Sonnenaktivität nimmt zu: Erfolgt das solare Maximum früher als erwartet?
Auf der Sonne sind derzeit mehr Sonnenflecken zu sehen als prognostiziert – ein Indiz für ein verfrühtes solares Maximum. Was das für uns auf der Erde bedeutet.
Das solare Maximum könnte bereits Ende 2023 erfolgen. Bisher ging die Fachwelt davon aus, dass die aktuelle Maximalphase im Juni 2025 erreicht wird. Ein Indiz für das mögliche verfrühte Erreichen ist die Zunahme von Sonnenflecken auf der Oberfläche unseres Sterns. Allein im Juni 2023 zählten Sonnenforscher 163 Sonnenflecken. Mehr Sonnenflecken wurden das letzte Mal vor 20 Jahren entdeckt.
Im Mai 2023 hieß es noch, dass das solare Maximum ein Jahr vor dem eigentlich erwarteten Zeitpunkt erreicht werde. Grundsätzlich folgen die Sonnenaktivitäten einem elfjährigen Zyklus. Die ersten Aufzeichnungen dieses Zyklus begannen im Jahr 1749.
Mittlerweile befinden wir uns also im 25. Zyklus. Er begann 2019 und sollte laut damaligen Prognosen sehr schwach verlaufen. Die Fachwelt ging davon aus, dass der Höhepunkt mit ungefähr 115 Sonnenflecken pro Monat im Jahr 2025 erreicht werde.
Die Zyklen variieren in ihrer Intensität, wobei der schwächste aufgezeichnete Zyklus während des Maximums weniger als hundert Flecken pro Monat produzierte und der stärkste mit fast 300 Flecken seinen Höhepunkt erreichte. Der Zyklus 24 war einer der schwächsten Zyklen seit der Phase um 1880 herum. Deswegen nahm die Fachwelt an, dass auch der 25. Zyklus besonders schwach ausfallen würde. Seit 2022 kommt diese solare Sequenz aber regelrecht in Schwung und übertrifft die Prognosen regelmäßig.
Eine Maximumsphase und kein Punkt
Wichtig anzumerken ist, dass es nicht den einen Maximalpunkt gibt. Das letzte Minimum sei um das Jahr 2020 herum beobachtet worden, erklärte Volker Bothmer Golem.de. Er ist einer der weltweit führenden Sonnenexperten und gehört zum wissenschaftlichen Team der Raumsonde Parker Solar Probe, die von der US-Raumfahrtbehörde Nasa betrieben wird. Zudem ist er Professor an der Universität Göttingen.
Bereits Anfang des Jahres wurden vermehrte Sonnenaktivitäten beobachtet. Laut Bothmer war dies wohl das Anzeichen für "das Erreichen des bevorstehenden Maximums und die Umpolung" des Sonnenmagnetfeldes. Das ist ein natürlicher Prozess, der quasi aus dem Südpol den Nordpol und aus dem Nordpol den Südpol macht. Das Maximum verlaufe "meistens über eine Phase von zwei, drei Jahren. Daher gibt es nicht genau eine Spitze der Sonnenfleckenhäufigkeit, sondern praktisch eine Maximumphase. Danach geht es wieder runter zum Minimum", erklärte Bothmer. Diese Phase dauert ungefähr sechs Jahre an.
Drohen uns nun mehr Sonnenstürme?
Je mehr Sonnenflecken entstehen, desto aktiver ist die Sonne. Das heißt auch, dass mehr Sonnenplasma von der Oberfläche unseres Sterns entkommt und als Sonnensturm durchs Weltall rast. Aus diesem Grund kann grundsätzlich auch auf der Erde mit mehr Sonnenstürmen gerechnet werden. Im besten Fall wird es zu vermehrten Polarlichtern kommen. Im schlimmsten Fall könnten die auf die Erde auftreffenden Stürme für Ausfälle im Stromnetz sorgen.
Jedoch wird das nicht bedeuten, dass all unsere Computer kaputtgehen. Wenn ein Sonnensturm auf die Erde trifft, kann es elektronische Geräte geben, die hochsensibel reagieren. Jedoch sind das Geräte, die genau darauf eingestellt wurden. Bothmer erinnert sich an die "sehr empfindliche Seeminen", die während des Vietnamkriegs in den 1970ern im Einsatz waren. Diese detonierten bei einem Sonnensturm, da sie "so sensibel getunt" gewesen seien, um möglichst jede Schiffsannäherung zu vermeiden. Doch "vor Ort sind diese Ströme sehr klein, da geht kein PC und nichts kaputt".
Gefährlicher wird es tatsächlich für Raumfahrer oder Satelliten. Ein Sonnensturm könne Strahlung abrupt in Lichtblitzen – solaren Flares – freisetzten, was zu einer kurzfristigen "Ionisierung von Teilchen in einer Höhe von achtzig bis tausend Kilometern" führen könne, sagte Bothmer. "Die durch den Flare erzeugten Elektronen führen kurzfristig zu einer Atmosphärenveränderung, die wiederum zu Störungen von Funkwellen und GPS-Signalen führt", doch auch das halte nur sehr kurz an. Dass nun massenweise Satelliten kaputtgehen, ist dem Forscher zufolge eher unwahrscheinlich.
Zudem ist unser Sonnensystem extrem groß und ein Sonnensturm muss erst mal die Erde treffen – die ja nur ein winziger Punkt ist. Auch wenn die Sonnenaktivität zunehme und mehr Sonnenstürme durchs Weltall rasten, heiße das nicht unbedingt, dass sie auf die Erde träfen, erklärte der Sonnenexperte. Zudem kann die Fachwelt einen solchen Sturm mittlerweile frühzeitig erkennen und entsprechende Maßnahmen treffen – beispielsweise Raketenstarts verschieben.