Solarmodule: Meyer Burger kündigt 400 Mitarbeitern in Freiberg

Das endgültiges Aus für die Solarmodulherstellung von Meyer Burger in Freiberg ist besiegelt. Die rund 500 Mitarbeiter hätten am 27. März 2024 ihre Kündigung erhalten, sagte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur dpa.
Mehr als 400 Menschen verlören damit ihren Arbeitsplatz. Den anderen seien Verträge in anderen Gesellschaften des Schweizer Konzerns angeboten worden. Sachsens Energieminister Wolfram Günther (Grüne) sprach von einer bitteren Nachricht.
Vorausgegangen war die Absage von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) an den sogenannten Resilienzbonus, mit dem die unter Druck stehenden Hersteller in Europa geschützt werden sollten. Meyer Burger hatte die Zukunft des Standorts in Freiberg von dieser Unterstützung abhängig gemacht.
Lindner verweigert finanzielle Hilfen
Lindner bekräftigte sein Nein zu großen Subventionen für die heimische Solarindustrie am 24. März. Wirkliche Technologie seien Wechselrichter - und nicht die Fertigung von Solarmodulen, die es auf dem Weltmarkt gebe.
"Das ist keine Hightech-Technologie" , sagte Lindner in der ARD ( Video ab 16:45(öffnet im neuen Fenster) ). Wenn er mit Geld der Steuerzahler einzelne Branchen fördern würde, dann wirke sich das weder auf die Sicherheit des Wirtschaftsstandortes noch auf das Gelingen der Energiewende aus. FDP-Verkehrsminister Volker Wissing will hingegen ein Finanzierungspaket in Höhe von 150 Millionen Euro für das Lufttaxiunternehmen Volocopter genehmigen .
Am 26. März reagierte Meyer Burger mit den Kündigungen. Man habe noch gehofft, dass in Berlin die Einsicht reife, dass die Unterstützung nötig sei, sagte die Sprecherin. Dies habe sich endgültig zerschlagen.
Meyer Burger kündigte die geplante Schließung des Werks in Freiberg im Februar 2024 an . Die Produktion stand seit Mitte März still. Die meisten Arbeitsverträge laufen wegen kurzer Kündigungsfristen Ende April aus.
Größte Solarmodulfertigung Europas
Die Produktion in Freiberg wurde erst im Mai 2021 wieder gestartet. Europas größte Solarmodulfertigung sei zuvor in den acht Monaten auf Smartwire-Fertigungslinien umgerüstet worden und sei damit die modernste und umweltfreundlichste Anlage ihrer Art, teilte das Unternehmen damals mit(öffnet im neuen Fenster) .
Meyer Burger verbuchte jedoch im vergangenen Jahr einen deutlichen Verlust und nannte starke Konkurrenz durch billige Solarmodule aus China als Grund dafür. Subventionen bei der Solarmodulherstellung in China hätten zu einer gravierenden Marktverzerrung geführt, erklärte Geschäftsführer Gunter Erfurt.
Zweites Sterben der Solarbranche droht
Der Grünen-Politiker Günther sprach von einem "industriepolitischen Tiefschlag" und gab der FDP die Verantwortung. "Mit zeitlich befristeten, sehr überschaubaren Summen hätte man eine strategisch bedeutende Branche sichern können" , sagte der Minister. Jetzt müsse eine Perspektive für die verbleibenden Hersteller in Sachsen her.
Für den traditionsreichen Standort Freiberg - und auch die ostdeutsche Solarindustrie - ist das endgültige Aus ein zweiter großer Rückschlag: Bereits 2018 meldete Deutschlands einst größter Solarmodulhersteller Solarworld endgültig Insolvenz an und schloss den Standort in Freiberg mit rund 600 Mitarbeitern. Neue Hoffnung keimte, als Meyer Burger 2021 in die Herstellung von Modulen einstieg und in den früheren Solarworld-Hallen eine neue Produktion startete.
Standort Thalheim nicht bedroht
Fast gleichzeitig mit Freiberg startete Meyer Burger im Mai 2021 auch ein Solarzellenwerk im sogenannten Solar Valley von Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt(öffnet im neuen Fenster) . Der Standort Thalheim mit 350 Mitarbeitern sei aktuell jedoch nicht gefährdet, berichtete die Magdeburger Volksstimme(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf eine Firmensprecherin. Die dort produzierten Solarzellen sollen nun in die USA transportiert werden, wo Meyer Burger eine neue Produktion aufbaut.
Die Solarindustrie war seit der Jahrtausendwende über etwa eineinhalb Jahrzehnte eine Boombranche und Jobmaschine gerade in Ostdeutschland - auch wegen hoher staatlicher Förderung des Absatzes. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt arbeiteten nach früheren Angaben zeitweise etwa 14.000 Menschen bei Solarzellen- und Modulherstellern und weitere 2.500 bei Photovoltaikausrüstern.



