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Solarenergie im Winter: Kann ein Balkonkraftwerk als Notstromlösung funktionieren?

Balkonkraftwerke mit Speicher finden eine immer größere Verbreitung. Aber können die kleinen Solarkraftwerke auch im Notfall helfen?
/ Mike Faust
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Balkonkraftwerke mit Speicher eignen sich nur bedingt als Notstromlösung. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)
Balkonkraftwerke mit Speicher eignen sich nur bedingt als Notstromlösung. Bild: Sean Gallup/Getty Images

Stromausfälle sind zum Glück eine Seltenheit geworden. Treten sie dennoch auf, stellt sich schnell die Frage, ob ein Balkonkraftwerk als Notstromversorgung dienen könnte. Eine Ja- oder Nein-Antwort gibt es hier aber nicht, da einige Rahmenbedingungen beachtet werden sollten.

Ein Balkonkraftwerk, auch Steckersolargerät genannt, wird an einen Wechselrichter angeschlossen, der sich mit der Netzfrequenz des Haushalts synchronisiert, nachdem er in eine Steckdose eingesteckt wurde.

In dieser Konstellation wird jegliche erzeugte Energie der Solarpanels entweder direkt verbraucht oder ins Netz eingespeist. Damit der eigene Solarstrom vorgehalten werden kann, ist ein Speicher nötig, der immer dann geladen wird, wenn der Verbrauch geringer ist als die erzeugte Solarenergie.

Wechselrichter synchronisiert mit Netzanschluss

Damit dieser Speicher als Notstromversorgung genutzt werden kann, muss er mit einem Stromanschluss in Form einer Steckdose ausgestattet sein, sich also im Inselbetrieb betreiben lassen. Das ist nötig, weil der Wechselrichter sich bei einem Stromausfall nicht mehr mit dem Stromnetz synchronisieren kann und dementsprechend auch keine Energie in die heimischen Stromkreise einspeist.

Die meisten Lösungen für Balkonkraftwerke mit Speicher für Privatleute sehen vor, dass der Speicher im Freien, in der Nähe der Solarpanels steht. Bei einem Stromausfall müsste also ein Verlängerungskabel von den Geräten, die mit Strom versorgt werden sollen, nach draußen gelegt werden.

Im Sommer mag das eine praktikable Lösung sein, weil bei Tageserträgen von über vier Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak ein stets geladener Speicher im Inselbetrieb genug Energie bereitstellen kann, um dringend benötigte Geräte zu betreiben.

Im Winter sieht alles anders aus

Erkenntnissen einer Studie der Hochschule Trier zum Ertrag von Photovoltaikdachanlagen(öffnet im neuen Fenster) zufolge sind im Winter Tageserträge von ein bis zwei Kilowattstunden pro Kilowatt-Peak möglich, wobei im Süden Deutschlands mit einem höheren Ertrag zu rechnen ist als im Norden.

Mit einer Kilowattstunde ließe sich bereits eine Ladung Wäsche bei 60 Grad waschen, 50 Stunden an einem Laptop arbeiten oder, je nach Gerät, acht Stunden fernsehen. Als Notstromlösung für Stromausfälle im Winter ist eine solche Lösung aber dennoch ungeeignet.

Zum einen müsste der Speicher vorsorglich mit einer Ladebegrenzung versehen werden, damit die wenige erzeugte Energie der Solarpanels im Winter nicht direkt verbraucht, sondern zunächst gespeichert wird. Diese Begrenzung könnte bei einem Stromausfall aufgehoben werden, damit sich die Energie entnehmen lässt.

Ungemütliche Temperaturen in der Wohnung

Im nächsten Schritt müsste aber auch hier wieder ein Verlängerungskabel nach draußen gelegt werden, was in den allermeisten Mietwohnungen nur durch ein geöffnetes Fenster möglich sein und zu ungemütlichen Temperaturen in der Wohnung führen dürfte.

Hinzu kommt, dass die gespeicherte Energie begrenzt ist. In der Zweiraumwohnung des Autors liegt der durchschnittliche Jahresverbrauch bei etwa 3,2 Kilowattstunden pro Tag.

Der Autor war von dem Stromausfall in Berlin im September 2025(öffnet im neuen Fenster) betroffen und hätte mit einem sparsamen Verbrauch und einem 2,8 kWh-Speicher sicherlich auch zwei bis drei Tage überbrücken können.

Dabei darf der Eigenbedarf des Wechselrichters(öffnet im neuen Fenster) , der im Inselbetrieb den nötigen Wechselstrom für Verbraucher bereitstellt, nicht vergessen werden. Bei einfachen Anlagen kann er bei bis zu 50 Watt liegen.

Bei größeren, dreiphasigen Solaranlagen können bis zu 100 Watt benötigt werden. Um Energie zu sparen, deaktiviert ein Golem-Kollege seinen Wechselrichter im Kleingarten und lässt ihn nur bei Bedarf automatisch starten (g+) .

Einen großen Vorteil haben Balkonkraftwerke aber dennoch. Sie werden fast nur noch mit Speicher geliefert und lassen sich ohne große Kenntnisse aufbauen sowie in Betrieb (g+) nehmen.


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