Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Softwareentwicklung mit KI: Die Magie ist weg

Mit sieben Jahren habe ich mit dem Programmieren angefangen. Jetzt bin ich 50 und diese Sache, die ich so liebe, hat sich verändert.
/ James Randall
304 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Softwareentwicklung war für den Autor stets magisch - heute findet er diese Magie kaum mehr. (Bild: Pexels/Pixabay)
Softwareentwicklung war für den Autor stets magisch - heute findet er diese Magie kaum mehr. Bild: Pexels/Pixabay
Inhalt
  1. Softwareentwicklung mit KI: Die Magie ist weg
  2. Die Phasen, die ich durchlaufen habe – und was jetzt anders ist
  3. Der Abstraktionsturm

Dieser Text ist eine Übersetzung. Das Original findet sich hier(öffnet im neuen Fenster).

1983 schrieb ich meine erste Codezeile. Ich war sieben Jahre alt und tippte Basic in ein Gerät, das weniger Rechenpower hatte als der Chip einer heutigen Waschmaschine. Ich habe dieses Gerät verstanden. Jedes kleine bisschen RAM hatte einen Zweck, den ich kannte. Jedes Pixel auf dem Bildschirm war da, weil ich es dahin gesetzt hatte. Der Weg zum Ergebnis war direkt, sichtbar – meiner.

44 Jahre später sitze ich vor Hardware, die dem Kind von damals wie Science-Fiction vorgekommen wäre, und versuche, mir vorzustellen, was "etwas zu entwickeln" heute überhaupt noch bedeuten könnte.

Ich will hier nicht über KI herziehen und auch nicht die guten, alten Zeiten beschwören. Ich habe in den vergangenen Monaten einfach viel darüber nachgedacht und denke, dass es vielen erfahrenen Entwicklern auch so geht, auch wenn sie nicht darüber reden.

Die Zeit, in der ich zum Entwickler wurde

Die Zeit, die ich als Programmierer am meisten mochte, war die der 8-Bit-Rechner bis zum 486DX2-66. Jedes Gerät aus dieser Zeit hatte Charakter: der Sinclair Spectrum mit seinen Artefakten, der Commodore 64 mit dem SID-Chip, der nie das machte, wofür ihn die Entwickler entworfen hatten, das NES mit seiner Begrenzung auf 8 Sprites pro Scanline, die Entwickler dazu zwang, die Hardware auszutricksen.

Und dann war da noch der PC, anfangs eine langweilige beige Kiste für Spreadsheets, die sich aber in atemberaubender Geschwindigkeit vom 286, über den 386 und den 486 entwickelte, bis sie zu jenem Kraftpaket wurde, auf dem Doom lief. In jeder Generation gab es einen Sprung. Ein Upgrade der CPU war nicht nur eine Änderung auf dem Spec-Sheet – es war eine riesige Veränderung.

Diese Geräte waren nicht einfach nur Produkte. Sie waren ein Abenteuerspielplatz für Entwickler, mit denen man Kompromisse eingehen musste. Man musste die Maschine verstehen, um sie benutzen zu können. IRQ-Konflikte, DMA-Kanäle, die Optimierung der Config.sys und Autoexec.bat, Speichermanagement – ein Spiel zum Laufen zu bringen war schon das eigentliche Spiel! Man war nicht nur Nutzer. Man wurde gezwungenermaßen zum Softwareentwickler.

Und die Software passte dazu. Kleine Teams wie das von id Software trafen mutige Entscheidungen, weil es wenig Regeln gab. Ob Carmacks Raycasting in Wolfenstein, die Tricks mit dem VGA-X-Modus in Doom – all das entstand, weil Menschen auf echte Grenzen stießen und daraus etwas komplett Neues machten. Kreative Einschränkungen förderten die Kreativität.

Dann kam die Professionalisierung. Plug and Play kam. Windows abstrahierte alles. Schluss mit dem Wilden Westen. Computer waren keine faszinierenden, prätentiösen Maschinen mehr, die Respekt und Verständnis einforderten, sondern Haushaltsgeräte. Die Handwerkskunst dahinter wurde unsichtbar.

Aber es änderte sich nicht nur das Handwerk, sondern auch das Versprechen.

Als ich jung war, gab es einen großen Optimismus, was Computer alles sein könnten. Ein Kind mit einem Sinclair Spectrum konnte sich selbst beibringen, alles Mögliche zu entwickeln. Das frühe Internet schien eine Gleichberechtigung zu schaffen, wie man sie nie zuvor gesehen hatte.

Diese Hoffnung verwandelte sich in etwas, das ich aufrichtig abstoßend finde. Die Maschinen, die ich liebte, wurden Instrumente zur Überwachung und Datengewinnung. Die Plattformen, die uns verbinden sollten, wollen eigentlich nur unser Geld. Der Erfindergeist starb nicht eines natürlichen Todes – er wurde aufgekauft und zweckentfremdet, um möglichst viele Werbeklicks zu generieren.

Das, was ich liebte, veränderte sich und dient jetzt dazu, Dinge zu tun, mit denen ich nicht in Verbindung gebracht werden möchte. Das ist eine Art von Verlust, die weit über "die Tools haben sich weiterentwickelt" hinausgeht.

Aber ich habe mich angepasst. Das machen erfahrene Entwickler, die Menschheit insgesamt.


Relevante Themen