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Die Phasen, die ich durchlaufen habe – und was jetzt anders ist

In vier Jahrzehnten habe ich mehr Technologiewechsel erlebt, als ich zählen kann. Neue Sprachen, neue Plattformen, neue Paradigmen. Es ging von CLI zu GUI, von Desktop zu Web, von Web zu Mobile, von Monolithen zu Microservices. Und auch: von Tapes zu Disketten zu Festplatten zu SSDs. Javascript-Frameworks kamen und gingen.

In jeder Umbruchphase musste Neues gelernt werden, aber die Grundkenntnisse konnte man mitnehmen. Man lernte eine neue Plattform kennen, wandte das Wissen darüber, wie Systeme arbeiten, darauf an und entwickelte sich weiter. Das Tool war neu, aber das Handwerk war das gleiche. Man verstand immer noch, warum etwas kaputtging, wie Systeme zusammengesetzt waren und wann man besser nicht den scheinbar leichten Weg nahm, weil er ins Chaos führen würde.

Ich habe in vielen Sprachen Code geschrieben, von denen manche Entwickler noch nie gehört haben. Ich habe Software auf Plattformen ausgeliefert, die längst nicht mehr existieren. Ich habe C-Beams vor der Schulter des Orion gejagt. Jedes Mal, wenn sich die Computerindustrie in eine bestimmte Richtung bewegte, vertiefte sich die Erfahrung. Man fing nicht neu an, sondern brachte alles mit und wandte es auf etwas Neues an.

Das ist der Deal, den Entwickler mit der Industrie eingingen: Dinge ändern sich, aber das grundlegende Verständnis bleibt.

Dieses Mal ist es anders

Ich weiß: Das wurde schon oft gesagt und oft war es falsch. Aber ich habe gute Gründe, das zu sagen.

Bei früheren Technologiewechseln galt: "Lerne das Neue und nutze deine Fähigkeiten." Bei KI funktioniert das nicht. Es ist keine neue Plattform, keine neue Sprache, kein neues Paradigma. KI stellt die Frage, was es überhaupt bedeutet, ein guter Entwickler zu sein.

Ich habe das erst nach und nach gemerkt. Ich habe an etwas gearbeitet, ein Feature gebaut, eine Architektur entworfen, und festgestellt, dass ich das Gleiche mache wie immer – nur, dass es nicht mehr interessant ist. Die Arbeit, bei der man eine elegante Lösung findet, mit Problemen ringt, die Genugtuung spürt, wenn es Klick macht – all das übernahmen mehr und mehr KI-Modelle, denen Eleganz egal ist und die so etwas wie Zufriedenheit nicht kennen.

Sie sind billiger. Schneller. Aber sie sind nur Hüllen.

Ich schreibe keinen Code mehr. Ich überprüfe ihn, steuere ihn, korrigiere ihn. Ich bin gut darin, schließlich habe ich 42 Jahre Erfahrung damit, was gut funktioniert und was nicht, wann elegant besser ist als zweckmäßig, woraus Systeme bestehen und wo sie anfällig sind. Das ist wertvoll, das weiß ich. Aber es ist eine andere Art Arbeit und die fühlt sich nicht an wie zuvor.

Der Feedback-Loop hat sich verändert, die Nähe ist weg. Was mich früher nächtelang wach gehalten hat, das Puzzeln, die Jagd, der Moment, als man endlich verstand, warum etwas nicht funktionierte – das alles ist nun nur Prompt und Antwort. Ich sehe Menschen mit nur einem Bruchteil meiner Erfahrung das Gleiche produzieren wie ich. Natürlich haben wir immer noch unterschiedliche Fähigkeiten, aber der Unterschied ist von außen schwerer zu erkennen, schwerer einzuschätzen und auch schwerer selbst zu spüren.


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