Sonic Frontiers im Test: Superakrobat in offener Welt
Offensichtlich verfügt der Videospieleheld Sonic über multiple Persönlichkeiten. Anders ist kaum zu erklären, dass er gerade erst in zwei erfolgreichen Kinofilmen als kommunikativer und schlagfertiger Superigel irgendwie immer im Mittelpunkt stand. Und dass er nun in Sonic Frontiers allein und weitgehend schweigsam in einer menschenleeren Inselwelt unterwegs ist.
Das macht er, weil sein Erzfeind Dr. Eggman den Helden mit einem Trick in ein Paralleluniversum versetzt. Auf Details der erstaunlich ernsthaft erzählten Handlung gehen wir hier nicht weiter ein, denn die Folgen zählen: Wir stehen auf Kronos Island, dem ersten großen von insgesamt fünf Abschnitten einer Inselwelt namens Starfall.
Hier rennen wir mit Sonic über nebelverhangene Grasflächen und legen uns mit Roboterfeinden und einigen Oberbossen an. Auch wenn der Vergleich schräg klingt: Vor allem hier kommt uns Sonic Frontiers ein bisschen wie die Arkadeversion von Elden Ring vor – offene Welt, sehr viel zu entdecken, auffällig kampfkräftige Großgegner und düstere Stimmung.
Etwas später kommen wir dann mit Superigel Sonic aber auch in viel buntere Umgebungen, inklusive einiger Abschnitte im klassisch-farbenfrohen Look der früheren Spiele von Hersteller Sega(öffnet im neuen Fenster) .
Die Hauptfigur können wir in größeren Arealen frei bewegen und über Schienen zum Sammeln von Extras sausen lassen. Allerdings stoßen wir rasch an Tore, Brücken oder sonstige Begrenzungen, die wir erst überwinden, wenn wir etwa einen Bossgegner besiegt oder Extras gefunden haben.
Die Kämpfe laufen meist in mehreren Runden ab. Fast immer geht es vor allem darum, die gegnerische Vorgehensweise kennenzulernen und dann zu kontern – aber auch Geschick und flotte Reflexe sind gefragt. Die Steuerung finden wir mit allen Eingabegeräten gelungen, dennoch hatten wir mit dem Gamepad am PC den meisten Spaß.
Meist sehen wir Sonic aus Sicht der Von-Oben-Kamera, es gibt allerdings auch zahlreiche Spezialmodi mit anderen Perspektiven. Im Grunde klappt das alles, etwas schwierig fanden wir lediglich Hüpfpassagen mit Plattformen, weil Sprungweite und -tiefe etwas schwierig zu erkennen sind.
Außerdem ist es etwas irritierend, dass Sonic teils unerwartet schnell beschleunigt und bremst. Wir sind deswegen am Anfang sehr oft über Abgründe gerasselt, aber irgendwann hatten wir den Umgang mit diesem Element gelernt.
In Sonic Frontiers gibt es ein Rollenspielsystem mit einem Talentbaum, in dem wir Spezialmanöver und Skills freischalten. Dazu gehören etwa Temporausch, der unsere Stärke erhöht, oder ein spezieller Konter nach Angriffen.

Nach und nach können wir so die Fähigkeiten des blauen Superhelden immer weiter verbessern, so dass wir es auch mit richtig großen (!) Oberbossen aufnehmen können. Die ganzen Kombos und Spezialattacken können wir im Cyberspace kennenlernen und üben – eine Art Tutorialmodus.
Zusätzlich sammeln wir blaue und rote Power Seeds, mit denen wir unsere Angriffs- und Verteidigungswerte verbessern. All diese Elemente sorgen dafür, dass es auch auf späteren Inseln immer wieder neue Herausforderungen gibt.
Frontiers ist kein Spiel für zwischendurch: Wer mehr als nur die 12 bis 15 Stunden lange Haupthandlung absolvieren will, dürfte im mittleren der drei Schwierigkeitsgrade um die 50 Stunden beschäftigt sein.
Sonic Frontiers ist für Windows-PC (Steam jetzt, Epic Games Store später), Playstation 4 und 5 sowie für Xbox One und Xbox Series X/S verfügbar und kostet rund 60 Euro. Es gibt weder Mikrotransaktionen noch Multiplayer. Die Bildschirmtexte und einige Zwischensequenzen sind gut lokalisiert. Von der USK hat das Programm eine Freigabe ab 12 Jahre erhalten.
Fazit
Was für ein merkwürdiges und mutiges Spiel! Anstatt mit Sonic Frontniers ein leichtgängiges Actionspektakel für all die neuen Igel-Fans aus dem Kino abzuliefern, haben die Entwickler einen erstaunlich komplexen und wirklich nur für erfahrene Spieler geeigneten Titel produziert.
Die menschenleeren Weiten wirken erst seltsam trist, beim Erkunden stößt man dann aber auf immer neue Herausforderungen und Geheimnisse. Dazu kommen eine Armee an sehr vielfältigen Oberbossen, Massen an coolen Rennstrecken sowie eine erstaunlich erwachsene Handlung.
Die Steuerung klappt nach kurzer Eingewöhnung sowohl mit Gamepad als auch mit Tastatur und Maus prima. Nachhaltig gestört hat uns nur, dass die räumliche Position von Plattformen oft schwierig einzuschätzen ist und wir deshalb oft ins Leere gehopst sind.
Die vorsichtigen Rollenspielelemente finden wir gelungen, bei der Grafik hätten wir uns stellenweise etwas mehr Details und Zuckerguss gewünscht – stellenweise sieht das Ganze nicht wirklich zeitgemäß aus.
Wer Sonic erst jetzt im Kino kennengelernt hat und auf ein leichtgängige Actionspektakel hofft, sollte allerdings einen großen Bogen um Frontiers rennen. Das Spiel richtet sich an Fans, die mit dem Igel als Superakrobaten großgeworden sind und Herausforderungen schätzen.
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