam (Test) wieder für nur einen HDMI-Anschluss entschieden. Dieses Konzept macht bei der Beam keine Probleme, weil alle von der Soundbar unterstützten Tonformate im Zweifel auch über eine optische Verbindung zum Gerät geleitet werden können. Dolby-Atmos-Ton kann hingegen nicht über eine optische Verbindung übertragen werden, dazu wird ein HDMI-Anschluss benötigt.








Und dabei dürfe es kein beliebiger HDMI-Anschluss sein, betont Sonos. Es muss einer sein, der den eARC-Standard beherrscht. Wer sein Heimkino mit einem Projektor und einem der am Markt üblichen Streaming-Modelle wie etwa Fire TV, Android-TV-Geräten oder einem Apple TV betreibt, nutzt einen HDMI-Switch, um das Bild zum Projektor und den Ton zur Anlage zu leiten.
HDMI-Switch wird auch bei inkompatiblem Fernseher benötigt
Diesen Weg wollten wir auch bei der Arc einschlagen und waren dazu eng mit Sonos in Kontakt. Aber auch mit der Expertise des Herstellers fand sich kein geeigneter HDMI-Switch, der garantiert ein HDMI-eARC-Signal ausgibt und parallel dazu das Bild auf einem zweiten HDMI-Ausgang, um es zum Projektor zu leiten. Das Unternehmen Feintech ist auf HDMI-Switches spezialisiert und will speziell für die Arc ein passendes Gerät anbieten, damit die Sonos-Soundbar mit jedem Fernseher und jedem Projektor Dolby-Atmos-Ton ausgibt. Die Ankündigung dafür findet sich im Kommentarbereich eines HDMI-Switches auf der Feintech-Webseite(öffnet im neuen Fenster) .
Das gleiche Problem ergibt sich für alle Interessenten, die kein TV-Modell besitzen, das den eARC-Standard unterstützt. Auch diese Zielgruppe bekommt beim Schauen von Filmen keinen Dolby-Atmos-Klang aus der Arc, wenn die Kunden nicht bereit sind, einen neuen Fernseher anzuschaffen. Dabei könnte es eigentlich genügen, sich mit einem HDMI-Switch zu begnügen.
Die Arc von Sonos braucht ein anderes Anschlusskonzept
Hätte Sonos der Arc einfach mindestens einen HDMI-Eingang und einen entsprechenden HDMI-Ausgang verpasst, gäbe es die geschilderten Probleme nicht. Dann würde sowohl das gewünschte Streaminggerät als auch der Fernseher oder der Projektor an der Soundbar angeschlossen und diese könnte immer garantiert Dolby-Atmos-Klang ausgeben. Derzeit gibt es keinen Streaming-Dienst, der über die Sonos-App Dolby-Atmos-Klang ausgibt.
Wir haben die Arc so gut es ging mit einer Beam verglichen, die freilich nur die Hälfte der Arc kostet und wesentlich schmaler ist. Statt 90 cm ist die Arc 1,2 Meter breit und liefert damit einen besseren Stereoeffekt. Das verhilft der Arc zu einem räumlicheren Klang, als es die Beam leisten kann. Allerdings bietet Sonos für beide Soundbars keine Möglichkeit, zusätzliche Seitenlautsprecher auf der Vorderseite einzubinden, um einen bestmöglichen Stereoeffekt zu erzielen.
Arc kann keine Beam mit Rücklautsprechern ersetzen
Wir haben die Arc zudem mit einer Beam und zwei passenden Rücklautsprechern verglichen. Mit der Beam und den beiden Rücklautsprechern sind deutlich intensivere Surround-Effekte zu bemerken, als wenn wir die Arc allein betreiben. Auch an dieser lassen sich problemlos zwei Rücklautsprecher betreiben. Dabei muss der Nutzer darauf achten, dass es zwei gleichartige Modelle sind, weil sich nur diese zu einem Paar verbinden lassen.
Wer hier die Soundbar besonders preisgünstig erweitern möchte, greift zu den Symfonisk-Regallautsprechern von Ikea (Test) , die sich optimal in ein Sonos-Soundsystem integrieren lassen.
Auf der Arc sind Dialoge in Filmen deutlich besser zu verstehen. Während wir bei der Beam oftmals die Dialogverstärkung aktivieren mussten, war dies bei der Arc nicht erforderlich. Auch bei der Bassintensität leistet Arc mehr als die Beam – in Anbetracht des doppelten Preises für die Arc schlägt sich die Beam aber vergleichsweise gut.
Eingebaute Mikrofone für Sprachsteuerung
Auch in der Arc befinden sich Mikrofone, damit wahlweise Amazons Alexa oder der Google Assistant genutzt werden können. Auch weiterhin stehen allerdings nicht alle Alexa-Funktionen bereit , weil Amazon diese den eigenen Echo-Produkten vorbehält. Auch bei Google Assistant gibt es Einschränkungen, Unterstützung für Google Cast sowie Voice Match fehlen.








Die Mikrofone lassen sich weiterhin nicht für eine True-Play-Einmessung verwenden. True Play ist ein System zur Messung der Raumakustik und verspricht einen besseren Klang. Für die Einmessung des Raums ist ein iOS-Gerät erforderlich, auf dem die Sonos-App läuft. Der Nutzer muss mit einem iPhone durch den Raum laufen, während die Lautsprecher Testtöne abspielen, die vom Smartphone-Mikrofon aufgenommen und von Sonos analysiert werden. Die True-Play-Einmessung ist mit Android-Geräten weiterhin nicht möglich. Wie die meisten anderen Sonos-Lautsprecher erlaubt die Arc keine Bluetooth-Zuspielung und unterstützt Airplay 2.
Sonos Arc: Verfügbarkeit und Preis
Die Arc läuft bereits mit dem neuen Sonos-Betriebssystem und es wird dafür eine neue App geben, die am 8. Juni 2020 erscheinen wird. Mit der bisherigen Sonos-App alias S1 kann die Arc nicht bedient werden. Durch die Einführung des neuen Betriebssystems kommt es zu einer Fragmentierung, falls ältere Sonos-Lautsprecher mit dem alten Betriebssystem weiterverwendet werden sollen. Für diese Lautsprecher wird es die neue Version nämlich nicht geben.
Auf der Sonos-Homepage kann die Arc-Soundbar(öffnet im neuen Fenster) zum Preis von 900 Euro vorbestellt werden, sie soll ab dem 10. Juni 2020 ausgeliefert werden. Das Gerät ist 100 Euro teurer als die Playbar und die Playbase, die beide langfristig aus dem Sonos-Sortiment verschwinden werden. Die Beam zum Preis von 350 Euro wird weiterhin angeboten.
Wer die Beam mit zwei Symfonisk-Regal-Modellen als Rücklautsprecher verwendet, zahlt dafür weniger als den Preis der Arc, nämlich 550 Euro. Sonos selbst bietet dies nicht als Set an und verweist auf seiner Webseite auch nicht auf die Symfonisk-Lautsprecher von Ikea(öffnet im neuen Fenster) .
Das meint der Autor dazu:
Ich kann nicht nachvollziehen, warum sich Sonos bei der Arc für ein so umständliches Anschlusskonzept entschieden hat. Die Nutzung mit Projektoren samt Dolby-Atmos-Unterstützung wird ausgeschlossen, dabei sind sicherlich eher in Haushalten mit Projektor diejenigen zu finden, die bereit sind, viel Geld für eine Heimkinoanlage auszugeben. Der Preis für die Arc ist schon vergleichsweise hoch und da sollen auch alle Möglichkeiten ausgereizt werden können.
Nachtrag vom 5. Juni 2020, 8:52 Uhr
Wir haben von einem Leser den Hinweis erhalten, dass das auf HDMI-Switches spezialisierte Unternehmen Feintech an einem speziellen HDMI-Switch(öffnet im neuen Fenster) arbeitet, der dann auch mit der Arc-Soundbar Dolby-Atmos-Ton ausgeben soll. Der Artikel wurde an der entsprechenden Stelle ergänzt.



