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Solarenergiespeicher Bluetti EP500 Pro: Wie ich versuchte, autark zu werden

Ich vermesse per Drohne, schleppe Solarpanels und eine 83-kg-Powerstation, drucke Abstandshalter im 3D-Drucker – und spare Stromkosten. Zudem berechne ich, ob und wann sich die Ausgaben für die Anlage amortisieren.
/ Thomas Ell
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Zwölf auf dem Dach montierte Solarpanels sollen genug Strom liefern. (Bild: Thomas Ell)
Zwölf auf dem Dach montierte Solarpanels sollen genug Strom liefern. Bild: Thomas Ell

Seit meiner Kindheit kenne ich die Funktion einer Solarzelle. Angesichts von Nachrichten über eine mögliche Überlastung des Stromnetzes im Winter durch Heizlüfter und wahrscheinlich steigende Strompreise kam mir jedoch ein neuer Gedanke: Es wäre einfach zu dumm, wenn ich nicht endlich in größerem Maßstab von einer Solaranlage profitieren würde. Vielleicht würde ich etwas Geld sparen und bei einem Stromausfall einige Tage überbrücken können. Ich mache mich also an die Arbeit und beginne, mir ausgehend von der mir dazu zur Verfügung stehenden Dachfläche eine eigene Anlage auszudenken und zusammenzuschalten. Damit ich die Anschaffungskosten irgendwann wieder hereinbekomme, sind allerdings ein paar Bedingungen nötig.

Vor jedem Projekt steht die Planung

Aber warum mache ich das überhaupt allein? Die Antwort ist einfach: Anfang des Jahres hatte ich Kontakt mit dem örtlichen Solarunternehmen aufgenommen. Nach mehrmaligem Nachfragen kam ein Mitarbeiter bei mir vorbei und nahm meine Vorstellungen und die Daten des Hauses auf. Leider meldete er sich anschließend auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht mehr. Darum begann ich, mich selbst mit dem Thema zu beschäftigen.

Ich legte horizontal und vertikal zwei Zollstöcke (Meterstab) auf das Flachdach unseres Gartenschuppens, startete meine DJI Mini Pro und nahm ein Foto des Dachs auf. Das importierte ich in das freie Programm Inkscape(öffnet im neuen Fenster) , malte mir eine maßstabsgetreue Linie in die Zeichnung und skalierte die Bilder so lange, bis die Meterstäbe der Linie entsprachen.

Anschließend suchte ich bei Ebay nach möglichst leistungsstarken Solarpanels, also Panels, die möglichst viel Watt pro Flächeneinheit haben und nicht zu groß und schwer sind, so dass ich sie einigermaßen handhaben kann.

Ich fand 200-Watt-Module mit den Abmessungen 1.480 x 675 x 35 mm. Von den Abmessungen machte ich mir in Inkscape maßstabsgetreue Rechtecke und begann, diese auf dem Flachdach hin und her zu schieben oder auch zu drehen. Schließlich fand ich eine Anordnung, bei der ich zwölf Stück davon so legen konnte, dass sie nicht zu nahe am Rand waren und ich neben ihnen zu Säuberungs- oder Wartungsarbeiten stehen konnte.

Im Idealfall, der praktisch nie auftritt, könnte meine Anlage 2.400 Watt liefern (2.400 Wattpeak(öffnet im neuen Fenster) ). Selbst wenn sie die meiste Zeit wesentlich weniger liefern würde, wäre das doch deutlich mehr, als ich üblicherweise Strom mit meinem Desktop-PC verbrauche.

Sie haben zusammen weniger als 1.500 Euro gekostet. Der Preis der Panels ist mittlerweile gestiegen, beim Hersteller(öffnet im neuen Fenster) sind sie noch zu bekommen. Eine Alternative wäre dieses Panel von Westech(öffnet im neuen Fenster) , das allerdings etwas länger ist.

Weniger als 1.500 Euro waren für mich beim Kauf weniger Geld, als manche Menschen für ein hochwertiges Smartphone ausgegeben. Und ich hatte das Gefühl, dafür viel mehr zu bekommen.

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Nachdem ich so weit gekommen war, ließ mich das Thema nicht mehr los und ich begann im Internet nach Möglichkeiten zu suchen, wie ich diese Energie für mich verwerten konnte. Mit einem passenden Wechselrichter könnte ich sie direkt über eine Balkonsteckdose in mein Hausnetz einspeisen, aber das ginge bei mir mit 2.400 Watt deutlich über die erlaubten 600 Watt hinaus.

Ein anderes Problem ist die Ungleichmäßigkeit der Sonneneinstrahlung und deren völlige Abwesenheit bei Nacht. Keine guten Eigenschaften, um autark zu werden. Die Lösung dieser Unzulänglichkeiten liegt im Einsatz eines Energiespeichers.

Meine zwölf Solarpanels mit 2,4 kWp sind allerdings deutlich weniger als die für ein Einfamilienhaus durchschnittlich veranschlagten 5 bis 10 kWp(öffnet im neuen Fenster) . Da ich sehr viel Zeit an meinem Desktop-PC verbringe, dieser im Leerlauf circa 160 Watt und bei einem 3D-Spiel wie Red Dead Redemption 2 (RDR2) auch gerne mal an die 500 Watt benötigt, rund um die Uhr die Fritzbox angeschaltet ist, der PC einen 4K-Monitor und eine kleine Soundanlage ansteuert, diverse Ladegeräte und ein Haufen kleiner ESP32-Microkontroller betrieben werden wollen, komme ich im Durchschnitt tagsüber auf ungefähr 250 Watt und über Nacht auf circa 80 bis 90 Watt.

Sie benötige ich, um mein Arbeitszimmer und die Internetversorgung für das ganze Haus rund um die Uhr zu betreiben. Das sind ca. 14 h * 160 Watt + 24 * 90 Watt = 4,4 kWh. Das ist in etwa die Hälfte des Stroms, den wir momentan täglich insgesamt benötigen.

Ich hatte ein Ziel! Es wäre schön, wenn zumindest dieser Energiebedarf von meiner Lösung dauerhaft betrieben werden könnte.

Auf der Suche nach dem richtigen Energiespeicher

Dazu brauche ich aber wie erwähnt einen Energiespeicher. Grundsätzlich ist ein Energiespeicher eine Möglichkeit, gerade erzeugte und im Moment nicht benötigte Energie zu sammeln und aufzubewahren ( Energy Harvesting(öffnet im neuen Fenster) ), bis sie tatsächlich gebraucht wird. Es könnte ein Pumpspeicherkraftwerk(öffnet im neuen Fenster) sein oder eine Powerbank.

Bei diesem Thema hätte ich sehr gerne auf einen erfahrenen Mitarbeiter des Solarunternehmens gesetzt, aber wie gesagt, der meldete sich nicht mehr. Ich wusste, dass es schon lange Energiespeicher für Häuser gibt, unter anderem auch von Tesla, hatte aber überhaupt keine konkreten Informationen. Vor allem hätte ich gerne gewusst, wie viel Wattstunden (Wh) sie jeweils speichern können und wie viel sie kosten. Außerdem hatte ich Sorge, dass ich sie selbst nicht anschließen konnte oder durfte, also einen Elektriker benötigen würde.

Monster Powerbanks

Da stieß ich auf die EcoFlow DELTA Pro(öffnet im neuen Fenster) und die Bluetti EP500 Pro(öffnet im neuen Fenster) . Sie werden als Powerstation oder als Solargenerator beworben. Soweit ich das verstehe, sind sie eine Weiterentwicklung der fetten Powerbanks, die diese Firmen in den letzten Jahren für den Einsatz in einem Van oder für den Einsatz beim Camping konstruiert haben.

Bei den bisher schon von diesen Unternehmen vertriebenen Powerbanks geht es nicht um Spielzeugelektronik. Die Camping-Powerbanks können meist 220 Volt generieren. Werden bei der Konstruktion oder der Herstellung Fehler gemacht, kann das Menschenleben kosten. Darum nehme ich an, dass bei der Herstellung dieser Energiespeicher schon eine gewisse Qualitätskontrolle stattfindet. Leider ist mir kein solches Produkt von einem Hersteller aus Deutschland bekannt.

In vielen Punkten sind sich die beiden Powerbanks sehr ähnlich. Beide setzen LiFePO4-Akkus ein, haben Eingänge sowohl für Netzstrom als auch für Solarpanels, können Wechselstrom in ordentlicher Menge produzieren und haben eine Menge Anschlüsse, um alle möglichen Geräte mit Strom zu versorgen.

Die Bluetti EP500 Pro kann man sich wie eine sehr, sehr große Powerbank vorstellen. Sie hat auch tatsächlich alle Features, die moderne Powerbanks besitzen, wie zum Beispiel USB-Anschlüsse mit verschiedenen Technologien wie USB-C mit zweimal 100W und zweimal USB-A mit 2-facher Schnellladung und 36 W insgesamt. Auf der Oberseite gibt es sogar zwei drahtlose Ladestellen für passende Smartphones.

Aber aufgrund ihrer Größe und der damit verbundenen riesigen Speicherkapazität kann sie auch Verbraucher, die deutlich mehr Strom als Smartphones benötigen, längere Zeit mit Energie versorgen. Dafür hat sie im Gegensatz zu den meisten kleinen Powerbanks noch einen Wechselrichter eingebaut.

Die EP500 Pro hat eine größere Kapazität als die EcoFlow DELTA Pro(öffnet im neuen Fenster) , ist dafür aber sehr schwer (45 gegen 83 kg). Es gibt jedoch einen ganz bestimmten Grund, warum ich mich für die Bluetti entschieden habe. Um den Vorteil zu verstehen, ist es wichtig, den Solareingang der beiden Powerbanks zu vergleichen:

Vergleich EcoFlow DELTA Pro und Bluetti EP500 Pro
Bezeichnung Kapazität Lebensdauer Akku Solarladeeingang
EcoFlowDELTA Pro 3.600 Wh 6.500 Zyklen bis 50 % Max. 1.600 W,Eingangsspannung: 11 – 150 V, 15 A
BluettiEP500 Pro 5.120 Wh 3.500+ Zyklen bis 80 % Max. 2.400 W,Eingangsspannung: 12V - 150V (max. 2 x 12A)

Wie man sofort erkennen kann, könnte die DELTA Pro die bei vollem Sonnenschein von meinen Solarpanels maximal möglichen 2.400 Watt gar nicht komplett verarbeiten. Ich könnte natürlich weniger Solarpanels kaufen, würde dann aber wertvolle Dachfläche verschwenden.

Bei den von mir ausgewählten Solarpanels hat jedes einzelne eine Nennspannung von 20,1 Volt und einen Nennstrom von 9,95 Ampere. Grundsätzlich habe ich die Möglichkeit, die Solarpanels nach Belieben zu verbinden, um so durch Reihen- oder Parallelschaltung genau die Spannung und den Strom zu bekommen, den ich benötige. Es stellt sich überhaupt die Frage, wie ich die Solarpanels verbinden muss, um zu Werten zu kommen, die mit den Powerbanks kompatibel sind.

Dazu ein Beispiel: Schalte ich alle Solarpanels in Reihe, haben sie zusammen 12 mal 20 Volt = 240 Volt – zu viel für die Solareingänge der beiden Powerbanks. Schalte ich alle parallel, so haben sie zwar nur 20 Volt, aber dafür im Maximalfall 12 mal 10 Ampere = 120 Ampere.

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Die Lösung sind zwei Reihen von jeweils sechs in Reihe geschalteten Solarpanels, die wiederum parallel geschaltet werden. Das ergibt dann 6 mal 20 = 120 Volt und 20 Ampere. Vom Strom her etwas zu viel für die DELTA Pro, aber genau passend für die EP500 Pro! Wobei die EP500 Pro gar keinen einzelnen Eingang dafür hat. Sie bietet ein spezielles Kabel an, das an einem Ende vier MC4(öffnet im neuen Fenster) hat und am anderen einen vierpoligen Stecker, der in der EP500 Pro in eine passende Buchse passt.

Bluetti EP500 Pro: mehr als ein Energiespeicher

Die Aussage, dass die EP500 Pro ein Energiespeicher ist, wird ihr eigentlich nicht gerecht. Denn genau genommen ist ein Energiespeicher einfach nur ein Akkumulator, wie zum Beispiel eine Autobatterie. Die EP500 Pro hingegen ist weit mehr. Ohne hineinzusehen, kann ich aus ihren Möglichkeiten folgende Komponenten ableiten:

  • Akkumulator
  • Batteriemanagementsystem (BMS)
  • Netzteil bzw. Gleichrichter für den herein kommenden Netzstrom
  • Ladecontroller für den herein kommenden Netzstrom
  • Ladecontroller für den herein kommenden Solarstrom
  • MPPT(öffnet im neuen Fenster) -Tracker (möglicherweise sogar 2)
  • einen Wechselrichter
  • verschiedene Wandler, um aus der Akkuspannung passende Werte für die vielen USB- und 12 Volt-Anschlüsse zu erzeugen
  • eine übergeordnete Steuereinheit zur Überwachung aller Funktionen
  • ein Display zur Bedienung und zur Anzeige wichtiger Daten

Kaufe ich mir tatsächlich nur einen Energiespeicher in Form eines Akkumulators, müsste ich die anderen Komponenten dazu kaufen und alles selbst sinnvoll zusammenschalten. Das traue ich mir noch nicht zu.

Die EP500 Pro kann 5.120 Wh speichern. Der eingebaute Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator(öffnet im neuen Fenster) (LFP oder LiFePO4) ist besonders langlebig und sicher. Er kann sowohl mit Netzstrom (3.000 Watt), als auch über Solarpanels (max. 2.400 Watt) geladen werden. Sogar beides gleichzeitig ist möglich und ermöglicht dann eine Ladung mit 4.000 Watt, was bedeutet, dass er im Idealfall in weniger als zwei Stunden wieder aufgeladen ist.

Die gespeicherte Energie kann auf viele Arten wieder abgegeben werden. Bei AC-Nutzung können über drei eingebaute Steckdosen bis zu 3.000 Watt gleichzeitig verbraucht werden. Die bei vielen Geräten deutlich höhere Startleistung kann bis zu 6.000 Watt betragen.

Beworben wird die EP500 Pro damit, sie sei "gebaut, um den Stromausfall zu überdauern" und auf dieser Seite wird gezeigt(öffnet im neuen Fenster) , wie verschiedene Geräte wie lange mit der EP500 Pro betrieben werden können. Mein Hauptziel mit dem Einsatz der EP500 Pro ist es aber nicht nur, den Stromausfall zu überdauern, sondern bis dahin möglichst viel gekauften Strom zu sparen und in gewissem Maß autark zu sein.

Die EP500 Pro hat folgende Anschlüsse für die Stromentnahme:

Anschlüsse der EP500 Pro
Zigarettenanzünderanschluss 1* 12 V DC / 10A
DC 5521 2* 12 V DC / 10A Hierbei handelt es sich um zwei Buchsen für Hohlstecker. Die Zahl gibt die Innendurchmesser für Buchse und Stecker an.
USB-A 2* 5 V DC / 3A total
USB-A (Schnellladung) 2* 3.6-12 V DC / 36W
USB-C (Typ-C) 2* 20 V DC / 5A; 5-15V DC / 3A
Kabelloses Ladepad 2* 5 W / 7.5 W / 10 W / 15W
Wohnmobil-Anschluss 1* 12 V DC / 30A, 418 W load, 2S

Gesamtkosten

  • 12 Solarpanels mit 200 Watt für zus. 1.478,40 Euro
  • 2 mal 20 m Solarkabel 6mm² inkl. beidseitig Solarstecker für zusammen 52,50 Euro
  • 2 mal 5 m Solarkabel 6mm² inkl. beidseitig Solarstecker für zusammen. 37,50 Euro
  • Bluetti EP500 Pro für 5.399,- Euro

Macht zusammen: 6.967,- Euro.

Lieferung: ab dem Carport selbst tragen

Die Lieferung der zwölf Solarpanels sowie der Bluetti EP500 Pro erfolgte in beiden Fällen über einen speziellen Lieferdienst und die gut verpackte Ware wird mir jeweils bis zum Carport gebracht. Von da muss ich selbst sehen, wie ich sie zum eigentlichen Zielort bekomme.

Bei der über 120 kg schweren Holzpalette mit zwölf jeweils einzeln in einem Karton verpackten Solarpanels ist das relativ einfach. Ich packe die Solarpanels einzeln aus, bringe sie bis zum Schuppendach und stelle sie hochkant ab. Später klettere ich auf das Dach, ziehe die Panels einzeln hoch und platziere sie gemäß meinem Plan. Anschließend verbinde ich durch einfaches Zusammenstecken der MC4-Stecker und Buchsen jeweils sechs Panels direkt in Reihe.

Erst jetzt realisiere ich, dass die Panels nach dem Zusammenstecken auf den Kabeln liegen. Das ist weder optisch schön noch sinnvoll, weil so möglicherweise im Lauf der Zeit die Kabel beschädigt werden. Darum entwerfe ich mit FreeCAD einfache Abstandshalter und drucke in den folgenden Tagen 72 Stück davon mit dem 3D-Drucker aus.

Die 83 kg schwere Bluetti schiebe und hebele ich mit einiger Mühe die beiden Stufen zur Haustüre hoch und anschließend in den Flur. Dort packe ich sie aus und stelle sie auf ihre Rollen. Jetzt ist es etwas einfacher und ich kann sie mühelos im Raum platzieren. Nun kann ich es kaum erwarten, das Gerät auszuprobieren und schalte die Bluetti zum ersten Mal ein. Sie ist mit 69 Prozent geladen. Aber so ohne weitere Funktion ist es langweilig.

Erste Tests

Ganz kurz probiere ich das beiliegende AC-Ladekabel aus, woraufhin die Bluetti mit ca. 2.000 Watt geladen wird. Das mache ich aber nur ein paar Sekunden lang. Für mich ist ja der Sinn und Zweck des Gerätes das Aufladen über Sonnenenergie. Die große Stunde für meine restlichen Kabel! Mit je zwei 5-m-Kabeln bringe ich die am weitesten entfernten Pole der Reihenschaltung in die Nähe der zugehörigen Gegenpole. Dann mit zwei weiteren 20-m-Kabeln bis zur Bluetti. Wegen der Länge nehme ich extra 6 mm² dicke Kabel, so dass die Leitungsverluste möglichst gering sind.

Just, als ich die erste Reihe mit sechs Solarpanels anstecke, verdunkelt eine Wolke den Himmel. Der im Display erschienene Wert von etwa 200 Watt ist zwar okay, aber nicht gerade berauschend. Da schiebt sich die Wolke weg und ich habe gleich Werte um die 800 Watt. Ich freue mich und stecke gleich die andere Reihe mit Solarpanels auch an. Schon sind es rund 1.600 Watt. Nicht schlecht für einen ersten Test. Es dauert auch nicht lange und die EP500 Pro ist komplett aufgeladen.

Jetzt würde ich gerne schon einmal meinen Desktop-PC anstöpseln, aber der steht im ersten Stock und alleine bekomme ich die EP500 Pro auf keinen Fall die Treppe hoch. Erst am Abend kommt meine Frau nach Hause und wir wuchten das Teil mühevoll Stufe für Stufe die Treppe hoch. Das ist wirklich anstrengend und ich habe schon Angst vor dem Tag, wenn wir die EP500 Pro in den Keller bringen müssen, um sie dort an den Hausverteiler anzuschließen.

Nachdem sie oben ist, muss ich noch einmal neu mit der Kabelverlegung beginnen. Anfangs lege ich das Anschlusskabel jeden Tag durch die geöffnete Balkontür. Später kaufte ich mir noch einmal extra ein paar Meter 4 mm² dicke Kabel und schob das durch die Lüftungsschlitze der Balkontür hindurch. An die Enden crimpe ich noch passende MC4-Stecker. So bleibt eine dauerhafte Verbindung und ich kann die Balkontür öffnen und schließen, wie ich möchte.

Doch bevor es so weit ist, löse ich den Stecker der Vielfachsteckdose mit dem eingesteckten Desktop-PC, dem 4K-Monitor, der Soundanlage, der Schreibtischlampe und dem USB-Hub aus der Wand und stecke sie in eine der Schuko-Steckdosen in der EP500 Pro. Noch ein Druck auf die AC-Touchfläche auf dem Display der EP500 Pro und der PC fährt hoch. Dabei gibt es keinerlei Auffälligkeiten, der Desktop-PC lief einfach so wie immer.

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In diesem Zustand lasse ich die Bluetti dann für den Rest des Tages laufen. Ich bin mir aber beim zu Bett gehen nicht sicher, ob ich den riesigen Akku tatsächlich alleine lassen kann und schalte ihn aus. Am nächsten Tag entschließe ich mich, auch den Energiehunger der restlichen Stromverbraucher wie Fritzbox und Ladegeräte von der Bluetti stillen zu lassen.

So habe ich jetzt einen durchschnittlichen Verbrauch von etwa 250 Watt für meinen Arbeitsraum. Und ich lasse die EP500 Pro auch nachts an, so dass die Fritzbox, wie bisher auch, rund um die Uhr mit Strom versorgt wird. In Verbindung mit den restlichen Verbrauchern werden so auch über Nacht circa 80 bis 90 Watt verbraucht.

Jetzt wird alles drangehängt

Da die Bluetti nun im ersten Stock ist, viele interessante Verbraucher aber im Erdgeschoss sind, schließe ich ein langes Verlängerungskabel an die Bluetti an und lege es quer durchs Haus ins Erdgeschoss. Auch meine Frau ist mittlerweile interessiert und probiert jedes in der Küche befindliche Gerät aus. Bei diesen Tests ist mein Arbeitszimmer mit konstant ungefähr 250 Watt Grundlast involviert.

Zuerst kommt die Kaffeemaschine dran. Sie scheint im ersten Moment zwar mit circa 800 Watt viel zu verbrauchen, aber doch nicht so viel wie wir dachten. Aber als sie dann mit Druck den Kaffee in die Tasse presst, geht der Verbrauch auf circa 1.500 Watt hoch. Mutig geworden starten wir die Mikrowelle samt eingebautem Ofen, was die Bluetti mit einem Piepsen kommentiert. Sie moniert die mit circa 3.300 Watt eindeutig zu hohe Last, doch wir reagieren dummerweise nicht darauf und einige Minuten später schaltet sie den Wechselspannungsausgang gemäß ihrer Spezifikation komplett ab. Und damit leider auch meinen Desktop-PC aus. Hätten wir vorher ins Handbuch gesehen, wäre uns das nicht passiert:

Spezifikation laut Handbuch
Nennausgangsleistung Haltedauer
3100 W < Belastung < 3750 W 2 min
3750 W < Belastung < 4500 W 5 s
4500 W < Belastung < 6000 W 500 ms

Zum Glück ist nichts Schlimmes passiert. Ich schalte den Wechselstromausgang und meinen Desktop-PC wieder ein und wir vermeiden es ab jetzt, den Backofen zusätzlich zur Mikrowelle zu aktivieren. Ohne gleichzeitig eingeschalteten Desktop-PC könnte die Kombination aus Mikrowelle und Ofen aber vielleicht doch funktionieren.

Als nächstes probiere ich unseren Staubsauger aus, der mit ungefähr 600 Watt kein Problem für die EP500 Pro darstellt. Auch die Spülmaschine läuft komplett problemlos, nur bei den kurzzeitigen Heizphasen zieht sie etwas über 2.000 Watt.

Ein Entsafter mit circa 500 Watt und ein Wasserkocher mit circa 2.000 Watt sind anschließend natürlich auch kein Problem mehr.

Sommeralltag: Es läuft. Aber wie wird es im Winter?

Mit der bisher beschriebenen Konfiguration verwende ich die Bluetti jetzt seit 14 Tagen. Dabei konnte ich bei mir folgendes generelle Verhalten beobachten: Morgens ist die EP500 Pro auf etwa 65 bis 80 Prozent entladen, je nachdem, wie intensiv ich den Desktop-PC am Abend noch verwendet habe (RDR2 treibt den Energieverlust hoch), da bei mir ab circa 17 Uhr kaum noch Sonnenlicht auf die Solarpanels fällt.

Während ich schlafe, verbrauchen die Fritzbox und die noch angeschlossenen Ladegeräte kontinuierlich 80 bis 90 Watt. Dazu kommt noch der Eigenverbrauch der EP500 Pro. Ab ungefähr 8:30 Uhr kommen über 250 Watt rein und ab 9 Uhr über 700 Watt, die sich im Verlauf der nächsten Stunden bei wolkenlosem Himmel bis auf manchmal über 2.000 Watt steigern (Anfang August).

So wird die EP500 Pro im Verlauf des Vormittags wieder aufgeladen und ist meist lange vor 12 Uhr wieder bei 100 Prozent. Die hält sie dann mühelos über die Mittagszeit. In dieser Zeit kann ich auch viele der Hochstromverbraucher wie Spülmaschine und Mikrowelle verwenden.

Manchmal sinkt dabei die zur Verfügung stehende Kapazität wieder etwas, da aber bei viel Sonnenlicht gleichzeitig zwischen 1.000 und 2.000 Watt von den Solarpanels reinkommen, ist die EP500 Pro meist nach kurzer Zeit wieder voll. Sicher wird das in einer Regenphase oder im Winter anders sein.

Wie wird der Winteralltag?

In der Winterzeit ist es sehr wahrscheinlich, dass die EP500 Pro zeitweise nicht genügend Sonnenenergie zugeführt bekommt. In diesem Fall würde der eingebaute Akku irgendwann leer sein.

Darum ist es sinnvoll, im Winter die EP500 Pro nicht nur über die Solarpanels, sondern zusätzlich auch an das Hausnetz anzuschließen und sie darüber aufzuladen zu lassen. Sollte doch einmal die Sonne scheinen, so hätte ich davon leider nichts, da die EP500 Pro bedingt durch den Anschluss ans Hausnetz dann sowieso immer voll sein wird und so durch die gleichzeitig angeschlossenen Solarpanels gar nicht mehr geladen werden kann. Zum Glück gibt es dafür eine Lösung.

Bisher habe ich alle Experimente im beim ersten Einschalten standardmäßig eingestellten Standard-USV-Modus gemacht. Im Gegensatz zur dort beschriebenen Aussage, dass in diesem Modus die EP500 Pro nur mit Netzenergie verwendet wird, habe ich stattdessen ausschließlich meine Solarpanels (PV) angeschlossen. Das hat wunderbar funktioniert, führt aber eben auch dazu, dass bei nicht genügender Sonnenenergie die EP500 Pro irgendwann leer ist und dann die angeschlossenen Verbraucher abschaltet!

Es gibt aber insgesamt vier verschiedene Modi:

Standard-USV-Modus: voreingestellter Modus. Dieser Modus ist vermutlich für viele Anwender das Hauptfeature. Dabei wird die EP500 Pro mit einem normalen Netzanschluss verbunden und die zu sichernden Geräte, zum Beispiel ein Desktop-PC, an die EP500 Pro. Die EP500 Pro versucht immer, egal ob über das öffentliche Netz oder über angeschlossene Solarpanels, den eingebauten Akku auf 100 Prozent vollzuladen und den Ladezustand anschließend zu halten. Angeschlossene Verbraucher werden dynamisch durch die Pass-Through-Funktion mit Strom versorgt. Fällt der Strom aus, so werden angeschlossene Verbraucher automatisch über den eingebauten Akku weiter mit Strom versorgt, bis der Akku leer ist. Ich habe das ausprobiert, meinen Desktop-PC eingeschaltet und anschließend die Stromversorgung zwischen der EP500 Pro und dem Netz wieder getrennt. Tatsächlich lief mein Desktop-PC anschließend weiter.

Zeitgesteuerter USV-Modus: Dieser Modus ist beim überwiegenden Einsatz mit dem öffentlichen Netz interessant. Und zwar vor allem dann, wenn zu verschiedenen Zeiten der Strom unterschiedlich viel kostet. Es lassen sich bis zu sechs verschiedene Zeiträume definieren, in denen die EP500 Pro gezielt geladen oder aber entladen wird. Dadurch wird es möglich, einen zu einer bestimmten Zeit niedrigen Strompreis zum Laden zu verwenden und/oder angeschlossene Verbraucher zu einer bestimmten Zeit mit Strom zu versorgen.

PV-Prioritäts-USV-Modus: Dieser Modus ist ideal für das oben erwähnte Problem. Hier kann der SoC-Wert angegeben werden, bis zu dem die EP500 Pro entladen wird. Damit der Modus sinnvoll eingesetzt werden kann, sollten sowohl das öffentliche Netz als auch die Solarpanels angeschlossen sein. Im Normalfall sorgen die angeschlossen Solarpanels für einen immer genügend geladenen Akku, sollte aber zum Beispiel mehrere Tage kein Sonnenlicht auf die Panels fallen und der SoC auf den eingestellten Wert fallen, wird der Akku automatisch durch das öffentliche Netz auf dem eingestellten SoC-Wert gehalten, so dass angeschlossene Verbraucher nicht abgeschaltet werden und auch in einem Notfall noch etwas Energie für eine Notversorgung übrig ist!

Angepasster USV-Modus: Hier können alle Werte nach Belieben individuell eingestellt werden.

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Was noch aufgefallen ist

Hängt die EP500 Pro einfach nur am Netz, scheint sie ungefähr 17 Watt zu verbrauchen. Ist der AC-Anschluss aktiviert (aber noch nichts angeschlossen), habe ich ungefähr 50 Watt gemessen. Eine für den Leerlauf nicht unerhebliche Last, die natürlich auch dafür sorgt, dass die EP500 Pro nach einigen Tagen leer ist.

Merkwürdig war dabei die Tatsache, dass laut Display die verbrauchenden Watt größer waren als die durch das Netzkabel hereinkommenden. Und auch das an die für den Eingang zuständige Steckdose eingesteckte Wattmeter zeigte nochmals weniger an! Erklären würde sich das dadurch, dass eben der Akku an der Stromversorgung des angeschlossenen Geräts mit beteiligt ist. Nach einiger Zeit stiegen die angezeigten Watt an der Anzeige für den AC-Eingang auf über 2.000 Watt an, die Kapazitätsanzeige war auch tatsächlich auf 99 Prozent hinuntergegangen und wurde offensichtlich wieder über den AC-Eingang geladen.

Durch die Pass-Through-Ladefunktion für AC- und DC-Ausgänge sollte der Akku der EP500 Pro nach Ladeschluss nicht mehr geladen werden. Andererseits muss die Steuerung der EP500 Pro ja immer laufen und nicht nur, wenn der Netzstrom angestöpselt ist. Also wird der Akku vermutlich tatsächlich immer ein wenig belastet und muss darum von Zeit zu Zeit wieder nachgeladen werden.

Gleichstrom, Wechselstrom, Wechselrichter

Tatsächlich verwendbare Kapazität bei Gleichstrom

Angeblich ist die DoD(öffnet im neuen Fenster) bei der EP500 Pro auf zehn Prozent eingestellt! Das heißt, es stehen nur 90 Prozent der Akkukapazität tatsächlich zur Verfügung!

5.120 Wh * 0,9 (DoD) = 4.608,00 Wh

Tatsächlich verwendbare Kapazität bei Wechselstrom

Wechselstrom muss aus Gleichstrom künstlich erzeugt werden. Die Erzeugung übernimmt der Wechselrichter, der dabei allerdings selbst Strom verbraucht. Im Handbuch wird dabei in Kapitel 9.3 ein Wirkungsgrad von 90 Prozent angenommen, was zu folgender Formel führt:

5.120 Wh * 0,9 (DoD) * 0,9 (Wirkungsgrad Wechselrichter) = 4.147,20 Wh

Versuche zum Wirkungsgrad des Wechselrichters

Im deutschen Handbuch gibt es im Kapitel 9.3. "So berechnen Sie die Betriebszeit" folgende Formel:

5.120 Wh * DOD * η / (load W) = operation time (unit: hour/time)

Aus der Formel schließe ich, dass ich mit 5.120 Wh * DOD * η die nutzbare Kapazität beim Abruf von Wechselspannung (AC) berechnen kann. Bluetti geht im Beispiel davon aus, dass die DoD auf 90 Prozent gesetzt ist und der Wirkungsgrad des Wechselrichters ebenfalls 90 Prozent beträgt.

Das macht also 5.120 * 0,9 * 0,9 = 4.147,20 Wh tatsächliche Kapazität! Das ist schon deutlich weniger als der beworbene Wert. Was leider die übliche Methode bei der Bewerbung von Powerbanks ist.

Ich möchte den Wert verifizieren. Ich lade die EP500 Pro auf 100 Prozent und entferne dann sämtliche Stromzuführungen. Was bei mir nur das Trennen der Solarpanels bedeutet. Anschließend verwende ich die Bluetti so, wie ich mir das in etwa für die nächsten Jahre vorstelle. Also eine rund um die Uhr angeschlossene Fritzbox plus einige Ladegeräte, die zusammen circa 90 Watt verbrauchen, einen circa 12 Stunden angeschlossenen Desktop-PC mit 4K-Monitor, Soundanlage, einer Handvoll ESP32-Controller und einem USB-Hub mit einem Verbrauch von circa 170 Watt im Leerlauf und über 400 Watt, wenn ein 3D-Spiel wie Red Dead Redemption 2 (RDR2) läuft.

Nach etwas über einem Tag schaltet die Bluetti ohne Vorwarnung einfach ab. Auf dem eingesteckten Testgerät steht eine verbrauchte Kapazität von 3.564 Wh. Das ist ernüchternd. Hat die Bluetti überhaupt 5.120 Wh? Oder sollte der Wechselrichter einen so schlechten Wirkungsgrad haben?

Bei einer zweiten Messung lasse ich es nicht so weit kommen, dass die EP500 Pro den AC-Ausgang automatisch abschaltet. Bei einer Restkapazität von einem Prozent beende ich den Test und führe Netzstrom zu. Am Ende des Tests steht auf der Anzeige des Messgeräts ein Wert von 3,8 kWh. Die Einheiten der beiden Messungen sind unterschiedlich, da ich zwei verschiedene Messgeräte verwendet habe und diese die Wattstunden unterschiedlich anzeigen.

Hinweis zu den Messungen: Für die erste Messung habe ich das alte Voltcraft Energy Check 3000 verwendet, dem in der c't 24/2008 noch eine gute Genauigkeit bestätigt wurde. Da ich mir aufgrund des Alters nicht sicher war, ob das Gerät auch heute noch ausreichend genau ist, suchte ich für eine zweite Messung nach einem aktuellen Gerät. In der c't 1/2020 schnitt das TS Electronic 45-25111 hervorragend ab. Leider konnte ich es nirgendwo bestellen. Bei Conrad gibt es aber ein Brennenstuhl EM 231, das zum 45-25111 absolut identisch aussieht. Das habe ich gekauft und für die zweite Messung verwendet.

Ich berechne die tatsächlich zur Verfügung stehende Kapazität ausgehend von einer DoD von 90 Prozent:

5.120 Wh * 0,9 = 4.608 Wh

Ich subtrahiere den gemessenen Wert von den theoretisch zur Verfügung stehenden Wattstunden:

4.608 Wh – 3.564 Wh = 1.044

1.044 Wh gehen für den Betrieb des Wechselrichters drauf.

Macht einen Wirkungsgrad von 100 – 1.044 / 4.608 * 100 = 77,34 Prozent

Messungen zum Wirkungsgrad
Gemessene Wh Verbrauch Wechselrichter in Wh Berechnung Wirkungsgrad Wirkungsgrad η
Messung 1 3.564 4.608 Wh – 3.564 Wh = 1.044 100 – 1.044 / 4.608 * 100 77,34 %
Messung 2 3.800 4.608 Wh – 3.800 Wh = 808 100 – 808 / 4.608 * 100 82,47 %

Anschließend suchte ich im Internet nach einer Bestätigung dieser Werte und fand auf Youtube ein Testvideo(öffnet im neuen Fenster) eines Prototyps, das mit der, mit meiner EP500 Pro verwandten, EP500 (ohne Pro) durchgeführt wurde. Beide haben die gleiche Akkukapazität von 5.120 Wh. Im Video wird ebenfalls ein Test der Kapazität durchgeführt. Dabei kommt der Anwender auf einen Wert von 4.292 Wh (bei Minute 5:37), was sogar über dem berechneten Wert aus dem Handbuch liegt.

Allerdings wird der Test mit nur 120 Volt und dem Abruf von relativ kontinuierlichen 1.300 Watt durchgeführt. Und hat damit auch nur etwas über drei Stunden benötigt. Dabei beträgt der Wirkungsgrad des Wechselrichters 93,14 Prozent. Dieser Wert deckt sich mit den üblichen Werten moderner Wechselrichter, während die von mir ermittelten Werte deutlich schlechter sind.

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Möglicherweise ist der krasse Unterschied zwischen der im Handbuch dargestellten Kapazität von 4.147,20 Wh mit der tatsächlich zur Verfügung stehenden Kapazität von 3.800 Wh auf die andere Spannung und den deutlich höheren Abruf von Leistung zurückzuführen.

Betriebsgeräusch und Temperaturverhalten

Die EP500 Pro ist bei meinem Einsatzszenario über längere Zeiträume völlig lautlos. Nicht einmal ein Fiepen konnte ich bis jetzt feststellen. Das kann aber auch an meinen alten Ohren liegen. Von Zeit zu Zeit gehen zwei Lüfter an. Einer zieht die Luft von der Frontplatte ins Gehäuse hinein und ein zweiter drückt sie am Heck wieder hinaus.

Das macht soweit einen guten Eindruck, denn es dürfte so ein schöner Luftsog entstehen, der die Elektronik im Innern gut kühlen kann. Das die Lüfter tatsächlich auch längere Zeit ausbleiben, deutet darauf hin, dass die Elektronik so gut konstruiert ist, dass sie nicht von sich aus übermäßig viel Wärme erzeugt. Meine Tests waren mitten in der extremen Sommerhitze, so dass die EP500 Pro da auf jeden Fall nichts zu lachen hatte. Es scheint aber so zu sein, dass die Lüfter öfters ansprechen, wenn von den Solarpanels viel Strom hereinkommt, aber auch wenn viel Strom abgerufen wird, zum Beispiel beim Backen.

Wenn die Lüfter laufen, so verbreiten sie zum Glück kein hochfrequentes Kreischen oder Jaulen, sondern das erzeugte Geräusch ist angenehm tief. Es ist aber doch so laut, dass es beim Spielen oder Filmschauen auf dem Desktop-PC stört. Ich bin gespannt, ob die Lüfter in den kälteren Jahreszeiten ausbleiben. Falls nicht, kann die Bluetti jedenfalls nicht dauerhaft in meinem Arbeitszimmer stehen bleiben.

Das Gehäuse wird an manchen Stellen minimal warm, was im Winter möglicherweise von Vorteil ist. Wenn die Lüfter an sind, riecht es im Zimmer nach etwas Kunststoff und Elektronik. Ich hoffe, dass das nur am Anfang so ist und sich im Laufe der Zeit verflüchtigt.

Möchte ich den Energiespeicher nicht nur zur Notstromversorgung einsetzen, sondern auch zum Energiesparen, so muss er rund um die Uhr laufen. Und dies einige Jahre lang. Bluetti gibt fünf Jahre Garantie und schreibt auf der Webseite, dass die Lebenserwartung der Elektronik 50.000 Stunden sei. Das sind nur 50.000 / 24 / 365 = 5,71 Jahre!

Die Zahl macht mich gerade etwas nachdenklich. Muss ich mir nach fünf Jahren einen neuen Energiespeicher kaufen? Muss ich die schwere (83 kg) Bluetti EP500 Pro zur Überarbeitung einsenden? Oder muss ich sie als Elektronikschrott oder gar Sondermüll entsorgen? Das wäre nicht so ganz das, was ich von so einem Gerät erwartet habe.

Wie sieht es mit der Amortisation aus?

Szenario 1

Auch die Amortisierung wird unter diesem Aspekt möglicherweise schwierig bis ganz unmöglich. Angenommen der Grundverbrauch in meinem Arbeitszimmer liegt bei 50 Watt und mein PC ist zusätzlich noch einmal zwölf Stunden jeden Tag an:

365 Tage * 24 * 50 W
und
365 Tage * 12 * 200 W
ergibt
3.600 Wh.

3.600 Wh * 365 Tage = 1.314.000 Wh

1.314 kWh * 0,31 Euro = 407,34 Euro

Dann sind das 407 Euro pro Jahr und ich bräuchte 17 Jahre (!), bis sich die ganze Sache amortisiert hat. Sollten sich die Stromkosten ab jetzt erhöhen, was gar nicht so unwahrscheinlich ist, dann wird es natürlich schneller gehen. Aber bei einer Lebenserwartung von unter sechs Jahren wird sich die EP500 Pro gar nicht amortisieren. Jetzt wird womöglich klarer, warum Bluetti auf seiner Seite vor allem das Thema Stromausfall und das gute Gewissen, weniger CO2 zu produzieren, hervorhebt ... Wobei gerade Letzteres auch wieder infrage steht, da zur Herstellung ja sicher einiges an CO2 benötigt wurde.

Szenario 2

Die oben berechneten 3.600 Wh pro Tag kommen aber gar nicht komplett vom Akku, sondern werden zumindest jetzt im Sommer einfach direkt von den Solarpanels entnommen. Möglicherweise könnte ich das Doppelte verbrauchen und die EP500 Pro wäre immer noch nicht an ihrer Kapazitätsgrenze. Andererseits muss ich dann auch jeden Tag das Doppelte aufladen und es dauert länger, bis der von den Solarpanels gewonnene Solarstrom alleine zum Verbrauchen zur Verfügung steht. Aber mit dem Doppelten, also 2 * 3.600 Wh = 7.200 Wh, käme ich auf Einsparungen von 814,68 Euro und die Bluetti würde sich schon nach weniger als neun Jahren amortisieren.

Szenario 3

Hier noch ein anderes und durchaus realistisches Szenario: Meine Solarpanels können über Mittag über 2.000 Watt produzieren und haben zu diesem Zeitpunkt die EP500 Pro schon längst wieder aufgeladen. Ich kann jetzt bestimmt über zwei Stunden lang Geräte betreiben, die um die 2.000 Watt herum verbrauchen, wie zum Beispiel eine Getreidemühle, einen Mixer, eine Pumpe zum Bewässern des Gartens, die Waschmaschine oder den bei uns in der Mikrowelle eingebauten Herd. Damit könnten in zwei bis drei Stunden noch einmal 4.000 Wh zusammenkommen.

Wenn ich das zusammen rechne: 3.600 Wh + 4.000 Wh = 7.600 Wh und einmal einen zukünftigen Strompreis von 62 Cent, also dem doppelten meines jetzigen Strompreises, annehme, also 7,6 kWh * 365 Tage * 0,62 Euro, liegt die Ersparnis durch den Einsatz meiner Anlage bei 1.719 Euro! Dann hat sich meine Anlage schon nach vier Jahren amortisiert.

Theoretische Berechnung der mit der Bluetti EP500 Pro möglichen Gesamtersparnis

Bei den Überlegungen zur Amortisation ist mir ein interessanter Gedanke gekommen: Ich habe mir überlegt, wie viel Energie ich innerhalb der garantierten Lebensdauer der Bluetti überhaupt sammeln und verarbeiten könnte!

Also: Fünf Jahre sind 5 * 365 Tage = 1.825 Tage. Die EP500 Pro hat einen leistungsfähigen LiFePO4-Akku eingebaut, der laut Bluetti mindestens 3.500-mal komplett entleert und wieder aufgeladen verwendet werden kann, bis er nur noch eine Leistungsfähigkeit von 80 Prozent hat. Bei nur 1.825-maligem kompletten Ent- und Aufladen nehme ich als Durchschnitt eine Kapazität von 90 Prozent an. Zur Berechnung darf ich aber auf keinen Fall die angepriesenen 5.120 Wh, sondern nur die von mir im günstigen Fall gemessenen 3.800 Wh nehmen. Und davon 90 Prozent. Das sind nur noch 3.420 Wh.

Macht 1.825 * 3.420 Wh = 6.241.500 Wh oder auch 6.241,5 kWh. Das darf jetzt jeder mit dem Kilowattpreis seiner Wahl multiplizieren, um herauszufinden, ob es sich für sie oder ihn lohnt.

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Das ist jetzt natürlich ein bisschen idealisiert betrachtet, nützt aber dennoch für ein besseres Verständnis, was tatsächlich so an Energie umgesetzt wird. Diese Betrachtung unterschlägt auch den Nutzen, den der eingebaute Wechselrichter der Bluetti auch dann noch hat, wenn der Akku schon längst voll ist. Denn auch dann kann ja über Sonnenenergie Strom gewonnen und verbraucht werden und sich so positiv auf die Stromrechnung auswirken.

Das Ding muss ans Haus

Alles in allem funktioniert zumindest jetzt im Sommer mein Setting sehr gut. Nur nerven die quer durchs Haus gehenden Kabel etwas. Die Lösung wäre ein Anschluss der EP500 Pro an unseren Verteilerkasten im Keller. Dazu habe ich einen Elektriker angefragt, der leider erst um die Jahreswende Zeit für mich hat. Aber dann lasse ich mir einen Umschalter vom Netz auf einen zweiten Eingang einbauen, mit dem ich dann die EP500 Pro verbinden kann.

Bluetti bietet dazu in den USA ein sogenanntes Smart Home Panel für 1.499 US-Dollar an, was aber scheinbar zurzeit in Deutschland nicht lieferbar ist. Mir erschließt sich auch nicht, warum die Einspeisung des Stromes von der EP500 Pro ein extra Gerät benötigt, welches noch dazu so teuer ist. Ich bin gespannt, was der Elektriker dazu sagen wird.

Für ein Konkurrenzprodukt gibt es ein Video(öffnet im neuen Fenster) , das einen solchen Umschalter zeigt und wie ein Batteriespeicher die Waschmaschine betreibt. Sollte es aber grundsätzlich möglich sein, wäre es auch sinnvoll, die in unserem Haus auch noch existierenden weiteren ständigen Verbraucher wie Heizung, zwei Kühlschränke und eine Tiefkühltruhe ebenfalls an die EP500 Pro zu hängen. Ich denke, dass das zumindest im Sommer noch gut funktionieren sollte.

Sobald ich sicher bin, wo die Bluetti in Zukunft dauerhaft stehen soll, werde ich die freilaufenden Kabel ordentlich und vermutlich in Kunststoffröhren verlegen.

Fazit: Ziel erreicht, aber was passiert beim Stromausfall?

Mein angestrebtes Ziel, zumindest für mein Arbeitszimmer autark zu werden, habe ich erreicht. Es war in den letzten Wochen absolut problemlos möglich, alle Geräte im Arbeitszimmer, wie schon vor dem Einsatz meiner kleinen Solaranlage, ohne jede Einschränkung zu verwenden. Insbesondere musste ich mich nach der anfänglichen Einrichtung auch absolut nicht mehr darum kümmern. Es funktionierte einfach!

Da ich meine Anlage mit vielen Reserven ausgelegt habe, hoffe ich, dass sie diese Aufgabe auch noch mit dem Beginn des Herbstes erledigen wird. Aber schon jetzt kann ich sehen, wie es jeden Tag etwas länger dauert, bis am Morgen genügend Strom hereinkommt, um den Akku wieder aufzuladen.

Sollte es im Winter knapp werden, werde ich die EP500 Pro zusätzlich zum Solarstrom auch wieder mit dem Netzstrom verbinden und den PV-Prioritäts-USV-Modus einstellen. Damit ist es unmöglich, dass mein Desktop-PC plötzlich abgeschaltet wird, und ich kann im Falle von gelegentlichem Sonnenschein trotzdem von Solarenergie profitieren.

Amortisation

Das Thema Amortisation ist deutlich schwieriger zu beurteilen. Ich müsste schon deutlich mehr Verbraucher mit der EP500 Pro betreiben, um im Verlauf der garantierten Lebensdauer von 5,71 Jahren in die Gewinnzone zu kommen. Das wird wahrscheinlich erst der Fall, wenn es mir gelingt, die EP500 Pro an das Hausnetz anzuschließen.

Andererseits habe ich gesehen, dass ich an sonnenreichen Tagen bei weitem mehr Energie über die Solarpanels hereinbekomme, als ich im Moment sinnvoll verbrauchen kann. Hier würde eine Veränderung der Abläufe bei uns zu Hause möglicherweise sehr viel gekaufte Energie einsparen. Dazu müssten wir einfach viel mehr starke Stromverbraucher, wie die Waschmaschine und die Spülmaschine, um die Mittagszeit herum an der EP500 Pro betreiben.

Dabei wäre die Einsparung dann weniger ein Verdienst der Bluetti als vielmehr der zwölf Solarpanels. Diese Einsparung wäre also auch möglich, wenn ich mir anstatt der Bluetti einen vielfach günstigeren Wechselrichter gekauft hätte. Trotzdem hat es mir jetzt erst die Bluetti möglich gemacht, diese Erfahrungen zu sammeln.

Gelingt es mir, noch mehr Verbraucher anzuschließen, und steigt in der nächsten Zeit der Strompreis, so wird eine Amortisierung innerhalb der Lebensdauer der Bluetti wesentlich wahrscheinlicher.

Stromausfall

Die EP500 Pro hat in Verbindung mit meinen zwölf Solarpanels gezeigt, dass sie kein Spielzeug ist. Sie kann viele der in einem normalen Haushalt üblichen Verbraucher betreiben. Sie wird im Winter bei einem Stromausfall nicht in der Lage sein, ein ganzes Haus – wie vom Netzstrom gewohnt – zu versorgen. Aber sie kann zumindest eine Heizungsanlage einige Tage betreiben und so dazu beitragen, vor Kälte zu schützen. Verzichte ich bei einem Stromausfall auf starke Verbraucher, so kann sie tagelang den Betrieb einer Heizung, von maßvoll eingesetztem Licht, Smartphones, Computern, gelegentlichem Fernsehen, vielleicht auch einmal etwas Wasser für einen Tee oder Kaffee heiß machen, ermöglichen. Das Betreiben von Heizlüftern kann man allerdings vergessen, denn dann wäre der eingebaute Akku nach etwa zwei bis drei Stunden leer.

Ist abzusehen, dass in der Zeit des Stromausfalls zumindest gelegentlich die Sonne scheinen wird, so wird der Akku natürlich auch wieder aufgeladen, und es ist mit einigen Einschränkungen durchaus denkbar, dauerhaft genug Strom für viele wichtige Dinge zu haben.

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Selbst wenn es in der nächsten Zeit keinen Stromausfall gibt, halte ich es langfristig für schwierig, sich den Energieunternehmen einfach so auszuliefern und uns in den nächsten Jahren eventuell einen Strompreis diktieren zu lassen. Und da wir nun schon seit Jahrzehnten in der Lage sind, auch als Privatmensch selbst Energie zu erzeugen, reizte es mich ungemein, es endlich einmal auszuprobieren.

Nachdem ich fast mein ganzes Leben lang Akkutechnologie für Kleinverbraucher wie Smartphones oder GPS-Geräte verwendet habe, war es ein großer Moment für mich, als ich das erste Mal ein für mich wichtiges 220-Volt-Wechselstrom-Gerät, meinen Desktop-PC samt Zubehör, mit Solarstrom versorgt habe. Zurzeit kann ich den Blick kaum von der Wattanzeige der EP500 Pro – oder der zugehörigen Android-App – lassen, da ich mich richtig freue, wenn der Eingangsstrom den gerade verbrauchten Strom übersteigt und die Prozentanzeige der Kapazität nach einer Nacht am nächsten Morgen wieder steigt.


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