Das beschwingte Ende der Delta III

Noch schlechter erging es der Delta-3-Rakete zwei Jahre später im Jahr 1998. Sie war als Nachfolger der Delta 2 geplant - mit doppelter Nutzlast. Dazu sollte eine effizientere Centaur-Oberstufe zum Einsatz kommen. Die Centaur hatte sich längst bewährt. Ihr Triebwerk ist eine Variante der RL-10-Triebwerke, die schon seit den sechziger Jahren in verschiedenen Raketen benutzt werden. Die erste Stufe nutzte das gleiche Triebwerk wie die Delta 2. Es ist ein RS-27A-Triebwerk, das in einer älteren Variante schon die Saturn-1-Raketen der Apollo-Ära angetrieben hat. Neu waren nur die neun Feststoffbooster, die jeweils 50 Prozent mehr Schub lieferten.

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Drei dieser Booster hatten steuerbare Düsen, um die Rakete trotz des höheren Schubs noch kontrollieren zu können. Trotz der Änderungen an der Rakete wurde die Steuersoftware aus der Delta 2 übernommen, schließlich funktionierte sie zuverlässig. Die neue Rakete wurde mit großem Selbstvertrauen und einem kommerziellen Nachrichtensatelliten, Galaxy 10, gestartet.

Der Flug war zunächst erfolgreich, aber 75 Sekunden nach dem Start geriet die Rakete in Schräglage zur Flugrichtung und musste wie die Ariane 5 gesprengt werden.

Die hydraulischen Steuersysteme der Booster-Raketen versuchten eine 4-Hz-Eigenschwingung in Rollrichtung auszugleichen. Diese Eigenschwingung wurde aber durch die Korrekturbewegungen nur noch verstärkt. Die ständigen Korrekturbewegungen führten schließlich dazu, dass dem System die Hydraulikflüssigkeit ausging und die Steuerdüsen in ihrer letzten Position stehenblieben.

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Die Schwingung in Rollrichtung hörte ohne die ständigen Korrekturbewegungen sofort auf. Aber die verbliebenen Steuerdüsen der ersten Stufe hatten keine Chance, gegen die Booster anzukommen. Denn zwei der Booster blieben im vollen Ausschlag stecken. (Die Raketen verwenden ein offenes Hydrauliksystem, in dem Flüssigkeit aus einem Tank bei jeder Bewegung verbraucht wird.)

Bekanntes Problem und trotzdem ignoriert

Die Problematik solcher Eigenschwingungsmoden war auch schon vor dem Flug bekannt. Es gab sie auch bei der Delta 2. Wegen der Ähnlichkeit der beiden Raketen wurden aber keine eigenen Simulationen mit der Delta 3 durchgeführt. So groß war die Ähnlichkeit dann aber doch nicht, wie Computersimulationen erst nach dem Unfall zeigten. Die Lösung war letztlich ganz einfach. Die 4 Hz wurden zu den Frequenzen in Rollrichtung hinzugefügt, die das System bei den Korrekturmanövern ignorieren sollte.

Genau wie bei der Ariane 5 führte die Übernahme der Software von einer alten Rakete in ein neues System zum Verlust einer Mission. In beiden Fällen gab es die Überzeugung, dass die alte Software die Fehlerfreiheit garantieren würde. Aber tatsächlich wurde sie zur Ursache eines völlig neuen Problems.

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der_wahre_hannes 01. Dez 2015

Du meinst natürlich "Handytastaturen"... :P Autokorrektur sorgt doch eher dafür, dass...

TheUnichi 30. Nov 2015

Linux ist genau so wenig zu 100% stabil. Gibt genug verwurstelte Bibliotheken die keiner...

Icestorm 28. Nov 2015

Naja, zumindest werden Klicks auch von denen generiert, die wissen wollen wie Golem auf...

theonlyone 26. Nov 2015

Das "garnichts" getestet wird ist ja nicht der Fall. Die Frage bleibt, was es bringt...



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