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Softwarearchitektur:
Auf schockverliebt folgt der Schock

Manche Entwickler sind von einer neuen Technik so begeistert, dass der Pragmatismus verloren geht. Dieser Irrweg kann teuer werden. Wie sich das verhindern lässt.
/ Marcus Held
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Technologiebegeisterung sollte hinterfragt werden: Löse ich damit ein reales Problem oder suche ich ein Problem für meine Lösung? (Bild: congerdesign/Pixabay)
Technologiebegeisterung sollte hinterfragt werden: Löse ich damit ein reales Problem oder suche ich ein Problem für meine Lösung? Bild: congerdesign/Pixabay

Als ich 2014 als Professional Developer bei einem Gaming-Unternehmen mit rund 25 Entwicklern arbeitete, hörte ich auf einer Konferenz zum ersten Mal von Microservices – und war sofort begeistert. Wir entwickelten ein Rollenspiel, in dem Spieler ihren Charakter durch verschiedene Welten steuerten, Loot sammelten und ihr Inventar verwalteten. Meine Idee lag auf der Hand: ein eigenständiger Inventory Service, der die Ausrüstung verwaltet, sauber getrennt vom Rest der Anwendung. Verschiedene Spielmodi sollten sich diesen Service teilen, wiederverwendbar und modern.

Also stellte ich das Konzept dem CEO vor. Seine Antwort kam schnell: "Zu komplex für das, was wir vorhaben. Nicht pragmatisch genug." Ich war frustriert und dachte: Er hat keine Vision – er versteht nicht, wohin die Branche geht. Was soll man auch erwarten von jemandem, der auf Konferenzen nicht über den Tellerrand hinausschaut? Heute, mehr als zehn Jahre später, bin ich ihm dankbar. Denn Pragmatismus rechnet sich meist mehr als Euphorie. Wie Entwickler sich dagegen wappnen können.

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