Solidluuv und Ultraluuv ausprobiert: Wackelfreie Bilder für alle
Am Anfang stand für Felix Kochbeck die Frage, wie er im Urlaub mit seiner Actionkamera und seinem Smartphone besseres Material filmen könnte. Der wintersportbegeisterte Student wollte auch abseits der Piste unverwackelte Bilder produzieren, aber aus der Hand gelang ihm das nicht.
Die existierenden sogenannten Schwebestative stellten ihn nicht zufrieden: Die Einrichtung war zu kompliziert, das Gleichgewicht zu fragil, denn das Prinzip beruht auf der Entkopplung der Hand- und Kamerabewegung. Um diesen Zustand zu erreichen, muss der Schwerpunkt unter der Kamera korrekt austariert werden. Bei aktuellen Schwebestativen oder Steadycams muss das nach jedem Zusammenbau und für jedes Kameramodell gemacht werden – zu frustrierend für viele Gelegenheitsfilmer. Einfachere Varianten stabilisieren das Bild hingegen meist ungenügend.

Felix Kochbeck wusste, dass er mit diesem Problem nicht allein war und fing an zu basteln. Das war 2012 – heute beschäftigt seine Firma Luuv(öffnet im neuen Fenster) vier feste Mitarbeiter, die alle aus seinem Freundeskreis stammen.
Das erste Produkt heißt Solidluuv. Es ist eine Weiterentwicklung seiner ursprünglichen Idee, das Schwebestativ so einfach wie möglich zu gestalten. Solidluuv besteht aus einer Halterung, die mit drei Fingern gegriffen wird, und einem Korpus in Tropfenform. Daumen und Zeigefinger umfassen ein drehbares Element an dieser Konstruktion, so lassen sich Schwenks realisieren. An der Oberseite lässt sich wahlweise eine Kamera oder ein Smartphone befestigen, im unteren, breiteren Teil befinden sich Gewichte.
Solidluuv von innen
Solidluuv sieht ungewöhnlich aus, die Funktionsweise ist aber die gleiche wie bei herkömmlichen Schwebestativen. Der große Unterschied ist die Einrichtung: Das manuelle Ausbalancieren des Schwerpunktes entfällt hier komplett. Wir durften als Erste einen Blick in das Innenleben des Tropfens werfen, denn dessen Aufbau ist erst seit kurzem patentiert.
Schraubt man die Unterseite ab, fallen zunächst mehrere kreisförmig angeordnete Stapel Unterlegscheiben ins Auge – sie dienen als Gewichte. Befestigt sind sie an gefederten Halterungen, die es erlauben, sie näher zur Mitte oder zum Rand des Tropfens zu bewegen. Jeder Stapel rastet an einem vorgegebenen, mit einer Nummer versehenen Punkt ein. Auf der Webseite von Luuv sind für viele gängige Kamera- und Smartphonemodelle Kombinationen von Position und Anzahl der Gewichte aufgelistet. Mit wenigen Handgriffen lässt sich Solidluuv so für die eigene Ausrüstung einrichten. Im Moment funktioniert dieses Prinzip für Kameras bis zu 500 Gramm.
Version mit Gimbal geplant
Die fortgeschrittene Variante von Solidluuv heißt Ultraluuv und wird um einen elektronischen Gimbal von Feiyu Tech ergänzt. Damit erhöht sich die Stabilität weiter, es steigt aber auch der Preis – wie weit, steht noch nicht fest.
Wir haben das Ultraluuv mit einer Gopro Hero 4 ausprobiert. Es lieferte auf Anhieb gute Ergebnisse, wie im Video zu sehen ist. Es ist praktisch kein Training notwendig, um sofort stabile Bilder zu machen.
Die Modelldatenbank soll in Zukunft noch erweitert werden, wobei Nutzer auch ihre eigenen Werte für exotische Modelle eintragen können. Schon jetzt hat Luuv eine aktive Community, die beim ersten Crowdfunding auf Indiegogo 65.000 Euro bereitgestellt hat. Zunächst war geplant, Solidluuv in Eigenregie und kleiner Auflage per 3D-Druck herzustellen. Allerdings überstieg die Nachfrage schnell die Produktionsmöglichkeiten.
Nach einigen Änderungen im Design steht nun fest: Solidluuv soll ein Massenprodukt werden. Das senkte nicht nur den Preis von 300 auf rund 100 Euro, sondern änderte auch die Vertriebswege. Momentan stehen die Gründer in Verhandlungen mit einer großen Elektronikmarktkette. Um den Kontakt zur Nutzbasis aufrechtzuerhalten, ist aber auch der Verkauf über eigene Kanäle geplant.
Noch haben Felix Kochbeck und sein Team ihr Ziel nicht erreicht: die Steadycam für alle. Ein anderer Meilenstein ist hingegen jetzt schon geschafft: die laufende Kickstarter-Kampagne(öffnet im neuen Fenster) hat die angepeilte Summe inzwischen schon fast um das Dreifache überschritten.



