Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Solar im See: Vertikale Solaranlage im Baggersee eingeweiht

Sowohl der Flächenbedarf als auch der Einfluss auf das Ökosystem sollen minimal sein. Der Stromertrag der Solarzellen kann sich dabei sehen lassen.
/ Mario Petzold
10 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Durch die vertikale Ausrichtung wird die Wasseroberfläche nur gering verschattet. (Bild: Sinnpower)
Durch die vertikale Ausrichtung wird die Wasseroberfläche nur gering verschattet. Bild: Sinnpower

In einem Baggersee bei Gilching unweit von München ist eine schwimmende Photovoltaikanlage mit 1,9 Megawatt Leistung in Betrieb genommen worden. Das berichtet unter anderem das PV-Magazine(öffnet im neuen Fenster) .

Zwar gibt es bereits zahlreiche Projekte, bei denen mit schwimmenden Solarzellen Strom auf künstlichen Gewässern erzeugt wird. Bei dem neuen Projekt stehen die Module jedoch senkrecht auf der Wasseroberfläche, was gleich mehrere Vorteile mit sich bringt.

Die Einheiten, die von der Firma Sinn Power stammen, stehen in Reihen mit je 4 m Abstand und befinden sich auf schmalen, 1,6 m tief ins Wasser reichenden Sockeln. Weil die Panele in Ost-West-Ausrichtung stehen, fällt insbesondere in den Mittagsstunden viel Sonnenlicht auf das Wasser. Das ist wichtig für sauerstoffproduzierende Organismen. Der geringe Platzbedarf sorgt außerdem dafür, dass der Sauerstoffaustausch auf der Wasseroberfläche nicht zu sehr gestört wird.

Laut dem Betreiber soll sich die Wasserqualität seit der Inbetriebnahme sogar verbessert haben. Zur Erfassung der nötigen Daten wurden mit Baubeginn Messbojen installiert.

Vorteilhafte Ausrichtung

Mit Strom versorgt werden soll vor allem das lokale Kieswerk, das damit 70 Prozent seines Strombedarfs decken könnte. Die Überschüsse werden ins Stromnetz eingespeist. Insgesamt wird ein Ertrag von 2 Gigawattstunden erwartet, was fast 20 Prozent über dem Ertrag einer durchschnittlichen Solaranlage in Deutschland läge.

Und das, obwohl die Stromerzeugung in den Mittagsstunden komplett entfällt. Dafür wird morgens und abends viel Strom produziert. Die Reflexion des Lichts auf der Wasseroberfläche dürfte zudem für eine Ertragssteigerung gegenüber identisch aufgestellten Zellen an Land sorgen.

Hinzu kommt, dass der eingespeiste Strom morgens und abends wesentlich besser vergütet wird, während in sommerlichen Mittagsstunden bei großen Anlagen wegen Überproduktion sogar Abschaltungen drohen können.

Beweglichkeit schützt vor Schäden

Interessant ist zudem die laut Hersteller hohe Windfestigkeit(öffnet im neuen Fenster) . Kommt der Wind von der Seite, beeinflusst dass die Module wegen der minimalen Seitenfläche fast gar nicht. Weht er von vorn oder hinten, sorgen Ausgleichsgewichte und die bewegliche Verbindung untereinander dafür, dass die Solarzellen sich neigen und nach einer Windböe von selbst wieder aufrichten.

Gebremst wird der Betrieb solcher Anlagen durch die strengen gesetzlichen Vorgaben zum Gewässerschutz(öffnet im neuen Fenster) . Zulässig ist eine Installation nur in künstlichen oder stark veränderten Gewässern.

Zudem dürfen maximal 15 Prozent der Gesamtfläche belegt werden, während das Ufer mindestens 40 m entfernt sein muss. Auch zur Kontrolle der Gewässerqualität werden die Messbojen gebraucht, um die weiterhin unklaren Auswirkungen von schwimmender Photovoltaik auf das Ökosystem unter Wasser zu überprüfen.


Relevante Themen