Sojus-5: Russlands neue Trägerrakete bleibt vermutlich ein Ladenhüter

Die mittelschwere Sojus-5-Rakete soll noch vor Jahresende vom Kosmodrom Baikonur aus starten(öffnet im neuen Fenster) . Damit steht Russlands neueste Trägerrakete nach fast einem Jahrzehnt der Entwicklung vor ihrem Jungfernflug. Und trotz ihrer Neuheit stellt sie keinen großen technologischen Fortschritt dar. Es muss sich also noch zeigen, ob die russische Raumfahrtagentur Roskosmos Kunden für zukünftige Raketenstarts gewinnen kann.
Bei der Sojus-5 handelt es sich in vielerlei Hinsicht um eine konventionelle Reaktion auf die im Westen entwickelten kommerziellen Trägerraketen sowie auf den langwierigen Krieg des Landes gegen die Ukraine, schreibt das englischsprachige Tech-Magazin Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) .
In welcher Liga bewegt sich die Sojus-5?
Russland verfügt derzeit über die Sojus-2-Rakete, die etwa die Hälfte der Tragkraft hat und für Besatzungs- und Frachtmissionen zur Internationalen Raumstation sowie für den Start kleinerer Raumfahrzeuge eingesetzt wird. Außerdem gibt es die Angara-Raketenreihe, die im letzten Jahrzehnt in Betrieb genommen wurde. Die Sojus-5 liegt hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit zwischen der Sojus-2 und der Angara-A5-Rakete. Damit kann sie eine Nutzlast von bis zu 18 Tonnen in die erdnahe Umlaufbahn transportieren.
Einst waren die Starts der geostationären Satelliten das Hauptgeschäft der Proton-Raketen. Am 15. Dezember 2025(öffnet im neuen Fenster) soll der Wettersatellit Elektro-L5 mit einer Proton-M/Blok-DM-3 ins All gebracht werden. Die beiden Kommunikationssatelliten Lutsch 5VM und Jamal 501 sollen voraussichtlich irgendwann im Jahr 2026 mit einer Proton-M/Bris-M(öffnet im neuen Fenster) in den Orbit befördert werden. Doch das Geschäft mit den geostationären Satelliten ist drastisch zurückgegangen.
Keine Warteschlange beim Startanbieter
Einerseits verschärfte sich der Wettbewerb auf dem internationalen Markt für mittelschwere Trägerraketen. China und Indien schrauben zwar die ins All zu befördernden Nutzlasten und Missionen hoch, besitzen aber ihre eigenen Startdienste.
Europas Ariane-6-Rakete befindet sich ebenfalls im Betrieb und wird einen Teil der größeren europäischen Nutzlasten befördern. Durch den russischen Überfallkrieg auf die Ukraine wandte sich die europäische Raumfahrtbehörde Esa von russischen Startangeboten ab. Vor allem westliche Betreiber sehen deswegen keinen Bedarf mehr, auf russische Raketen zurückzugreifen.
Und dann gibt es noch die Anbieter mit wiederverwendbaren Boostern wie SpaceX mit seinen Falcon-9-Raketen. Durch die fehlende Wiederverwendbarkeit kann Russland keine preisliche Konkurrenz bieten.



