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Sonnensystem: Die Venus war nie eine zweite Erde

Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsgruppe . Die Venus ist heute trocken und soll es bereits kurz nach ihrer Entstehung gewesen sein.
/ Patrick Klapetz
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Computergenerierte Oberflächenansicht der Venus. (Bild: Nasa, GSFC, NSSDCA)
Computergenerierte Oberflächenansicht der Venus. Bild: Nasa, GSFC, NSSDCA

Ein Forschungsteam der University of Cambridge, Großbritannien,(öffnet im neuen Fenster) hat aus der chemischen Zusammensetzung der Venusatmosphäre den Wassergehalt im Innern des Planeten abgeleitet. Dieser ist ein Schlüsselindikator dafür, ob es auf der Venus einst einen Ozean gab.

Bisherige Annahmen gingen genau davon aus. Zudem sollen einst tropische Bedingungen auf unserem Schwesterplaneten geherrscht haben. Doch anders als auf der Erde, deren Oberfläche heute zu etwa 71 Prozent mit Wasser bedeckt ist, gab es laut den Forschern auf der Venus nie einen Ozean.

Die Venus: außen und innen trocken

Der Planet soll derzeit ein weitgehend trockenes Inneres haben, schreibt die Gruppe. Das stimmt mit der Hypothese überein, dass er bereits kurz nach der Entstehung – als die Oberfläche aus geschmolzenem Gestein bestand – ausgetrocknet war.

Wenn die Forschungsergebnisse stimmen, bedeutet das auch, dass die Venus nie Leben beherbergen konnte , denn dafür braucht es Wasser . Ebensowenig stützt das Ergebnis die Annahme, dass es ein verborgenes Wasserreservoir unter der Oberfläche des Gesteinsplaneten geben kann.

Zu dem Schluss kam das Team, als es die Gase in den Venus-Eruptionen berechnete. Die bei einem Vulkanausbruch in die Atmosphäre freigesetzten Gase liefern einen Hinweis auf das Planeteninnere. Wenn Magma von einer planetaren Zwischenschicht – dem sogenannten Mantel – zur Oberfläche aufsteigt, setzt es Gase aus tieferen Teilen des Inneren frei. Deswegen bestehen vulkanische Gase auf der Erde zu mehr als 60 Prozent aus Wasserdampf – auf der Venus sind es weniger als sechs Prozent. Entsprechend muss der Planet von innen ausgetrocknet sein.

Venus und Erde sind einander doch nicht so ähnlich

Damit scheint die Venus kein echter Erdzwilling zu sein, wie sie manchmal wegen der ähnlichen Größe, Masse und Gesteinszusammensetzung genannt wird. Die Venus hat einen Durchmesser von etwa 12.000 Kilometern, die Erde von 12.750 Kilometern. Auch beim Abstand zur Sonne nehmen sich beide Planeten nicht viel. Bei der Venus sind es ungefähr 108 Millionen Kilometer, bei der Erde 149 Millionen.

Allerdings herrscht auf der Venus ein 90-mal höherer Luftdruck als auf der Erde, außerdem ist es auf dem zweiten Planeten im Sonnensystem bis zu 465 °C heiß. Auch die giftige Atmosphäre mit Schwefelsäurewolken unterscheidet sich von unserem Planeten.

Um endgültige Ergebnisse liefern zu können, sind mehr robotische Missionen notwendig. Im Jahr 2028 möchte die indische Raumfahrtbehörde Isro die Venus Orbiter Mission (VOM) starten, die US-Raumfahrtbehörde Nasa plant für die 2030er Jahre die Davinci-Mission und die europäische Raumfahrtbehörde Esa will ebenfalls in den 2030er Jahren die Raumsonde Envision auf den Weg zur Venus schicken. Noch Ende 2024 soll die kommerzielle Mission Venus Life Finder (VLF)(öffnet im neuen Fenster) aufbrechen, um vielleicht doch Leben in der Atmosphäre zu finden.

Zur Studie

Die Studie wurde am 2. Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht: A dry Venusian interior constrained by atmospheric chemistry(öffnet im neuen Fenster) (Ein trockenes Venusinneres, das durch die Chemie der Atmosphäre eingeschränkt ist).


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